Quelle der Frömmigkeit
Trier · Aus der Hand des Trierer Bischofs Stephan Ackermann hat die österreichische Theologin Ingrid Fischer im Robert-Schumann-Haus den Balthasar-Fischer-Preis des Deutschen Liturgischen Instituts erhalten. Alle zwei Jahre würdigt das Institut damit besonders gelungene Studienarbeiten der Liturgiewissenschaft.
Trier. Die Liturgiewissenschaft ist ein Teilgebiet der Theologie und beschäftigt sich mit der Gestalt und der Geschichte des christlichen Gottesdienstes. Der Preis ist dem Andenken Balthasar Fischers gewidmet. Der 1912 in Bitburg geborene und 2001 in Trier verstorbene Theologe und Geistliche widmete sein Lebenswerk dem katholischen Gottesdienst.
In ihrer bei der Universität Wien eingereichten Dissertation "Die Tagzeitenliturgie an den drei Tagen vor Ostern" beschäftigt sich Ingrid Fischer mit dem Gebetsgottesdienst, der in Kirchen und Klöstern an den verschiedenen Tageszeiten zu Ostern gefeiert wird. Kleriker können ihn mithilfe eines besonderen Gebetbuches (Stundenbuch) auch alleine beten.
An den Tagen vor Ostern, dem wichtigsten christlichen Fest, stehen diese Gebetsgottesdienste ganz im Zeichen von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu. Die preisgekrönte Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung dieser Feiern und ihre heutige Gestalt und beschreibt das vielfältige Geflecht biblischer Themen und Motive.
In ihrem Vortrag zur Preisverleihung zeigte sich Fischer überzeugt: Wer die Gottesdienste an Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag mitbetet, für den werden sie sie zur reichen Quelle für die eigene Frömmigkeit.
Besonders faszinierte sie, dass das zweite Vatikanische Konzil etwas tat, "was man 1500 Jahre nicht getan hat": Von 1962 bis 1965 aktualisierte die Katholische Kirche die Leitfäden, nach denen die Riten abzuhalten sind. Dabei sei auch die Liturgie vor Ostern verändert worden, nachdem sie "vom siebten bis ins 20. Jahrhundert sakrosant" gewesen sei, erklärt Fischer.
Die 1961 geborene Fischer hat zunächst Psychologie und Humanbiologie studiert und darin promoviert. Nach mehrjähriger Kinderbetreuungszeit erfüllte sie sich ab 1995 mit dem Theologiestudium in Wien einen frühen Herzenswunsch und hat schließlich 2012 die jetzt vorgelegte Dissertation abgeschlossen.
Seit 2002 lehrt sie in der Theologischen Erwachsenenbildung. Primäres Anliegen ist für sie die Vermittlung "zwischen der akademischen Theologie und den Leuten, die gerne genauer verstehen wollen, was sie glauben."