Premiere von Sartres Geschlossene Gesellschaft ruft Jubelstürme im Kasino in Trier hervor

Theater : Premiere von Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ ruft Jubelstürme im Kasino in Trier hervor

Jean-Paul Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“ ruft Jubelstürme im Kasino am Kornmarkt hervor. Dabei ist die Atmosphäre äußerst aufgeladen.

Drei Menschen, die sich zu Lebzeiten nicht kannten, landen in der Hölle. Sie sind im selben Raum gefangen, doch kein Folterknecht, keine glühenden Eisen und kein pferdefüßiger Dämon peinigen sie dort. Diese drei Personen sind es, die sich selbst und sich gegenseitig die Hölle bereiten.

Estelle (Angelika Bitter), Garcin (Michael Roller) und Inès (Lisa Höpel) sind sich ausgeliefert und buhlen um die Gunst der Anderen, gleichzeitig hassen sie sich zutiefst. Im ausverkauften Kasino bekommen auch die Besucher des Premierenabends ein bisschen Hölle geboten.

Doch das bezieht sich ausschließlich (!) auf die dort herrschende Temperatur. Jean-Paul Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft – die Hölle, das sind die Anderen“ ist keine leichte Kost. Philosophisch, intellektuell, tiefgründig – das muss gut gespielt und inszeniert sein. Regisseurin Melanie Telle und Co-Regisseurin Anna Lankes setzen auf Frauenpower auf und vor der Bühne und liegen damit goldrichtig. Die Kostüme haben sie von Yvonne Braschke schneidern lassen.

Estelle, die Männer in Hemdsärmeln hasst, trägt ein Kleid, das aus Hemdsärmeln genäht wurde. Der machohafte Garcin ist in einen Rock in Army-Tarnfarben gewandet, Inès ist in Weiß gekleidet. In der vollständig weiß ausgekleideten Hölle könnte sie, die Extrovertierte, mit dem Hintergrund verschmelzen – ein Zustand, den sie hasst.

Allen drei Schauspielern gelingt es, Sartres Text, der auf Intellekt und philosophische Gedanken ausgelegt ist, dem Publikum mit viel Dynamik nahezubringen. Allen voran Lisa Höpel, die in der Rolle der Inès provoziert, schreit, tanzt, tobt, lacht und stets aus voller Seele agiert, sorgt dafür, dass zu keiner Zeit Langeweile im Zuschauerraum herrscht. Auch die gut dosiert eingespielten Projektionen im Hintergrund (Bonko Karadjov) sorgen dafür, dass Sartres Text dabei nicht überlagert wird.

„Geschlossene Gesellschaft“ ist Theater für den Kopf, nicht für das Herz. Sympathien bringt der Zuschauer für die drei Protagonisten nicht auf, was durchaus beabsichtigt ist. Jeder, der den Umgang mit sich und seinen Mitmenschen reflektiert betrachtet, kann seine Schlüsse aus Sartres Klassiker ziehen. Im höllisch heißen Kasino gab es am Ende langanhaltenden Applaus und Jubelrufe.

Weitere Vorstellungen finden statt: 15. September um 19.30 Uhr, 22. September um 18 Uhr und am 26. September um 19.30 Uhr, Karten gibt es bei Ticket Regional.

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