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Demonstration: Protestmarsch mit vielen Sternen für schwerstkranke Kinder in Trier

Demonstration : Protestmarsch mit vielen Sternen für schwerstkranke Kinder in Trier

Das Sozialunternehmen Nestwärme hat einen Protestmarsch gegen den Pflegenotstand und die Missstände in der häuslichen Versorgung von hilfebedürftigen Kindern in Trier veranstaltet.

Ein Dudelsackspieler, Superman und 300 gelbe Sterne ziehen am späten Freitagnachmittag durch die Trierer Innenstadt. „Die Sterne stehen symbolisch für die 300 Kinder, die wir betreuen“, erklärt Elisabeth Schuh, eine Mitorganisatorin des Protestmarsches vom Sozialunternehmen Nestwärme. „Die Sterne mit weißem Band drunter, stehen für Kinder aus der Region, die schon verstorben sind. Das sind zum Teil die Eltern, die die tragen“. Wie es sich anfühlt, ein schwer erkranktes Kind zu Hause zu pflegen, weiß Marliese Masutt. Sie hat einen 21-jährigen Sohn mit einem sehr seltenen Gendefekt. Sie sagt in ihrer Rede: „Mein Sohn braucht fast ständig Unterstützung und man kann nie abschätzen, wann und wieviel Hilfe er braucht. Da sein Fall in verschiedene Sozialgesetze fällt, ist es erniedrigend, wie sich Leistungsträger die Anträge hin- und herzuschieben.“ Für die häusliche Kinderintensivpflege gibt es bislang keine allgemein gültige gesetzliche Rahmenvereinbarung für die Abrechnung mit den Krankenkassen (der TV berichtete). Das zu ändern und bedarfsgerecht zu regeln, ist die Hauptforderung der schätzungsweise 400 Protestierenden vor der Porta Nigra.

Auch Trierer Musiker wie Marco Dühr, Thomas Kiessling, Shirley Winter und Daniel Bukowski unterstützten die Aktion und gestalteten ein eigenes Bühnenprogramm. Organisiert haben den Protest Nestwärme-Mitarbeiter in der ambulanten Kinderkrankenpflege, der Kinderhospizdienst und die inklusive Kindertagesstätte, Eltern und Unterstützer.

Die Kinderkrankenschwester Carina Busch sagt: „In ganz Deutschland geben immer wieder ambulante Kinderintensivpflegedienste auf. Damit wird den Familien und vor allem den Eltern das Wahlrecht genommen, ihr Kind zu Hause zu versorgen. Sie werden am Rande ihrer körperlichen, emotionalen und auch finanziellen Kräften dazu gedrängt ihre Kinder in stationäre Einrichtungen zu geben.“ Für die betroffenen Familien sei der Kampf um notwendige Hilfe entwürdigend und zermürbe Ressourcen, die sie viel dringender für ihre Kinder bräuchten.

Die 60 Pflegefachkräfte der Trierer Nestwärme GmbH könnten Familien mit ihrem schwerstkranken Kind zu Hause nicht die notwendige Hilfe geben, weil Krankenversicherungen, Pflegekassen und Gesetzgeber weder das Geld dazu bereitstellten noch die bürokratischen Hürden abbauten.

In Rheinland-Pfalz und im Saarland haben etwa 5000 Kinder eine Pflegegradeinstufung. 300 dieser Kinder werden von Nestwärme betreut. Wegen des Sturmtiefs „Sabine“ war die Demonstration vom Tag der Kinderhospizarbeit am 10. Februar auf diesen Freitag, 28. Februar, verschoben worden.