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Problemzone des Altstadt-Verkehrs

Problemzone des Altstadt-Verkehrs

Falschfahrer, gefährdete Fußgänger: Die Justizstraße ist eine der Verkehrs-Problemzonen der Altstadt. Die SPD im Stadtrat beantragt zur Entschärfung der Situation die Wiederherstellung der Verkehrsführung, die bis 2006 galt.

Trier. Bis August 2006 war so weit alles in Ordnung rund um den Nikolaus-Koch-Platz. Dann begann der Bau der Trier-Galerie und damit die Zeit der großen Verkehrs-Provisorien. Seit anderthalb Jahren ist das große Einkaufszentrum in Betrieb, aber das große Verkehrsproblem besteht noch immer.

Falschfahrer auf Busspur gefährden Fußgänger



Die vor dreieinhalb Jahren zur ausschließlichen Busspur deklarierte Justizstraßen-Richtungsfahrbahn Walramsneustraße/Treviris bewirkt weiterhin ein Chaos. Viele Kraftfahrer pfeifen auf die blauen Verkehrszeichen, die die Straße als "Bussonderfahrstreifen" kennzeichnet, andere lassen sich von überholten "Bus"-Markierungen auf der Fahrbahn verwirren. Viele Fußgänger überqueren weiterhin die Justizstraße in Höhe der Böhmerstraßen-Einmündung, obwohl es dort keinen Überweg mehr gibt. Der offizielle Überweg in Höhe der Dietrichstraße birgt hingegen ein großes Benutzungsrisiko. Weil die Fahrtrichtung Walramsneustraße/Treviris ja Busspur ist, gibt es dort keinen Zebrastreifen. Das macht Fußgänger an dieser Stelle zu "Freiwild" für Falschfahrer.

Die SPD im Stadtrat will das nun ändern. Per Antrag fordert sie die Verwaltung auf, das bislang Bussen vorbehaltene Justizstraßen-Teilstück "für sämtlichen Straßenverkehr" freizugeben, also die Regelung einzurichten, die bis August 2006 galt. "So lassen sich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen", glaubt der verkehrspolitische Fraktionssprecher Rainer Lehnart. Dazu zählt er neben dem Schutz von Fußgängern und der Schaffung von "endlich klaren, nachvollziehbaren Verhältnissen" auch die bessere Anbindung und Auslastung des Parkhauses Hauptmarkt (früher Treviris). Wer die Großgarage aus Richtung Süden kommend auf legalem Wege ansteuert, muss einen großen Bogen über Oeren- oder Deutschherrenstraße fahren - was nach Einschätzung Lehnarts zu erhöhter Umwelt- und Lärmbelastung, aber auch zu größerer Gefährdung der Schüler des zwischen Oeren- und Deutschherrenstraße liegenden Berufsschulzentrums führt.

Bis Ende April will die SPD ihr Ansinnen umgesetzt sehen, aber ob es am 11. März eine Mehrheit im zuständigen Baudezernatsausschuss geben wird, ist noch unklar. Die Grünen, die mit FDP und SPD eine Koalition bilden, verspüren nach den Worten von Dominik Heinrich (Stadtratsmitglied und Ortsvorsteher von Trier-Mitte) "durchaus Sympathie für den Antrag", befürchten aber, dass eine völlige Freigabe der Justizstraße zu mehr Verkehr und mehr Lärm in der Zuckerbergstraße führt. Die Fraktion sei gerade dabei, das Thema, "das in einem große n Ko ntext gesehen werden muss", intensiv zu diskutieren. Was den Schutz der Fußgänger anbetrifft, ist sich Heinrich einig mit Lehnart: "Die jetzigen Verhältnisse führen zu großer Verunsicherung und Gefährdung."

Meinung

Höchste Zeit!

Wunder gibt es immer wieder, an der Justizstraße sogar tagtäglich. Mit ehrfürchtigem Erstaunen darf man dort ein Mysterium zur Kenntnis nehmen: Tag für Tag missachten Hunderte Verkehrsteilnehmer - Fußgänger wie Kraftfahrer - die geltenden Regelungen, und dennoch ist es noch nicht zu schwerwiegenden Unfällen gekommen. Anzunehmen, dass der Mix aus Chaos und Anarchie weiterhin keine Opfer fordert, wäre fatal. Deshalb hat die SPD völlig recht, klare Verhältnisse zu fordern. Mit einer Freigabe der Fahrtrichtung Walramsneustraße/Treviris alleine aber ist es nicht getan. Mehr Schutz für die am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmer, die Fußgänger, bringen nur der mit Ampel versehene Justizstraßen-Überweg in Höhe der Böhmerstraße - 2009 von der Stadt klammheimlich abgeschafft - und eine längere Grünphasen für den Überweg City-Parkhaus/Zuckerbergstraße. Andernfalls droht irgendwann mal ein blaues Wunder. r.morgen@volksfreund.de