Rätsel um den Wucher-Baum

Seit rund vier Monaten wuchert ein unbekannter Baum im Garten der Steils - und das bis zu zehn Zentimetern am Tag. Art und Herkunft sind rätselhaft.

Trier. "Mittlerweile bleiben sogar Passanten vor unserem Haus stehen, um zu schauen", erzählt Gertrud Steil aus Trier-Nord. Grund für das Erstaunen der Vorbeigehenden ist nicht etwa ein neuer Sportwagen ihres Mannes Arno oder eine außergewöhnliche Fassadenfarbe am Haus. Seit circa vier Monaten wächst im Vorgarten der Familie ein ihnen unbekannter Baum - und das unaufhörlich. "Als wir vor einigen Tagen kamen, war er gerade erst über die Querstrebe gewachsen; mittlerweile ist er höher als das Fenster", berichtet die zehnjährige Enkelin Celine begeistert von dem rund drei Meter hohen Gewächs, das jeden Tag bis zu zehn Zentimeter in die Höhe schießt.

Ist es ein Chinesischer Blauglockenbaum?



Die Familie vermutet, dass es sich bei dem Exoten um einen Chinesischen Blauglockenbaum handeln könnte, der nicht nur für ein schnelles Wachstum, sondern auch für seine großen, herzförmigen Blätter bekannt ist. Gestützt wird diese These durch eine Entdeckung, die das Ehepaar Steil bei einem Besuch im französischen Bitche gemacht hat. In der Nähe der dortigen Festung wächst nämlich ein Baum, der dem mittlerweile liebgewordenen Wildwuchs im Garten der Steils ähnlich sieht - und das ist ein Chinesischer Blauglockenbaum.

Wie diese eigentlich aus Westchina stammende Art den Weg in ihren Vorgarten fand, ist Arno Steil allerdings ein Rätsel. "Vielleicht haben ihn Vögel mitgebracht, vielleicht hat sich aber auch unser Nachbarjunge einen Spaß erlaubt. Der war vor kurzem in China", spekuliert er mit einem Augenzwinkern.

Um Klarheit zu erhalten, kommt demnächst ein befreundeter Baumsachverständiger vorbei. Bis dahin bleibt der "Familienzuwachs" im Vorgarten. Daran ist auf Dauer jedoch nicht zu denken: Nicht nur, dass die Wurzeln früher oder später die Kanalleitungen erreichen werden - sollte der Baum wirklich die für einen Blauglockenbaum übliche 20-Meter-Marke erreichen, wäre der Vorgarten zu klein für den Riesen. Arno Steil sagt: "Wir überlegen, wem wir ihn schenken könnten."