Projekt Alltagslotsen: HIlfe bei den Tücken des Alltags

Ehrenamt : Projekt Alltagslotsen in Trier: Hilfe bei den Tücken des Alltags

Ein Ehrenamtsprojekt des Sozialdienstes katholischer Frauen unterstützt Flüchtlinge, Senioren und alle, die Hilfe brauchen.

Ehrenamtskoordinatorin Petra Meschede zeigt auf das Informationsschreiben, das an der Eingangstür des Mehrfamilienhauses am Trierer Alleenring hängt. Der Netzbetreiber kündigt damit den Termin für Servicearbeiten in den Wohnungen an. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie unsere Alltagslotsinnen helfen können“, erklärt die Frau vom Sozialdienst katholische Frauen (SKF).

Wir sind auf dem Weg zu Manal Mohammad. Die 43-jährige Frau aus Syrien lebt seit einigen Wochen mit ihrem fünfjährigen Sohn in dem Haus. Die erfahrene Hebamme will so schnell wie möglich in diesem Beruf arbeiten. Doch bevor daran zu denken ist, muss sie ihre Deutschkenntnisse auf das geforderte Niveau bringen. Das Schreiben an der Haustür kann sie noch nicht lesen. Dabei und bei der Bewältigung anderer bürokratischer Hürden des Alltags hilft ihr Birgit M., eine der 25 ehrenamtlichen Paten des SKF, die als Alltagslotsen in jeder Woche einige Stunden ihrer Zeit der Hilfe für Mitmenschen widmen.

Das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt ist aus der Flüchtlingshilfe hervorgegangen und widmet sich seit Ende 2018 bedürftigen Menschen aller Bevölkerungsgruppen. In Ergänzung zu den professionellen Beratungsangeboten geht es zum Beispiel um die Begleitung von Menschen zum Arzt oder Behörden, um Hilfe bei der Wohnungssuche oder beim korrekten Ausfüllen von Formularen. „Unsere Alltagslotsen ersetzen keine Pflege- oder Reinigungskraft“, macht Petra Meschede deutlich. „Unterstützung und Zuwendung sind das Ziel.“

Wie das im Idealfall aussehen kann, zeigt sich bei dem Besuch von Manal Mohammad. Schon die herzliche Begrüßung mit Birgit M. – die Akademikerin will in der Öffentlichkeit nicht erkannt werden – zeigt die Freundschaft, die hier in den vergangenen vier Monaten entstanden ist. Die 43-Jährige kredenzt ihren Besuchern frisches Gebäck und Getränke. „Das Problem ist die Sprache. Ich kann noch nicht sehr gut Deutsch“, sagt sie, etwas stockend, aber zunehmend sicher. „Ich habe keine Angst, mit den Frauen von SKF zu sprechen. Da fühle ich mich stark. Aber alleine habe ich noch zu viel Angst.“

Die Prüfung B1 als Grundlage für die allgemeine Verständigung im Alltag hat sie im Mai bestanden. Um beruflich eine Chance zu haben, paukt sie nun für den B2-Abschluss. „Ich muss dafür ganz viel reden“, weiß Manal Mohammed und freut sich über jeden per WhatsApp oder Telefon vereinbarten Besuch ihrer Gesprächspartnerin und Freundin Birgit. Geübt wird dann auch für die Behördenbesuche oder die Termine in der Kita ihres Sohnes. Die gemeinsame Lektüre behördlicher Schreiben gehört ebenfalls zum Pflichtprogramm. Die Alltagslotsin ist von ihrer ehrenamtlichen Arbeit begeistert. „Es kommt ganz viel positive Energie zurück. Das ist einfach schön.“

Drei bis vier Stunden pro Woche verbringen die ehrenamtliche Helferin und ihr Schützling gemeinsam. „Das ist für unser Projekt schon sehr viel“, betont SKF-Koordinatorin Petra Meschede, die angesichts des hohen Bedarfs weitere Menschen sucht, die sich als geschulte Alltagslotsen engagieren wollen. „Wir brauchen tatsächlich auch mehr Männer. Denn Jugendliche sind froh über eine männliche Vertrauensperson.“ Kostenlose Schulungen, regelmäßige Fortbildung, die Versicherung während der ehrenamtlichen Arbeit und die Erstattung von Fahrt- und Parkkosten seien für alle Alltagslotsen selbstverständlich. „Unsere Ehrenamtlichen machen neue und wichtige Erfahrungen“, wirbt Meschede. „Sie bekommen ein unmittelbares Gefühl, dass sie helfen können.“ In einigen Fällen hätten sich tiefe Freundschaften gebildet.

Wie solche Freundschaften beginnen, zeigt sich beim Besuch in der kleinen Wohnung von Manal Mohammed, deren Gastfreundschaft von Herzen kommt. „Ich glaube, ich werde in Zukunft in Trier viele Freunde haben“, versichert die Frau mit dem weiß-blauen Kopftuch und lacht. „Aber erst einmal sind der Beruf und die Sprache das Wichtigste.“

Mehr von Volksfreund