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Prozess Landgericht Trier - Versuchter Mord

Prozess am Landgericht Trier : Hilfeschreie und ein blutender Mann mit Messer

Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Trier hat das Verfahren gegen eine 42-Jährige fortgesetzt, der versuchter Mord vorgeworfen wird.

Tatort war am 16. März die Wohnung der Angeklagten an der Lindenstraße. Ihr damaliger Freund hatte die Nacht in der Wohnung verbracht, doch beim Frühstück am Morgen soll es zum Streit über ihre Facebook-Chats mit anderen Männern gekommen sein. Er habe schließlich die Beziehung für beendet erklärt und gehen  wollen, woraufhin sie die Wohnungstür abgeschlossen  haben soll. Als er die Tür wieder aufschloss, habe sie ihn von hinten mit einem Küchenmesser attackiert.

Zweimal  soll sie ihm die 20 Zentimeter lange Klinge hart in den Rücken gerammt haben. Der am gestrigen  Sitzungstag vorgestellte Untersuchungsbericht des Mainzer Instituts für Rechtsmedizin bestätigt dies. Allerdings werden die beiden Verletzungen als „nicht akut lebensbedrohlich“ bezeichnet da weder die Lunge noch wesentliche Blutgefäße getroffen wurden. Insgesamt wird der Messerangriff aber als „potenziell lebensgefährdende Behandlung“ eingestuft.

Obwohl sich die Tat in der Wohnung abspielte, blieb sie in der Nachbarschaft nicht unbemerkt.  Laute  Schreie schreckten den  Vermieter der Angeklagten auf.  Von seinem Balkon aus sah er einen hilferufenden  Mann vorbeikommen. Der Vermieter als Zeuge: „Der Mann hatte ein Messer in der Hand und sein T-Shirt war am Rücken total durchgeblutet. Er erklärte, dass die Frau ihn habe umbringen wollen. Er gehe nun rüber  zum Hintereingang des Brüderkrankenhauses und von da aus zur Notaufnahme. Als ehemaliger Rettungssanitäter kenne er den Schleichweg.“

Auch eine Nachbarin der Angeklagten hatte die Schreie gehört. „Dann“, so die Zeugin, „kam der Mann stark blutend aus dem Haus und ist in Richtung Krankenhaus gelaufen.“ Die Angeklagte sei ihm noch ein Stück weit gefolgt, danach aber verschwunden. Das Verhältnis zur Angeklagten schildert sie als gut nachbarlich. Sie habe ihr auch von den Problemen dieser zwiespältigen Beziehung zu dem Mann berichtet. Ein ständiges Hin und Her sei dies gewesen,  weil er sich nicht von seiner Ehefrau habe trennen wollen.

Schon am ersten Verhandlungstag hatte die Angeklagte den Tatbestand als solchen eingeräumt. Allerdings sei dies aus einer Panikattacke heraus geschehen. Sie habe  den Mann auf keinen Fall umbringen wollen, ließ sie über ihren Verteidiger Otmar Schaffarczyk erklären (wir berichteten).

Die an den Ermittlungen beteiligten Beamten der Kripo Trier erklären, unmittelbar nach der Tat  eine völlig verstörte und eingeschüchterte Frau angetroffen zu haben. Da die Wohnungsschlüssel mitsamt Handy im Haus hinter der zugezogenen Eingangstür lagen, war sie zum Geschäft ihres Ex-Ehemannes an der Zurmaiener Straße gelaufen, von wo aus sie selbst die Polizei verständigte und sich dann von den Beamten abholen ließ. Auch die Aufzeichnung ihres Notrufs bei der Polizei wird gestern abgespielt. Es ist ein Dokument der Panik. Etwas später in der Wohnung – ein Techniker des nahen Brüderkrankenhauses hatte die Tür geöffnet – sichern die Beamten die Spuren und fertigen Fotos  vom Tatort und von der Frau. Sie wirkt darauf völlig verängstigt. Im Bild festgehalten sind auch leichte Verletzungen an einer Hand, am Ellenbogen und am Hals der Frau. „Sie war sehr aufgeregt, aber auch kooperativ“, sagt einer der Ermittler.

Heftig sind die im Krankenhaus von der Kripo gefertigten Bilder der frisch genähten Stichverletzungen.   Ein Beamter: „Der Betroffene war von der Sache sichtlich bewegt. Schon aus seiner beruflichen Erfahrung heraus scheint ihm bewusst gewesen zu sein, dass er noch großes Glück gehabt hatte.“ Dennoch habe er bei seiner Vernehmung sehr sachlich gewirkt und bei der Tatschilderung nicht versucht zu übertreiben.

Am nächsten Verhandlungstag, dem 10. Dezember, sollen der Ex-Mann der Angeklagten und der ehemalige Freund gehört werden. Er tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Zum Problem könnte werden, dass der ehemalige Mann der Frau im Gerichtssaal nicht auf den Nebenkläger treffen will.