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Prozess gegen einen der größten Trierer Drogenringe der letzten Jahre geht weiter

Prozess gegen einen der größten Trierer Drogenringe der letzten Jahre geht weiter

War der Trierer Muhammed M. nur der Fahrer oder hat er im Januar 2013 einen Drogentransport von Thionville nach Trier aktiv mit geplant? Um diese Frage ging es gestern vor dem Trierer Landgericht. Drei Zeugen verweigerten allerdings die Aussage - um sich nicht selbst zu belasten.

Trier. Es scheinen zwei verschiedene Menschen zu sein: Der Muhammed M., dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, über mehrere Jahre mit etlichen Kilo Marihuana und synthetischen Drogen Handel getrieben zu haben, und der Muhammed M., den seine als Zeugin geladene Mutter gestern vor dem Trierer Landgericht beschreibt: "Er ist ein guter Junge!", betonte die 47-Jährige ein ums andere Mal. Von Drogen habe sie nie etwas mitbekommen. Der Vater vor der Geburt im Jugoslawien-Krieg gestorben, die Flucht nach Deutschland, Abschiebung zurück in den Kosovo. "Wir sind dort vor den Bomben weggelaufen, es war furchtbar, Muhammed hat es sehr schwer gehabt", gibt die Mutter Einblicke in die Kindheit und Jugend ihres Sohnes. Nach der zweiten Flucht dürfen die beiden in Deutschland bleiben. Die Mutter heiratet. "Aber es gab viel Streit", erzählt sie. Und Ohrfeigen für Muhammed. In der achten Klasse wechselt er vom Gymnasium auf die Realschule. "Damals ist er auch oft weggelaufen, weil er's zu Hause nicht ausgehalten hat", berichtet seine Mutter. 2012 ziehen die beiden aus der Eifel und vom Stiefvater weg nach Trier. Muhammed holt sein Fachabitur nach. Doch in Trier lebt auch Cousin G. - der Muhammed nach dessen Angaben ins Drogenmilieu zieht. Im Januar 2013 fährt M. mit nach Frankreich.

"Er sagte mir, es ginge um 200 Gramm - und ich tat ihm den Gefallen", hatte Muhammed M. bei seiner Einlassung vor Gericht Anfang Oktober erklärt (der TV berichtete). Während Cousin G. die Drogen in einer Wohnung gekauft habe, sei er selbst im Auto sitzen geblieben.

Zeuge A. zeichnete gestern ein anderes Bild: Muhammed M. habe den Kauf von einem Kilo Marihuana von einem Händler in Thionville aktiv mit geplant und sei auch beim Kauf dabei gewesen. Drei weitere junge Männer, die das Gericht gestern geladen hatte, konnten zur Erhellung, welche Rolle Muhammed M. bei den Drogengeschäften gespielt hat, nichts beitragen: Weil gegen alle drei Ermittlungsverfahren wegen Betäubungsmittel-Delikten laufen oder gelaufen sind, verweigerten sie die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Insgesamt zwölfmal soll M. laut Anklage zwischen 2012 und 2015 mit illegalen Drogen gehandelt haben, bis zu acht Jahren Haft drohen ihm dafür.
Teilweise hat der 21-Jährige die Taten eingeräumt. Drei voll geständige Mitangeklagte des Drogenrings sind bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden (der TV berichtete). Der Prozess gegen Muhammed M. und dem weiteren Mitangeklagten S. wird am 16. November fortgesetzt.