Räumen, prüfen, warten

Komplizierte Bergungsarbeiten: Nach dem Gefahrgut-Unfall von Mittwoch (der TV berichtete) ist die Bundesstraße 51 zwischen Olzheim und Stadtkyll bis gestern Abend in Richtung Norden gesperrt geblieben. An der Unfallstelle befassten sich Behörden und Umweltexperten mit den Folgen.

Stadtkyll-Schönfeld. Den verunglückten LKW hatten die Einsatzkräfte noch in der Nacht zum Donnerstag per Kran aus dem Graben gehoben und nach Olzheim geschleppt. Die Feuerwehr habe aus dem leckgeschlagenen Stahlfass 600 Liter der gefährlichen Flüssigkeit abgepumpt, sagte Karl-Heinz Rach, Leiter der Straßenmeisterei Prüm, am Donnerstag. Damit der Rest des explosiven Peroxid-Gemischs (siehe Extra) nicht weiter in die Umwelt gelangte, versiegelten die Einsatzkräfte die Entwässerungsleitungen an der Bundesstraße. Die abgepumpte Flüssigkeit brachten sie zum Rommersheimer Stützpunkt der Straßenmeisterei wo sie entsorgt wurde.

Gestern begann die Bergung der in den Straßengraben gekippten Ladung. Nicht ganz einfach, da Paletten, Kanister und andere Behälter mit Werkzeugen, Werkzeugteilen und Gefahrgut übereinander gestürzt waren. Deshalb habe man auch die bedenklichen Teile nicht mit dem Bagger angehoben, sagte Karl-Heinz Rach: "Einige davon waren so verkeilt, dass wir die Stoffe daraus absaugen müssen."

An der Unfallstelle nahm Gutachter Gustav Kobberger seine Arbeit auf und untersuchte den Boden. Die vorläufige Einschätzung: "Im Moment keine akute Gefahrenlage", sagte Bruno von Landenberg, der für den Landesbetrieb Mobilität (LBM) die Maßnahmen in Absprache mit dem Verkehrsministerium in Mainz koordiniert. Der Gefahrgut-Transporter war am Mittwochmorgen in Köln gestartet. Ziel: Städte in Spanien. Die Überprüfung der Papiere, Lenkzeiten und der Ladungssicherung erbrachte keinerlei Mängel: "Alles einwandfrei", sagte Fank Kerner, Einsatzleiter der Polizei Prüm.

Der LKW war gegen 12.40 Uhr in Höhe der Abfahrt nach Stadtkyll-Schönfeld in den Graben gestürzt, weil dem Fahrer am Steuer schlecht geworden war. Der 62-Jährige wurde leicht verletzt. Zwei Feuerwehrleute mussten kurzzeitig vom DRK behandelt werden, weil sie austretende Dämpfe eingeatmet hatten. Insgesamt rund 85 Menschen waren im Einsatz, darunter Feuerwehren aus dem gesamten Kreis Vulkaneifel mit Spezialtrupps und -Fahrzeugen, Polizei, DRK, Straßenmeisterei, LBM und untere Wasserbehörde. Extra Leicht entzündbar und gesundheitsgefährdend: Organische Peroxide gehören zur Gefahrenklasse 5 der brandfördernden Stoffe. Sie können schwere Verätzungen hervorrufen - beim Einatmen oder bei Kontakt mit Haut und Augen. Das Produkt, das auf dem verunglückten Lkw transportiert wurde, ist ein Gemisch aus Wasserstoff-Peroxid und sogenannter Peressigsäure. Wie der Hersteller Hypred (Bornheim, Nordrhein-Westfalen) auf TV-Anfrage mitteilte, wird es als Desinfektionsmittel in der Lebensmittelindustrie gegen Bakterien und Pilze verwendet. Organische Peroxide werden auch bei der Kunststoffherstellung eingesetzt. (fpl)