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Prozess: Flucht ins Ausland hat wohl Konsequenzen für zurückgekehrten Trierer Drogenboss

Prozess: Flucht ins Ausland hat wohl Konsequenzen für zurückgekehrten Trierer Drogenboss

Nach seiner Auslieferung aus Serbien an das Trierer Landgericht kann der mutmaßliche Drogendealer Arian G. offenbar nicht mehr mit dem Entgegenkommen der Staatsanwaltschaft rechnen. Durch seine Flucht habe der Angeklagte die Absprache über ein mildes Strafmaß verwirkt, erklärt die Staatsanwaltschaft.

Bis vor eineinhalb Jahren zogen sie gemeinsam durch Trier. Die Taschen voll Bargeld, schnelle Autos vor der Tür, in Discos und Kneipen großzügig. Der Wodka wurde flaschenweise bestellt. Das Geld dafür kam von gemeinsamen Drogengeschäften - wobei G. der Anführer war und sein Cousin M. ihm, teils wohl aus Bewunderung für den illustren Lebensstil, folgte. Jetzt sitzt G. in Untersuchungshaft. Seinen Cousin M. hat das Trierer Landgericht bereits im vergangenen Herbst zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Im März 2014 hatte ein V-Mann aus dem Milieu die beiden und weitere Dealer der Polizei verpfiffen. Fast ein Jahr lang observierten die Beamten die Geschäfte des Drogenrings - um im Januar 2015 zuzuschlagen und die Verdächtigen festzunehmen.

G. gestand die Drogengeschäfte, sagte gegen seinen Cousin und Freund M. umfangreich aus und belastete ihn schwer. Sich selbst entzog der 25-Jährige dem anstehenden Gerichtsverfahren durch Flucht in sein Heimatland.Wie aus einer anderen Zeit

Im April lieferte Serbien G. - der deutscher Staatsbürger ist - allerdings an die Trierer Behörden aus. Gestern trafen sich G. und sein Cousin M. - jetzt als Zeuge geladen - vor Gericht wieder.

"Falls er auch in eine Entziehungsanstalt muss, dann bitte nicht in die, in der ich mich zurzeit befinde!", fleht M. das Gericht an. Während G. gähnend und zumindest nach außen gelassen wirkend auf der Anklagebank sitzt, ist M. die nervliche Anspannung deutlich anzumerken. Schließlich hat sein Cousin ihn nicht nur in die Drogengeschäfte hineingezogen, sondern ihn auch - um seine eigene Strafe zu mildern - der Polizei ans Messer geliefert. Dass sie Freunde und Kumpane waren, das schillernde Leben, scheint nun zu einer anderen Welt zu gehören.

G. hat sein Geständnis mittlerweile wiederholt: 23 Kilogramm Marihuana und zwei Kilogramm Amphetamine - künstlich hergestellte Drogen - soll er zwischen 2012 und 2015 zusammen mit verschiedenen Helfern aus Köln, Saarbrücken und dem französischen Thionville nach Trier geschmuggelt haben. Hier wurde die Ware weiterverkauft - mit entsprechendem Gewinn.Therapie oder Gefängnis

Ob und wie viel Drogen G. damals selbst konsumiert hat, darum ging es beim gestrigen Prozesstag. Denn nach dem Grad der Gefahr, in die Sucht - und damit das Milieu - zurückzufallen, richtet sich die zu erwartende Strafe: entweder Therapie in einer Spezialeinrichtung oder lange Jahre im Gefängnis.

Rechtsanwalt Otmar Schaffarzczyk meint, dass für seinen Mandanten der Grundsatz "Therapie vor Strafe" gelten müsse. Ob tatsächlich Sucht und Drogen den Angeklagten zu den Straftaten getrieben hat oder vielleicht doch die Aussicht auf schnelles Geld, soll nun eine Gutachterin klären. Beim gestrigen Verhandlungstag machten mehrere Zeugen dazu unterschiedliche Angaben: Von "der war drogenfrei" bis "Ecstasy, Amphetamine, Alkohol und später Kokain - der hat alles genommen", reichte das Spektrum bei den Aussagen seiner ehemaligen Dealergenossen.

An die Zusage, dass G. im Gegenzug für sein Geständnis und sein Aussagen gegen die anderen Dealer mit einer milden Strafe rechnen kann, fühlt sich Staatsanwalt Wolfgang Barrot jedenfalls nicht mehr gebunden: "Diese Verfahrensabsprache basierte darauf, dass der Angeklagte vor Gericht seine Aussage gegen die Mitangeklagten wiederholt - dem hat er sich durch seine Flucht nach Serbien allerdings entzogen", erklärte Barrot auf TV-Nachfrage.

Statt auf eine etwa dreijährige Gefängnisstrafe hoffen zu können, muss G. nun wohl mit etwa fünf Jahren rechnen.
Der Verhandlung wird am Mittwoch, 14. September, 9 Uhr, im Trierer Landgericht fortgesetzt. Plädoyers und Urteil stehen dann auf der Tagesordnung.