Professor lebt den Müllmann-Traum
Immer, wenn es ihm allzu bürokratisch wurde, träumte er davon, Müllmann zu sein. Nun durfte der Architektur-Professor tatsächlich einen Tag lang hinten auf dem Müllauto stehen. Dabei sorgte Alois Peitz für Aufsehen.
Schweich. (red) "Manchmal wäre es schön, einfach ein Müllmann zu sein." Diesen Wunsch äußerte Professor Alois Peitz seit seiner Kindheit immer wieder. Zu seinem 75. Geburtstag geht der Wunsch in Erfüllung.Der Architekt, der 30 Jahre lang als Bistumsarchitekt für viele Trierer Bauwerke verantwortlich war, steht hinten auf dem Müllfahrzeug und gibt das Kommando zur Weiterfahrt. "Heh, heh", ruft der Dozent der Trierer Fachhochschule so laut, dass die Anwohner der Hofgartenstraße in Schweich aus ihren Häusern kommen und nachschauen, was da los ist. Wie ein Kind freut er sich, dass sich das Müllauto auf sein Kommando in Bewegung setzt.Keines seiner Spielzeugautos gehorchte ihm
"Als kleiner Junge nervte ich meine Eltern mit der Frage, warum das Müllauto losfährt, sobald einer ,Heh' ruft", sprudelt es aus ihm heraus. "Keines meiner Spielzeugautos reagierte jemals auf diesen Ruf", fügt er grinsend hinzu. Obwohl er natürlich längst dahintergekommen ist, wie sich die Müllfahrzeuge in Bewegung setzen, hat ihn die Faszination nie losgelassen. "Wenn es in meinem kreativen Beruf allzu bürokratisch wurde, dachte ich öfter, es wäre schön, hinten auf dem Müllfahrzeug zu stehen und schlicht und einfach seine Arbeit machen zu können."Einer seiner früheren Studenten und jetzigen Exkursionsbegleiter, Günter Hymer, erinnerte sich anlässlich des anstehenden Geburtstages an diesen Wunsch und ließ ihn in Erfüllung gehen. Beim Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Trier (ART) stieß er auf offene Ohren. "Unseren wirklich eingefleischten Fans, die 70 Jahre auf ein solches Ereignis warten, kommen wir, wenn es sich mit unserer Tour vereinbaren lässt, gern entgegen", erklärt ART-Pressereferentin Elisabeth Hill.Für Helmut Ries, den Fahrer des 26-Tonners, ist es auch ein besonderes Erlebnis. "Durch die Schilderung des Professors sehe ich die Arbeit nun aus einem anderen Blickwinkel. Offensichtlich gibt es überall Momente, in denen man andere beneidet", erklärt er. Bevor sein "Kollege" zu philosophisch wird, steigt Professor Peitz lieber wieder aufs Trittbrett und lässt es richtig schallen: "Heh, Heh!"