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Prozess gegen mutmaßlichen Feuerteufel aus Trier-Zewen beginnt

Prozess gegen mutmaßlichen Feuerteufel aus Trier-Zewen beginnt

Statt 14 Bränden werden dem 28-jährigen Angeklagten nur noch drei Brandstiftungen vorgeworfen.

Hoch schlagen die Flammen aus dem Dachgebälk der Holzhütte. Das Feuer brennt so heiß, dass die 40 Feuerwehrmänner sich kaum nähern können. Trotzdem: Drei Gasflaschen müssen noch raus, um eine Explosion zu verhindern. Mit schwerem Atemschutzgerät wagen sich einige Kumpel in die Hütte und bringen die gefährlichen Druckflachen nach draußen. Dann stürzt nach und nach das Gebälk des Vereinshauses der Zewener Angelfreunde ein. Die Löscharbeiten dauern an diesem Samstag im März 2017 bis in den frühen Morgen.
Dass einer der eigenen Leute die Hütte im Zewener Ortsteil Oberkirch in Brand gesteckt haben könnte, daran denkt damals wohl keiner der Wehrleute. Nur die Polizei vermutet den Feuerteufel bereits unter den Helfern.
Wenige Tage später beginnt die Kripo mit "verdeckten strafprozessualen Maßnahmen" gegen den Verdächtigen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen auf TV-Nachfrage erklärt. Hinter dem sperrigen Begriff können sich etwa Telefonüberwachungen und Observierungen verbergen. Wie die Polizei genau vorgegangen ist, um ihren Verdacht gegen einen jungen Mann der Freiwilligen Feuerwehr Zewen zu überprüfen, dazu will Fritzen sich allerdings nicht äußern.
In der Nacht zum 24. Mai - nach zwei weiteren Brandstiftungen in Zewen - klicken die Handschellen. Seitdem sitzt der 28-Jährige in Untersuchungshaft. "Wiederholungsgefahr", begründet Oberstaatsanwalt Fritzen die andauernde Haft.
Bei der Festnahme des jungen Zeweners war die Polizei davon ausgegangen, dass dieser seit Februar 2014 insgesamt 14 Brände in und um seinen Heimatstadtteil gelegt haben könnte.
Übrig geblieben sind davon in der Anklage der Staatsanwaltschaft noch drei Brandstiftungen. Für die anderen Feuer, bei denen Wohnwagen, Schuppen und Gartenhäuschen in Flammen aufgegangen waren, hätten die weiteren Ermittlungen "keinen hinreichenden Tatverdacht" ergeben, erklärt Oberstaatsanwalt Fritzen. Beweise oder hinreichenden Indizien, die einen Tatnachweis möglich gemacht hätten, fehlen. Bei den übrigen elf Bränden sei daher das Strafverfahren eingestellt worden, sagt Fritzen.
Der Angeklagte bestreitet, die drei Feuer (siehe Infobox) gelegt zu haben. Dass er beim Prozessauftakt vor dem Trierer Landgericht am kommenden Montag ein Geständnis ablegt - und es so ein schneller Prozess mit schnellem Urteil gibt - scheint unwahrscheinlich. "Es werden wohl mehrere Verhandlungstage vonnöten sein", erklärt sein Rechtsanwalt Sven Collet auf TV-Nachfrage.
Die Brandserie, die den Stadtteil Zewen genauso wie die Trierer Berufsfeuerwehr, die Polizei und die Freiwilligen Feuerwehren Zewen und Euren über Monate in Atem gehalten hatte, hat sich seit der Festnahme des Mannes nicht mehr fortgesetzt.Gibt man im Internet in eine Suchmaschine die Wörter "Feuerteufel" und "Feuerwehrmann" ein, stößt man auf etliche Artikel aus Deutschland und der ganzen Welt, bei denen die Brandstifter in Reihen der Feuerwehren ausgemacht wurden. "Das hängt auch damit zusammen, dass Menschen, die eine gewisse Faszination und Leidenschaft für das Element Feuer haben, eben häufig in Feuerwehren eintreten", erklärt Christine Telser, Psychologin und Leiterin des Fachgebiets Sozialwissenschaften an der Polizeihochschule Hahn. Die wenigsten Brandstifter litten dabei tatsächlich unter der krankhaften psychischen Störung Pyromanie. Viel häufiger gebe es andere Motive, erklärt die Polizeipsychologin. "Etwa, dass jemand die Macht genießt, etwas brennen lassen zu können. Oder das Gefühl, ein Held zu sein, wenn man hilft, ein Feuer zu löschen."

Welches Motiv den Zewener Feuerwehrmann zu den Taten getrieben haben könnte, die die Anklage ihm vorwirft - auch darum wird es ab Montag im Prozess vor dem Trierer Landgericht gehen.

Ein Verdächtiger, viele ungeklärte Fälle

Folgende Brandstiftungen meint die Staatsanwaltschaft dem 28-jährigen Angeklagten nachweisen zu können:

11. März 2017: Das Vereinsheim des Angelsportclubs Trier-Zewen brennt ab. Geschätzter Sachschaden: 45.000 Euro. 13. April 2017: Drei Holzschuppen werden an einem Wirtschaftsweg in Zewen ein Opfer der Flammen. Sachschaden: 3000 Euro. 23. Mai 2017: Zwischen der Wasserbilliger Straße und der B 49 brennt eine Holzhütte vollständig nieder. Geschätzter Sachschaden: 3000 Euro.

Für unter anderem folgende Brände konnte die Polizei bislang dagegen keinen Tatverdächtigen feststellen: Juli und November 2015: Serie von Gartenhausbränden in Zewen, Trier-West und auf dem Petrisberg. April 2016: Zwei Brände in einer Kleingartenanlage in Trier-Zewen, zerstört werden zwei Wohnwagen und ein Gartenhaus. Dezember 2016: In der Udostraße in Euren brennt ein Bauwagen. Wenige Tage später brennt in der Gneisenaustraße in Trier-West ein Gartenhaus vollständig ab. Januar 2017: Feuer in einer Lagerhalle in Zewen, 30 Kubikmeter Holzspäne brennen. April 2017: Zwischen Euren und Zewen wird ein Wohnwagen angezündet, das Feuer entfacht sich allerdings nicht. Wenige Tage später brennt in Olewig ein Gartenhaus.

Spuren und Hinweise zu diesen Bränden seien bearbeitet, zu einem konkreten Täter habe das allerdings nicht geführt, teilt die Polizei auf TV-Nachfrage mit. Die Akten seien der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Die Ermittlungen ruhen seitdem.