Probanden müssen Nase hinhalten

Probanden müssen Nase hinhalten

Die Maschinen bei der Recyclingfirma Eu-Rec im Trierer Hafen stehen ab heute bis ins neue Jahr still. Firmenchef Willi Streit hatte das den Pfalzeler Bürgern versprochen, die monatelang unter Gestank litten, der vom Firmengelände über den Stadtteil waberte. Mittlerweile gibt es keine Beschwerden mehr. Eine Messung der Luftwerte steht trotzdem an.

Trier. Monatelang lag seit vergangenem Sommer immer wieder ein ekelerregender Gestank über Pfalzel. So schlimm, dass zwei Anwohner die im Trierer Hafen ansässige Recyclingfirma Eu-Rec, Verursacherin des üblen Dufts, wegen Körperverletzung anzeigten (der TV berichtete). Nach massivem Druck der Bürger schaffte die Firma eine neue Waschanlage zur besseren Reinigung der Folien an, die die Eu-Rec zu wiederverwertbarem Kunststoff verarbeitet. Zudem sortieren zusätzliche Mitarbeiter stärker als zuvor organisches Material vor der Erhitzung des Materials aus. "Seit diese Neuerungen Ende November in Betrieb gegangen sind, hat es in Pfalzel nicht mehr gestunken", sagt Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel.
Betrieb bis Januar eingestellt



Noch vor Einsatz der neuen Maschine hatte Eu-Rec-Chef Willi Streit bei einer Bürgerversammlung versprochen, die gesamte Anlage über die Feiertage auszuschalten, damit es an Weihnachten auf keinen Fall dicke Luft im Stadtteil gibt. "Es stinkt zwar auch bei laufendem Betrieb nicht mehr und unsere Auftragslage ist gut, aber trotzdem schalten wir die Maschinen bis zum 2. Januar aus", erklärte Streit auf TV-Nachfrage.
Die Gefahr, dass sich über den Jahreswechsel der Wertstoffmüll - zum Beispiel verschmutzte Gelbe Säcke - wegen des Produktionsstillstands nicht abgebaut und zu stinken anfängt, besteht laut Streit nicht. "Wir haben mit unseren Auftraggebern geringere Liefermengen ausgemacht, und vor der Erhitzung riechen die Folien ohnehin kaum."
Laufen im Januar die Maschinen wieder an, muss Streit auf Anordnung der für Umweltschutz zuständigen Aufsichtsbehörde, der Struktur und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, die Abluft der Anlage messen lassen. "Mit dieser Emissionsprüfung habe ich die Firma Pro Terra aus Sulzbach im Saarland beauftragt", sagt Streit. Die Messung soll möglichst noch im Januar stattfinden und muss bei Vollbetrieb der Maschinen erfolgen. Außerdem muss die Waschanlage mit Material gefüllt werden, dass auch sonst bei der Firma anfällt, und nicht etwa mit vorab besonders gründlich gereinigten Folien. Analysiert wird die Abluft zum einem durch spezielle Geräte. Zum anderen müssen Probanden ihre Nasen hinhalten. "Direkt am Kamin werden Luftproben genommen. Die Firma Pro Terra fährt dann mit von ihr ausgewählten Probanden an einen geruchsneutralen Ort. Dort werden die Luftproben geöffnet und die Probanden riechen, ob es stinkt", erklärt Streit das Vorgehen.Extra

Der Konflikt zwischen Pfalzel und der Recyclingfirma Eu-Rec resultiert auch aus der unmittelbaren Nähe, in der Wohn- und Industriegebiet angrenzen. Die enge Nachbarschaft lässt sich auf eine Fehlplanung in den 1960er-Jahren zurückführen: 1964 hatte der Zweckverband Wirtschaftsförderung im Trierer Tal einen Bebauungsplan für das Industriegebiet aufgestellt, der die Ansiedlung von emissionsstarken Firmen regeln sollte. Wegen eines formellen Fehlers trat der Bebauungsplan allerdings nicht in Kraft. Das Industriegebiet wurde nach niedrigschwelligeren Vorgaben besiedelt. Die damals noch von der Stadt unabhängige Ortsgemeinde Pfalzel wies 1968 ihrerseits ein Neubaugebiet südlich der Karolingerstraße aus - und damit in unmittelbarer Nähe zum wachsenden Industriegebiet. Heute wäre ein solches Beieinanderrücken von Wohnen und Industrie nach Paragraf 50 des Bundesimmissionsschutzgesetz, seit 1974 in Kraft, nicht mehr zulässig. woc