Projekt gegen Jugendkriminalität startet erst 2012
Trier · Unter einem Dach sollen Staatsanwaltschaft, Polizei und Träger der Jugendhilfe die Jugendkriminalität bekämpfen. Doch das bereits vor drei Jahren angekündigte Haus des Jugendrechts in Trier-West wird wohl auch 2011 nicht fertig. Die Stadt Trier meldet auf Anfrage des TV "die Insolvenzen einiger beteiligter Firmen".
Trier. Zu diesen insolventen Unternehmen gehört nach TV-Informationen eine Elektrofirma aus Ayl. Die Stadt hat den Vertrag gekündigt und will die Arbeiten neu ausschreiben.
Im März 2008 hatte der damalige Polizeipräsident Manfred Bitter während der Vorstellung der Kriminalstatistik angekündigt, dass in Trier das landesweit vierte Haus des Jugendrechts entstehen soll. Doch nach 2009 und 2010 wird der Startschuss zum Kampf gegen die Jugendkriminalität in diesem Jahr wieder verschoben. "Anfang nächsten Jahres" werde das Haus des Jugendrechts fertig sein, meldet das Trierer Presseamt.
Kurze Wege, schnelle Abläufe
In einem der alten Kasernengebäude in der Gneisenaustraße sollen Polizeipräsidium, Staatsanwaltschaft, die Jugendgerichtshilfe des Landkreises Trier-Saarburg und der Stadt, das Jugendwerk Don Bosco sowie die Arbeitsgemeinschaft Starthilfe Trier auf 2238 Quadratmetern unter einem Dach vereint werden. Die kurzen Wege sollen Kooperationen vereinfachen und beschleunigen, Abläufe intensivieren und ein schnelles Eingreifen ermöglichen, um Jugendkriminalität zu ahnden und gefährdete Jugendliche wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
"Dieses Konzept ist die einzige Möglichkeit, Jugendkriminalität einzudämmen", teilte der Innenminister bei der Grundsteinlegung mit. Das Haus des Jugendrechts kostet fünf Millionen Euro, das Land fördert das Projekt im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" mit 3,75 Millionen Euro. Eines der letzten wirklich großen öffentlichen Bauprojekte in der armen Stadt Trier - nur geht es nicht voran. Seit Jahren zerreißen Pannen und Verzögerungen den Zeitplan (siehe Extra). Die aktuell von der Stadt Trier gemeldeten Insolvenzen sind ein weiteres Glied in einer mittlerweile langen Kette.
Nach TV-Informationen ist das in Ayl sitzende Unternehmen Elektro Service Bauschert (ESB) eine der insolventen Firmen, die am Haus des Jugendrechts mitgearbeitet haben. Bauschert wurde vom Trierer Gebäudeausstatter Sperber übernommen - sowohl der Standort Ayl als auch die 20 Arbeitsplätze wurden dadurch gerettet (der TV berichtete), die Firma ist unter der Leitung von Arno Ripp und Mario Britten weiterhin im Geschäft. Aus informierten Kreisen verlautete, dass die Stadt Trier den Vertrag mit Bauschert dennoch gekündigt hat und die Elektroinstallationen komplett neu ausschreiben will.
Stadt will neue Ausschreibung
"Die Stadt ist bisher nicht auf uns zugekommen und hat uns gefragt, ob wir den Job beenden können", sagt ein Repräsentant von Bauschert/Sperber, der nicht genannt werden will.
Allein die neue Ausschreibung der Elektroinstallationen bedeutet eine Verzögerung von Monaten. Der zuerst für den Sommer, dann für den Herbst 2011 geplante Einzug ist damit vom Tisch.
Das Polizeipräsidium erfuhr vom Volksfreund von der neuen Verzögerung. "Das ist natürlich schade", sagt der Leitende Polizeidirektor Jürgen Schmitt, der den Polizeipräsidenten Lothar Schömann zurzeit vertritt. "Aber solche Ereignisse lassen sich nicht vorhersehen. Dennoch sind wir guter Dinge und vertrauen darauf, dass es in Kürze zügig weitergeht."
"Äußerst unschön", kommentiert Triers Leitender Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer die Lage. "Aber in einer Lenkungsgruppe und regelmäßigen Fallkonferenzen arbeiten die späteren Bewohner des Hauses des Jugendrechts bereits jetzt quasi in einem virtuellen Haus enger zusammen als vorher."März 2008: Polizeipräsident Manfred Bitter kündigt während der Präsentation der Kriminalstatistik 2007 an, Trier werde nach Mainz, Kaiserslautern und Ludwigshafen das vierte Haus des Jugendrechts erhalten. Zum 1. Januar 2009 sollten Polizei, Justiz und Jugendhilfe einziehen. August 2008: Das Bauamt der Stadt Trier verkündet, es sei völlig überlastet und könne deshalb die anstehenden Planungsarbeiten nicht leisten. Vor 2010 sei absolut nichts zu machen. April 2009: Der Stadtrat beschließt einstimmig, drei Gebäude in der Gneisenaustraße zu modernisieren - darunter auch das Haus des Jugendrechts, dessen Eröffnung schon im Januar geplant war. Januar 2010: Trier feiert den offiziellen Spatenstich mit Innenminister Karl-Peter Bruch. Das Projekt soll im Sommer starten. Februar 2011: Polizei, Justiz und Jugendhilfe gründen den Förderverein Haus des Jugendrechts. Zum Jahresende soll das Haus fertig werden. jp