Profitieren vom Rieslingboom

Der Riesling ist sprichwörtlich in aller Munde. Im In- und Ausland erfreut sich diese Weißwein-Rebsorte größter Beliebtheit. Die Mosel profitiert (noch) ganz besonders von diesem Boom. Aber auch andere Regionen wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden.

 Ob direkt beim Winzer, im Fachhandel oder im Supermarkt: Riesling ist in. TV-Foto: Winfried Simon

Ob direkt beim Winzer, im Fachhandel oder im Supermarkt: Riesling ist in. TV-Foto: Winfried Simon

Zell/Bernkastel-Kues. Die Zahlen belegen es deutlich: In diesem Jahr wird die Pfalz mit knapp 6000 Hektar Riesling-Anbaufläche das Anbaugebiet Mosel (5300 Hektar Riesling) als größtes Riesling-Anbaugebiet Deutschlands ablösen. Die Winzer in der Pfalz - aber auch in Rheinhessen - haben erkannt, dass mit dem Riesling gutes Geld zu verdienen ist. Dort werden unter anderem ehemalige Dornfelder-Weinberge, die heute nicht mehr so viel Geld bringen wie noch vor Jahren, zunehmend "grün veredelt". Das heißt: Die Dornfelder-Rebe wird über der Wurzel abgeschnitten; auf sie wird eine Riesling-Rebe gepfropft. Anbauflächen nehmen zu

Aber nicht nur in der Pfalz und in Rheinhessen nehmen die Riesling-Anbauflächen zu. Auch in Österreich, in den USA, Australien und Chile haben die Erzeuger die Chance erkannt, die der Riesling bietet. Beim ersten Cochem-Zeller Bauern- und Winzertag gestern in Zell zeigten sich Winzer und deren Berufsvertreter besorgt, diese Konkurrenz könne der Mosel schaden. Winzer Albert Kallfelz aus Zell formulierte es drastisch: "Ich habe Angst vor den Trittbrettfahrern, die den Riesling-Steillagenwein an die Wand fahren." Mosel-Weinbaupräsident Adolf Schmitt meinte: "Alles was erfolgreich ist, wird nachgeahmt." Schmitt berichtete, dass große Sektkellereien zunehmend ihre Riesling-Grundweine außerhalb der Mosel einkaufen. Schmitt fordert daher den Begriff "Mosel-Steillagen-Riesling" zu schützen und für die dort erzeugten Weine Qualitätsparameter einzuführen. Im Gespräch mit dem TV präzisierte Schmitt seine Vorstellungen: An Riesling-Steillagenweine von der Mosel müssten höhere sensorische Anforderungen gestellt werden, so Schmitt. Ferner könne er sich vorstellen, für diese Lagen die Mengen zu begrenzen und Mindestmostgewichte festzulegen. Schmitt: "Wir müssen unsere Riesling-Steillagenweine herausheben." Winzer Rolf Haxel aus Cochem ergänzte: "Steillagenriesling können die anderen nicht, er ist unsere Stärke." Professor Dr. Dieter Hoffmann von der Forschungsanstalt Geisenheim hat in zahlreichen Untersuchungen festgestellt, dass die aromatischen und frischen Rieslingweine den Geschmack des internationalen Konsumenten treffe. Allerdings müssten diese Weine auch "frisch und modern" präsentiert werden. Hier gebe es noch Nachholbedarf.

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