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Prozess gegen zwei Obdachlose am Landgericht Trier: Zeugen schildern Details vom Tatort

Prozess gegen zwei Obdachlose am Landgericht Trier: Zeugen schildern Details vom Tatort

Der 32-jährige Angeklagte, der eine 43-jährige Obdachlose in Trier erschlagen haben soll, wird durch Blutspuren und eine geschwollene Hand belastet. Beides deuten die Ermittler als Hinweise auf seine Täterschaft, doch der Angeklagte erklärt die Situation ganz anders.

Trier. Was geschah in der Nacht zum 9. Juni 2015 wirklich in der leer stehenden Villa in Trier-Nord? Dazu soll der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen zwei Männer weiteren Aufschluss geben, die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft am Tod einer 43-jährigen Frau schuld sind. Beide Angeklagte schweigen wie beim Auftakt angekündigt (der TV berichtete am 2. Dezember). Doch Zeugen und frühere Vernehmungen liefern wichtige Details.

Fundort der Leiche: Die beiden Polizisten, die als Erste beim Tatort eintreffen, schildern die Szenerie. Eigentlich gingen sie nur einem Hinweis nach, dass Obdachlose die Villa an der Zurmaiener Straße (B 49) illegal als Unterschlupf nutzten. Beim Durchsuchen stießen sie im ersten Obergeschoss auf eine leblose Frau. "Die Leichenstarre hatte schon eingesetzt, das Gesicht war entstellt. Für uns war klar, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelt", sagt einer der Beamten.

Reaktion der Männer: Nur einen halben Meter neben der Leiche lag schlafend der 32-jährige spätere Angeklagte. "Als wir ihn weckten, wirkte er wie in Trance, irgendwie abwesend", sagt der Polizist. "Dann wiederum wollte er zu ihr - sie war seine Freundin." Unter einer Decke lag zunächst ebenfalls schlafend ein 43-Jähriger, der gefasst reagierte und sich wie auch der andere widerstandslos Handschellen anlegen ließ. Als Verstärkung der Polizei eintraf, wurden beide Männer abgeführt, und die Spurensicherer machten sich ans Werk.

Die Vernehmung: Eine Ermittlerin der Kriminalpolizei berichtet als Zeugin von einer Vernehmung des 32-Jährigen im Gefängnis. Ihn belastende Blutspuren habe er damit erklärt, dass die Frau sich irgendwo verletzt habe und er Blut von ihrer Nase abwischen wollte. Seine Hand war geschwollen: Für die Ermittler könnte das ein Hinweis sein, dass er die Frau erschlagen hat und sich durch die Wucht der Schläge selbst die Hand verstauchte. Doch der Mann gab an, in Wirklichkeit habe er seinen Kompagnon schlagen wollen, ihn jedoch verfehlt und stattdessen mit der Faust die Wand getroffen. In einer früheren Vernehmung hatte er angegeben, sich die Hand bei einem Treppensturz verletzt zu haben.

Das Trio: Bei Polizei und Streetworkern waren die beiden Männer und die Frau schon länger als Trio bekannt. Eine Gemeinsamkeit war die polnische Staatsbürgerschaft. Ein Beamter beschreibt das Trio als "Zweckgemeinschaft von Alkoholikern", die durch Diebstähle aufgefallen seien. Die Frau und der 32-Jährige seien zudem ein Liebespaar gewesen. Zwischen den dreien soll es wiederholt Streit und körperliche Auseinandersetzungen gegeben haben.
Die Verhandlung wird am Dienstag, 12. Januar, fortgesetzt.Extra

Ein Bezirksbeamter der Polizei, der Kontakt zur Obdachlosenszene hält, kannte die im Juni getötete Frau seit Jahren. "Sie war geschieden, hatte einen erwachsenen Sohn. Sie hatte häufig Verletzungen, wurde vermutlich geschlagen." Es seien ihm aber keine konkreten Vorwürfe von ihr bekannt, dass ihre beiden Begleiter handgreiflich gegen sie geworden seien. Ein Streetworker der Stadt Trier traf das Trio in der Paulinstraße am Tag vor der Entdeckung der Leiche und wollte Schlafsäcke und Rucksäcke besorgen. Doch dazu kam es nicht mehr. cus