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Prozessauftakt nach Gewaltexzess in der Trierer Karl-Marx-Straße

 Das Clubhaus der Cavemen in der Trierer Karl-Marx-Straße. Der Club gilt in der Szene als friedlich. TV-Foto: Frank Göbel
Das Clubhaus der Cavemen in der Trierer Karl-Marx-Straße. Der Club gilt in der Szene als friedlich. TV-Foto: Frank Göbel FOTO: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"
Trier. Ausgeschlagene Zähne, gebrochene Schädelknochen: Bei der Schlägerei zwischen Passanten, Rockern und Polizisten im November 2014 in der Karl-Marx-Straße ging es hart zur Sache. Was genau passiert ist, haben Angeklagte und Zeugen am ersten Prozesstag unterschiedlich geschildert. Christiane Wolff

Fast zwei Jahre waren seit der Tat Zeit, die Haare wachsen zu lassen. Aber der 30-Jährige trägt weiter Glatze. So, dass man das Tattoo hinter seinem linken Ohr sehen kann. Eine kleine schwarze Raute. "1 %" steht darin. Eine Rockertättowierung. Einprozenter - das sind die, die sich gegen eine alte Aussage der amerikanischen Motorradfahrervereinigung AMA stellen, 99 Prozent der Biker seien rechtschaffene, brave Bürger.

Sich zum übrigen einen Prozent zu bekennen - etwa durch das Rauten-Tatto - symbolisiert Auflehnung gegen Recht und Gesetz. "Was willst du Scheiß-Bulle denn machen, wenn wir nicht stehen bleiben?", soll der wegen Körperverletzung vorbestrafte Outlaw-Rocker aus dem Saarland denn auch einem Polizisten in der Nacht des 29. Novembers 2014 entgegen geschleudert haben, als dieser zu der Schlägerei zwischen Passanten und den Rockern eilt.

Kaum erreichen die Gesetzeshüter den Pulk in der Karl-Marx-Straße, werden auch sie zu Boden geschlagen. Auf den Polizisten wird so heftig eingeprügelt, dass seine Augenhöhle bricht. Bis heute stützt eine in den Schädel operierte Platte den linken Augapfel. Weil die massive Gewalt, die in dieser Nacht über ihn hereinbricht, ihn bis heute nicht ruhig schlafen lässt, wurde der 59-Jährige vorzeitig pensioniert. Auch seine Kollegin war heftig zusammengeschlagen worden. Allerdings haben nicht nur die körperlichen Verletzungen bei ihr weniger schlimme Auswirkungen: "Ich habe die Sache überwunden", sagte sie beim Verhandlungsauftakt am Montag vor der Dritten Großen Strafkammer des Trierer Landgerichts.

Zusammen mit dem Glatzkopf sitzen zwei weitere Männer auf der Anklagebank: Ein 51-Jähriger, der bis zu seiner Verhaftung Vize-Präsident einer Pfälzer Ortsgruppe des Rockerklubs Cavemen war. Und ein 36-Jähriger, der laut Anklage zwar zuerst zugeschlagen haben, in den weiteren Tumult aber nicht involviert gewesen sein soll. Und der auch kein Cavemen ist. "Ich habe noch nicht mal einen Führerschein", erklärte der Pfälzer vor Gericht.

Warum er trotzdem mit den Rockern erst in deren damaligem Clubhaus in der Karl-Marx-Straße feierte und anschließend auf Kneipentour ging, blieb bei der Verhandlung ungeklärt. Nur der 56-jährige Angeklagte äußerte sich zu den Vorwürfen. Quintessenz seiner Schilderung: Er habe bei der Prügelei lediglich schlichtend eingreifen wollen und sei dabei selbst von der Polizei schwer am Kopf getroffen worden. Nachfragen lässt sein Anwalt nicht zu. Warum in der Jacke seines Mandanten, der mit Ehefrau und zwei Töchtern in einem Haus in einem kleinen pfälzischen Dorf lebt, ein Schlagstock und ein Einhandmesser - das, wie die Anklageschrift explizit ausweist, die Form einer Handgranate hatte - steckten, bleibt ungeklärt.

Die Einzelheiten der Schlägerei schildern die Zeugen unterschiedlich: Während der Polizist die genaue zeitliche Abfolge beschreibt und auch den Angeklagten zuschreiben kann, wer was getan haben soll, erkennt seine Kollegin die mutmaßlichen Täter im Gerichtssaal nicht wieder. Und Zeuge M., der mit den Rockern in der Karl-Marx-Straße aneinandergeraten war, meint zwar, sich genau erinnern zu können, widerspricht sich aber selbst und auch den Schilderungen der beiden Polizisten.

Am Dienstag, 27. September, 9 Uhr, wird der Prozess fortgesetzt.