PROSTITUTION

Zum Bericht "Stadtrat stimmt für Sexsteuer" (TV vom 30. Juni):

Der Stadtrat Trier hat eine Sexsteuer beschlossen, die Prostituierte pro Tag zu entrichten haben. Die eigentlichen Geldverdiener des Geschäfts mit der Ware Frau werden zum größten Teil von dieser neuen Steuer unberührt bleiben: die Vermieter von Räumen zum Zweck der Prostitution, die Wuchermieten einkassieren, und die Zuhälter. Bei gleichbleibender Nachfrage werden sich die wenigsten Frauen erlauben, den Aufpreis vom Freier zu verlangen. Also wird es bei den Schwächsten hängenbleiben, das heißt den Frauen selbst. Ihre eigenen Einnahmen werden davon noch niedriger und die Abhängigkeit von ihren Zuhältern noch höher. Von anderen Städten wissen wir, dass die meisten Zuhälter verschwinden, sobald es eine Sexsteuer gibt. Es gibt meistens nur noch "Freunde". Jeder "Freund" schützt eine oder mehrere Frauen. Der Vermieter, der die Räume zur Verfügung stellt, weiß angeblich nicht, was in den Zimmern passiert. So übernehmen die richtigen Gewinner des Geschäfts keine Verantwortung für die Prostituierten, können auch nicht besteuert werden. Mit einer Sexsteuer wird auch die gewollte soziale Isolation der Frauen begünstigt. Sobald sie irgendwo Wurzeln geschlagen haben, werden sie ausgetauscht und in einer anderen Stadt eingesetzt. Ständiger Standortwechsel hält die Frauen in Unsicherheit und erhöht ihre Schutzbedürftigkeit, was die Macht der Zuhälter sichert. Zuhälternetzwerke haben mit der Sexsteuer einen zusätzlichen Grund für diese von den Freiern gewollte, organisierte Fluktuation. Dass sie selten mehr als drei Wochen in einer Stadt tätig sind, sollte dazu beitragen, das Einziehen der Steuer für die Stadt sehr schwierig zu machen. Die Vorstellung, es mit Hilfe von Internet zu machen, ist naiv. Auf den einschlägigen Webseiten erfährt man nicht die richtige Identität der Frauen, sondern Scheinnamen. Auf den Bildern sieht man meistens ihre Gesichter nicht. Die meisten käuflichen sexuellen Leistungen werden zudem in Wohnungen, Clubs, am Wohn- oder Arbeitsort des Freiers erbracht. Wann gibt es endlich eine Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel in Trier? Florence Humbert, Trier, Verein Terre des Femmes, Menschenrechte für die Frau