Premiere von Karsten Müllers politischem Kindertheaterstück „Ich bin für mich“ in Tufa Trier

Kindertheater : Die Fabel vom Löwen und dem Karpfen in der Trierer Tufa

Bei der Premiere von Karsten Müllers politischem Theaterstück „Ich bin für mich“ in der Tufa Trier sind viele Kinder begeistert. Das Danach ist ihnen aber mindestens ebenso wichtig.

Etwa 35 Kinder, die auf dem Boden des großen Saals der Tufa sitzen, sehen sich zu Beginn des Stücks in eine geheimnisvolle Fabelwelt voller sprechender Tiere versetzt. Es gibt einen Axolotl, einen Kater, einen Strauß und viele andere Tiere, alles Handpuppen, gespielt von Monika Wender und Bonko Karadjov. Die beiden sind auch die Hauptfiguren Maus und Löwe, zusammen mit Josef Michael Kreutzer („Jomi“), der pantomimisch einen Karpfen darstellt.

Das Bühnenbild (Karsten Müller) ist schlicht – ein mit einem grünen Netz überzogener Felsen, ein paar Kisten, ein stilisierter Baum. Im Vordergrund befindet sich ein imaginärer See. In der Phantasie der Kinder soll eine Welt entstehen, in der sich die verschiedensten Tiere friedlich tummeln.

Allerdings herrscht keine ungetrübte Harmonie. Die eigensinnige Maus wirft die Frage auf, warum eigentlich der Löwe immer der Herrscher im Tierreich sei und dass die Tiere doch eigentlich ihren König selber wählen müssten. Und tatsächlich kann die Maus den Löwen überzeugen, einer Wahl zuzustimmen.

Und damit ist Regisseur und Autor Karsten Müller am zentralen Thema des Theaterstücks angelangt, das auf dem gleichnamigen Bilderbuch von Martin Baltscheit beruht: Wie kann man Kindern das Wesen der Demokratie auf kindgerechte Weise vermitteln? Müller will ihnen auf spielerische Weise näherbringen, dass Wahlen, freie Meinungsäußerung und Toleranz zentrale Elemente der Demokratie sind. Aber auch, dass das Gemeinwohl wichtiger ist als Eigennutz. Nachdem nämlich eine turbulente Wahl mit Wahlkampf, Parolen und Diskussionen stattgefunden hat, stellt sich heraus, dass alle sich selber gewählt haben. Es muss also noch einmal gewählt werden.

Sieger wird der Karpfen, der Kandidat der Wasserbewohner, dargestellt vom Ausnahmepantomimen „Jomi“. Faszinierend zuzuschauen, wie er als Karpfen den See vom Unrat befreit, einen Damm baut oder eine stumme Geschichte von der Bedrohung der Meere erzählt. Das junge Publikum ist mucksmäuschenstill und folgt gebannt seinen eleganten Bewegungen, seiner Gestik und Mimik.

Monika Wender tanzt und singt als muntere Maus auf der Bühne, setzt sich dann mitten unter die Kinder und diskutiert mit ihnen über das Geschehen. Der Tenor Bonko Karadjov mit seiner kraftvollen Stimme ist prädestiniert dafür, den Löwen zu spielen. Er zeigt aber auch die etwas sympathischeren und humorvollen Seiten des Königs der Tiere. Beeindruckend, wenn Karadjov ein Operettenlied aus der „Csárdásfürstin“ von Imre Kálmán vorträgt und im Sinne des Theaterstücks umändert in: „Ganz ohne Wahlen geht die Chose nicht.“

Müller und seinem Ensemble gelingt es mit Puppenspiel, Tanz, Gesang und Pantomime sicherlich, eine Reihe von Kindern in diesen gesellschaftlich schwierigen Zeiten ohne erhobenen Zeigefinger für einige wesentliche Elemente der Demokratie zu sensibilisieren. Aber dann ist es für die jungen Zuschauer genau so schön und wichtig, nach dem Ende des Stückes zusammen mit der Maus auf der Bühne zu stehen, zu tanzen und zu singen, ausgelassen zu sein und sich des Lebens zu freuen.

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