Rad fahren auf Stelzen

LANGSUR/RALINGEN. Fast zwei Jahrzehnte wurde geplant und diskutiert, nun soll der 4,2 Kilometer lange Lückenschluss des Sauertal-Radwegs zwischen Metzdorf und Wintersdorf tatsächlich erfolgen: Im Sommer, teilt das Mainzer Wirtschaftsministerium mit, werde mit dem Bau begonnen.

Im kommenden Jahr soll der lang gehegte Wunsch Wirklichkeit werden: radeln von der Mosel entlang der Sauer bis an die Grenze des Kreises Bitburg-Prüm nach Minden und nach Echternach (Luxemburg). Mit dem Lückenschluss eines 4,2 Kilometer langen Teilstücks zwischen Langsur-Metzdorf und Ralingen-Wintersdorf hat der Sauertal-Radweg diesen Namen endlich auch verdient. Bisher haftete ihm der Makel an, dass die Radfahrer zwischen Metzdorf und Wintersdorf auf die Bundesstraße 418 ausweichen mussten.Beliebte Tour bis Echternach

Kerstin Wallenborn, Geschäftsführerin des Fremdenverkehrsvereins "Ferienregion Trierer Land", ist davon überzeugt, dass der Lückenschluss den Fremdenverkehr an der Sauer ankurbeln wird.

Im Sommer gebe es zahlreiche Anfragen von Touristen, die von der Mosel nach Echternach fahren wollten. Viele Prospektanfragen gebe es auch nach der Fünf-Täler-Tour, einem 115 Kilometer langen Radwegenetz entlang der Flüsse Mosel, Kyll, Nims, Prüm und Sauer. "Bei der Neuauflage der Broschüre machen wir bereits einen Vermerk auf den Fertigstellungstermin im Sauertal 2008", kündigt die Geschäftsführerin an.

Froh über das Bau-Signal des Bundes sind auch die Ortsbürgermeister von Langsur, Karl-Heinrich Orth, und Ralingen, Oswald Disch (beide CDU). Sie hatten vor drei Jahren für Furore gesorgt, als sie einen Teil der zugewucherten ehemaligen Bahntrasse, auf der der Radweg verlaufen soll, von Sträuchern und Ästen befreien ließen. Was sie als forstwirtschaftliche Pflegemaßnahme bezeichneten, war für Umweltschützer ein "illegaler Eingriff". Wegen der Betroffenheit von Natura 2000-Gebieten hatte der Naturschutzbund (Nabu) Beschwerde bei der EU-Kommission gegen den Bau des Radwege-Teilstücks eingelegt. Dieser Beschwerde wurde aber nicht stattgegeben (der TV berichtete).

Vorgesehen sind umfangreiche landespflegerische Maßnahmen zum Schutz der Lebensräume. Beispielsweise werden Aufständerungen der Trasse vorgenommen. Der Radweg verläuft in Teilbereichen auf Stahlpfosten, damit beispielsweise Kriechtiere die Trasse ohne Gefahr überqueren können. In weiten Teilen wird auf eine Befestigung des Radwegs verzichtet; ein 800 Meter langer Abschnitt bekommt eine so genannte Flutmulde, wo Eisvögel brüten können.

Besonders empfindliche Kalktuff-Quellen sollen vor den Radfahrern durch Absperrungen geschützt werden. Die Kosten für den 4,2 Kilometer langen Abschnitt belaufen sich nach Mitteilung des Wirtschaftsministeriums auf rund 800 000 Euro. Baulastträger und damit Financier der Maßnahme ist der Bund. kah/bre