Publikumsbeschimpfung und gedopte Pferde

Trier · Hier kann keiner auf den Schiedsrichter schimpfen: Bei der deutschen Kabarettmeisterschaft, die in Trier und zwölf anderen Städten ausgetragen wird, bestimmt das Publikum den Sieger. Dass das mitunter gar nicht so leicht ist, zeigt ein humorvoller und kritischer Abend in der Tuchfabrik mit starken Auftritten von Thomas Müller und Daphne Deluxe.

Kabarettistin Daphne Deluxe kämpft bei der Kabarettmeisterschaft in der Tuchfabrik um ihren Sieg. TV-Foto: Benedikt Laubert

Trier. Wer wird als Sieger aus dem Abend hervorgehen: der verrückte Schwabe, der um die wirklich schlimmsten Sorgen Trierer Bürger weiß und sich für keine Grimasse zu schade ist, oder die charmante Diva, die ihre körperliche Fülle ausführlich mit dem Publikum bespricht und den Finger in offene Wunden der Gesellschaft legt?
Die beiden Kabarettisten Thomas Müller und Daphne Deluxe eröffnen mit ihren Shows die neue Saison der deutschen Kabarettmeisterschaft in Trier und buhlen um die Gunst des Publikums. Dieses wird am Ende des Abends abstimmen, wer witziger, unterhaltsamer oder kritischer war und als Sieger hervorgeht.
Publikumsbeschimpfung ist riskant. Aber Thomas Müller versteht sein Handwerk, und so nimmt es ihm keiner der 200 Gäste krumm, wenn er sie dafür auslacht, wie sie ihre Stadt in Zukunft nur noch per Regional-"Express" verlassen und draußen vorm Fenster sehen können, wie die Jahreszeiten vorbeiziehen. Von Beginn an bleibt kein Klischee unangetastet, von partywütigen Kölnern über dumme Sportlehrer (er war selbst einmal Sportlehrer) bis hin zu geizigen Schwaben (er stammt selbst aus Schwäbisch Hall).
Spätestens als er in die Rolle des gedopten Pferdes von Dressurreiterin Isabell Werth schlüpft, das sich schämt, weil es nach dem Doping erwischt wurde, hat er viele im Publikum überzeugt.
Doch dann betritt Daphne Deluxe die Bühne und allen wird klar: So fest steht Müllers Sieg noch nicht. Die blonde, korpulente Diva mit dem oberfränkischen Dialekt bespricht die ersten zwanzig Minuten jeden Teil ihres üppigen Körpers; gerade beim Joggen seien große Brüste nicht von Vorteil - sie verursachten meist nur blaue Augen oder erschlügen unschuldige Dackel. Doch hinter den Witzen steckt mehr: Daphne Deluxe kritisiert übertriebenes Streben nach Schlankheit und ruft vor allem Frauen auf, nicht so hart mit sich selbst und anderen ins Gericht zu gehen.
Oberflächliche Tierliebe


Daphne Deluxe legt neben allem Humor schonungslos ihren Finger in die Wunden des Publikums. "Schweine sind keine Delfine, sagt auch Sabine", singt sie und zeigt, wie wir einerseits Tiere lieben, aber uns andererseits vor der Tiefkühltheke für billiges Fleisch und gegen die Tierwürde entscheiden.
Die so unterschiedlichen Programme lassen sich kaum vergleichen, doch das Publikum muss sich am Schluss entscheiden. An diesem Abend gewinnt Daphne Deluxe den Wettstreit mit 52 Prozent. Diese Saison treten noch zwölf Künstler in Trier gegeneinander an; das nächste Duell findet am 12. Dezember in der Tuchfabrik statt. bel