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Protest im Rathaus: Noch kein Ersatz für Trierer Skaterhalle

Protest im Rathaus: Noch kein Ersatz für Trierer Skaterhalle

Mit Schildern und Flugblättern haben 100 junge Menschen im Trierer Rathaus für den Erhalt der Skaterhalle in Trier-West demonstriert. Bürgermeisterin Angelika Birk versprach im Dezernatsausschuss, für die Zeit nach dem geplanten Abriss intensiv nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen.

Trier. "Kein Abriss der Skatehalle ohne echte Alternative": Einen Flyer mit dieser Forderung bekommt jeder in die Hand gedrückt, der am gestrigen Donnerstagabend den Trierer Ratssaal betritt. Als die Sitzung des Dezernatsausschusses II beginnt, formieren sich alle Teilnehmer der Demonstration im Zuschauerraum, halten Schilder und Transparente hoch. Sie fürchten, dass die Halle bald einem neuen Wohngebiet zum Opfer fallen wird (siehe Extra).

Die Anfrage der SPD-Fraktion, was die Stadtverwaltung zur Lösung des Problems unternommen hat, müsste erst einmal auf die Tagesordnung genommen werden. Doch Sozialdezernentin Angelika Birk (Bündnis 90/Die Grünen) antwortet gleich unter dem Punkt Mitteilungen. "Wir haben immer gesagt: Die Skater dürfen den ehemaligen Supermarkt vorübergehend nutzen. Wenn das Grundstück verkauft ist und bebaut werden soll, folgt der Abriss." Das geschehe nicht vor Ende 2012.

Die Grundlage für die weitere Entwicklung bildet der Bebauungsplan BW 74. Mit dem Entwurf beschäftigen sich der Bauausschuss am 25. Januar und der Stadtrat am 31. Januar. Danach können Bürger und Behörden dazu Stellung nehmen, bevor später der Rat abschließend entscheidet. Laut Planentwurf soll "ein entsprechender Ersatzstandort" gefunden werden, den die Skater nutzen können. "Rechtlich verpflichtet ist die Stadt dazu nicht, aber politisch", beschreibt Birk die Lage.

Bis September 2010 hätten sich mehrere Ämter an der intensiven Suche nach einer Halle beteiligt, allerdings vergeblich. Vorschläge seien jederzeit willkommen.

Bei offiziellen Anfragen ist in der Regel eine Nachfrage erlaubt. Markus Nöhl (SPD) nutzt das für die kritische Anmerkung, dass die Bemühungen eingestellt worden seien. Birk verweist auf die Zuständigkeit des Baudezernats. Überraschend entwickelt sich daraufhin eine Generaldebatte, obwohl es immer noch um den Punkt Mitteilungen geht. Norbert Freischmidt (CDU) fragt nach, ob Birk Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) einen Auftrag erteilen wolle. Von der SPD fordert er ein klares Bekenntnis, ob die Fraktion den Bebauungsplan wolle oder nicht: "Mir ist zu Ohren gekommen, dass die SPD hinter dem Plan steht. Wenn er so umgesetzt wird, ist die Halle fort."

Nöhls Konter in Richtung Freischmidts CDU: "Selbst Positionen fordern, aber keine abgeben." Der Plan enthalte das Versprechen, dass die Stadt Alternativen suche.

Corinna Rüffer (Grüne) schaltet sich in die Diskussion ein: "Alle Fraktionen sind der Meinung, dass die Skater Raum haben müssen." Hans-Alwin Schmitz (FWG) pflichtet bei: "Ich war von Anfang an bei dem Projekt dabei. An Wochenenden sind 70, 80 oder 100 Leute in der Halle."

Mehrfach brandet Applaus von den Zuhörern auf - auch das ist nicht erlaubt, aber Birk duldet es großzügig. Einen Beschluss beantragt auf Nachfrage von Birk keine Fraktion. Kein Wunder: Er wäre ohnehin nicht möglich gewesen.

Meinung



Geisterdebatte ohne Lichtblick
Der Trend zu politischen Demonstrationen vor Rats- und Ausschusssitzungen in Trier setzt sich fort. Bei Dezernentin Angelika Birk führte die ungewohnte Kulisse offenbar dazu, diverse Sitzungsregeln über Bord zu werfen.

Inhaltlich brachte die formal gar nicht vorgesehene Geisterdebatte nichts Neues. Das Wohngebiet wird kommen, die Halle weichen. Das schmerzt direkt betroffene Skater und Biker, aber auch jeden, der einen Funken Verständnis für Jugendkultur, Funsport und Selbstorganisation aufbringt. Doch ohne potente private Gönner bleibt ein neuer Standort für das Projekt X wohl nur ein Traum.

m.hormes@volksfreund.de

Extra: Chronologie

Sommer 2009: Die Stadtverwaltung Trier ermöglicht dem Jugendhilfeverein Palais und der freien Skaterszene, den leerstehenden Ex-Supermarkt in der Aachener Straße zu nutzen. Die Teilnehmer am Projekt X bauen in Eigenregie einen Parcours für BMX-Räder, Skateboards und Inline-Skater. Jugendlichen werden handwerkliche Fähigkeiten vermittelt. Hinzu kommen Kulturaktionen.

Januar 2010: Das Projekt X steht vor dem Aus, weil der Mietvertrag mit der Stadt Ende März vorerst ausläuft. Sobald die Stadt einen Investor gefunden hat, müssen die Skater weichen, bekräftigt die Verwaltung.

April 2010: Das Projekt X bekommt Planungssicherheit bis Jahresende. Danach wird der Vertrag erneut verlängert.

Dezember 2011: Der Ortsbeirat Trier-West/Pallien scheitert mit seinem Versuch, den Standort der Halle dauerhaft im Bebauungsplan zu verankern. cus