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Radler aus Hingabe: Trierer fährt Tausende Kilometer pro Jahr auf dem E-Fahrrad​

Fahrradfahren in der City : Radler aus Hingabe: Trierer fährt Tausende Kilometer pro Jahr auf dem E-Fahrrad

Fast alle Erledigungen macht Kyle Raihala mit seinem Lastenfahrrad. Tausende Kilometer legt er im Jahr mit seinem Rad zurück. Warum er trotz einiger brenzliger Situationen das Fahrrad nie wieder gegen Fahrten mit dem Auto eintauschen würde.

8000 Kilometer – so viel wie von Trier nach Peking – fährt Kyle Raihala pro Jahr. Und zwar mit dem Rad. „Ich erledige eigentlich alles mit meinem Lastenrad“, sagt der 41-Jährige. Kinder zur Schule und in den Kindergarten bringen, einkaufen, zu Terminen gehen: das Alltägliche erledigt er mit seinem Urban Arrow Pedelec Fahrrad und kommt so auf etwa 25 Kilometer am Tag. (Pedelec bedeutet, dass der Fahrer in die Pedale treten muss, bevor die elektronische Unterstützung anspringt.) Vorne am Lastenrad ist eine große Kiste, in der seine zwei Kinder Platz finden. Bei Regen, Wind oder Kälte lässt sich mit wenigen Handgriffen eine Hülle über die Transportbox spannen.

Wer drinnen sitzt, bleibt trocken. Die Bank in der Transportkiste ist klappbar, sodass auch andere Lasten transportiert werden können. „Wir sind vor kurzem in einen anderen Stadtbezirk umgezogen. Die Umzugskisten habe ich mit dem Rad von unserer alten Wohnung in Heiligkreuz in unser neues Haus gebracht.“ Die Reaktionen auf so viel Entschlossenheit waren größtenteils positiv. „Ich glaube, viele Leute waren überrascht, was man mit einem Lastenrad alles schaffen kann.“

Ärger mit einem Autofahrer: Warum Kyle Raihala eine Helmkamera trägt

Dass nicht alle im Straßenverkehr seine Verbundenheit zu seinem Fortbewegungsmittel toll finden, daran hat sich Raihala gewöhnt. Seitdem ein Autofahrer ihn und seine Familie – alle waren mit Rädern unterwegs – an einer Ampel knapp überholt und dann bedrängt hat, trägt er eine Kamera auf seinem neongrünen Fahrradhelm.

Damals stand es Aussage gegen Aussage. Aber mit einer Kamera hätten die Bilder seine Schilderung des Vorfalls unterstützt. „Seitdem ich die Kamera trage, habe ich gemerkt, dass Autofahrer anders auf mich reagieren. Manche winken sogar.“ Trotzdem: Täglich erlebt er gefährliche Situationen. „Das liegt meistens an überhöhter Geschwindigkeit und knappen Überholmanövern von Autofahrern.“

Seit drei Jahren ist Raihala mit dem Pedelec-Rad unterwegs. „Am Anfang musste ich die Routen im Voraus für den Tag planen, damit ich weiß, wo Fahrradwege sind, und wo ich gut vorwärts komme.“ Mittlerweile kennt er sich auf den Straßen aber gut genug aus, dass er nur selten noch im Voraus seine Routen planen muss. Für Ausflüge – an einem Tag schafft die vierköpfige Familie bis zu 80 Kilometern Strecke – sucht er noch die Routen heraus. Mittlerweile sei die Planung aber schon so in den Alltag der Familie integriert, dass es normal geworden sei. Die Planung ist nicht das, was ihm Stress bereitet. Der kommt eher von den Autofahrern, die den Abstand zwischen sich und seinem Fahrrad nicht einhalten.

Fahrrad fahren: Was sich Kyle Raihala wünscht

Mit der Zeit hat er Strategien entwickelt, wie er auf der Straße sicherer mit dem Rad unterwegs sein kann. Wenn er zum Beispiel sieht, dass Gegenverkehr kommt, fährt er auf der linken Seite seiner Spur, damit das Auto hinter ihm sich nicht noch schnell zum Überholen zwischen ihn und das entgegenkommende Auto quetschen kann – dann würde es ihn nämlich von der Straße drängen. „Es ist manchmal schwer, vom Auto aus die Distanz richtig einzuschätzen“, sagt er. „Autofahrer müssen mindestens eineinhalb Meter Abstand halten. Wer nicht sicher ist, dass er den Abstand halten kann, sollte mit dem Überholen einfach warten.“

Seine Idealvorstellung: Keine Warnweste, keinen Helm und keine Kamera tragen zu müssen, weil die Infrastruktur für Fahrradfahrer existiert, in aller Ruhe und sicher zu fahren. Eine Stadt, die für Fahrradfahrer funktioniert, und nicht Autofahrer als das Maß für Straßenplanung vorsieht.

Beispielsweise gebe in Trier viele Stellen, wo Autofahrer weite Kurven fahren könnten und beim Abbiegen kaum entschleunigen müssten. Zum Beispiel in Heiligkreuz am Karlsweg Ecke Christian-Eberl Straße. Dort ist auf der rechten Seite die Radspur zu Ende. Lösungen wie diese zeigten, wo in der Verkehrsplanung die Priorität liege, das ärgert Raihala.

Trotzdem sagt er, er würde das Fahrrad nicht gegen das Auto eintauschen. Noch muss er alle zwei Wochen zu einem Termin in die Eifel fahren – aber er kann sich das Leben auch ganz ohne Auto vorstellen. „Ich bewege mich, und ich bin meistens schneller da als mit dem Auto. Außerdem kann ich mich mit meinen Kindern unterhalten, während wir fahren. Das genieße ich.“