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TRIER-NORD. (rm.) Teil einer großen Anlage in der Nordstadt, die in jüngerer Zeit (leider) an Anziehungskraft verloren hat? Klar: Wer den Haupteingangs-Klinkerbau identifizierte, hatte auch das Bilderrätsel gelöst. Gesucht war natürlich das Moselstadion.

Moselstadion heißt die größte städtische Sportstätte erst seit der Nachkriegszeit. Alte Trierer kennen sie noch unter dem ursprünglichen Namen. In Anlehnung an das gleichnamige Hofgut, auf dessen Gelände sie entstand, hieß sie Stadionanlage D`ham. Verantwortlich für die Ausführungsplanung und anschließende Bauleitung des städtischen Projekts war der Gartenarchitekt und spätere Direktor des Garten- und Friedhofsamtes Gottfried Rettig. Die feierliche Einweihung war am 6. Juli 1930. Die zur Sportanlage gehörenden Hochbauten entstanden wenig später. Das Verwaltungsgebäude mit Umkleidekabinen im Erdgeschoss ging im August 1930 in Bau, der eingeschossige Eingangsbau mit eingefügtem Wärterwohnhaus folgte ab September 1931 - beides für jene Zeit typische Klinkerbauten in sachlich-modernen Formen, jedoch mit traditionellen Walmdächern. Der von den Nationalsozialisten erzwungene Namenswechsel - bereits zum 1. Mai 1933 ("Tag der nationalen Arbeit") hieß die Anlage "Hermann-Göring-Stadion" - setzte sich bei der Bevölkerung nie richtig durch. Die Sportfreunde pilgerten weiter zur "D'ham". Das Stadion wurde bis zum Krieg weiter ausgebaut und diente auch als Aufmarschplatz für nationalsozialistische Großkundgebungen. Den "Besucherrekord" hält der Gauparteitag 1939 mit 60 000 Teilnehmern. Die unvergessenen 50er-Jahre-Duelle zwischen Eintracht Trier und dem 1. FC Kaiserslautern zogen bis zu 25 000 Fußballfans an. Der Bau der überdachten Haupttribüne und später der Tartan-Laufbahn verringerten das Fassungsvermögen des Hauptplatzes. Als große Zugnummern erwiesen sich zwei Open-Air-Festivals nebenan auf der Trainingswiese: Zu BAP, Bob Geldof, Dave Stewart und Pur kamen 1991 rund 23 000 Besucher, zu Prince (1992) 16 500. Das jähe Ende des zweiten Zweitliga-Gastspiels des SV Eintracht am 22. Mai 2005 machte auch die Planungen zum Bau einer neuen Fußballarena auf dem Moselstadion-Gelände hinfällig. In der Regionalliga backt die Eintracht notgedrungen viel kleinere Brötchen. Aber die treuen Fans pilgern weiterhin durch den 1931er-Klinkerbau zu den Heimspielen ihres Vereins. Die Namen der Bilderrätsel-Gewinner veröffentlichen wir in der Wochenend-Ausgabe.

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