Ralinger wollen den Zahlen Taten folgen lassen

Ralingen · Wissenschaft zum Anfassen im Sauertal: Aus den Ergebnissen einer Einwohnerbefragung hat eine Gruppe Engagierter Projekte entwickelt, die den aus mehreren Teilen bestehenden Ort Ralingen voranbringen können. Noch fehlt es an Mitstreitern.

Ralingen. Der Ralinger ist kein unbekanntes Wesen mehr. Nach der Fragebogenaktion wissen die Soziologen der Universität Trier genau, wie es dem Menschen im Hauptort und den Ortsteilen Olk, Edingen, Kersch, Wintersdorf und Godendorf geht. Was sie denken, was sie wollen. Nach der Präsentation der Ergebnisse der Fragebogenaktion wissen nun auch die Bürger etwas: Wo der Schuh drückt und wo sie etwas ändern müssen.
Rund 80 der insgesamt rund 2000 Bürger der Gemeinde wollten es genau wissen und hören sich einen Bericht von Professor Waldemar Vogelgesang über den Ralinger an sich und seine Gefühlslage an. Ein wohl nicht nur für Außenstehende überraschendes Ergebnis: Bis zu zwei Drittel der Bevölkerung in den einzelnen Orten ist teils erst vor wenigen Jahren zugezogen. "Zum Teil aus Luxemburg. Aber auch unheimlich viele Menschen aus Trier", sagt Vogelgesang.

Da Zahlen bekanntlich nicht lügen, steht spätestens seit der Präsentation fest: Es gibt besonders im Ortsteil Kersch mit seinen gut 200 Einwohnern das, was früher Probleme hieß und heute als Herausforderung bezeichnet wird. Im Vergleich mit anderen Gemeindeteilen sind dort viele Menschen mit ihrer Lebenssituation unzufrieden. Relativ viele spielen sogar mit dem Gedanken wegzuziehen, weil sie sich dort nicht wohlfühlen.
Weit mehr als nur bloße Zahlen referiert Vogelgesang, als es um die Neu-Ralinger mit luxemburgischen Wurzeln geht. Solange keine durchgehende mehrsprachige Vorschul- und Schulbildung garantiert werde, "bringen die Luxemburger weiter ihre Kinder morgens in die Schulen nach Luxemburg zurück." An dieser Stelle müsse angesetzt werden. Zumal in Kindergarten und Schule viel Integrationsarbeit geleistet werde. Eine Steuerungsgruppe aus Ralinger Bürgern hat in ihrer Ideensammlung so auch eine internationale Sauertalschule aufgenommen. Doch alle Beteiligten wissen, dass es ein langer Weg zu dieser Einrichtung ist.
Deshalb konzentrieren sich die Ralinger auf andere Projekte, die Andreas Baltes, Leiter der Steuerungsgruppe "Untere Sauer", an diesem Abend vorstellt. Das sind unter anderem Dorffeste in Olk und Kersch oder ein Informationsheft über Wintersdorf, das Neubürgern an die Hand gegeben werden soll. Daneben gibt es Ideen für Seniorentage, eine Kunstausstellung, eine neue Grillhütte oder die Pflege von Wanderwegen.
Mitstreiter um die 40 fehlen


Fehlen nur noch die Mitstreiter, die diese Ideen umsetzen.
Renate Schneider aus Olk ist die erste, die sich zur Mitarbeit bereiterklärt. Sie würde sich gerne beim Thema Ausstellungen einbringen. "Ich interessiere mich für dieses Thema und halte dieses Projekt für eine gute Idee der Steuerungsgruppe", sagt sie. Kritisch merkt Schneider an, dass beim Präsentationsabend "das Mittelalter fehlt" - also die Menschen rund um 40.
Trotz dieses Mankos und den noch wenigen Rückmeldungen zieht Andreas Baltes ein positives Resümee. "Die Steuerungsgruppe war sehr zufrieden, dass so viele Menschen vor Ort waren", sagt er. "Die Präsentation hat gezeigt, dass wir doch ganz gut dastehen." Die Resonanz auf die Listen sei leider nicht so groß gewesen. "Aber wir denken, dass die Zuhörer die Ergebnisse erst einmal verdauen müssen."
Wer sich bei einem der Ralinger Projekte einbringen möchte, sollte am Mittwoch, 22. Mai, 19 Uhr, ins Gemeindehaus Olk kommen. Dort wird noch einmal über die Ideen gesprochen und darüber, wie nun weiter vorgegangen werden soll.
Meinung

Mitmacher dringend gesucht
Die Ralinger gehen den richtigen Weg. Statt sich nur über die herrliche Landschaft zu freuen und sich für die nettesten Bürger des Landkreises zu halten, haben sie erkannt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Das rasante Bevölkerungswachstum hat Folgen. Zwar wohnen viele Menschen in Ralingen und den anderen Teilen der Gemeinde. Doch viele leben dort nicht. Für sie ist die Gemeinde so etwas wie eine Schlafstadt. Solch eine durchaus nachvollziehbare Einstellung ist auf Dauer der Tod einer Dorfgemeinschaft. Das haben einige Ralinger erkannt. Sie wollen aktiv werden. Was noch fehlt, ist das Mitziehen der Menschen. Gefragt sind die Angehörigen der Familien, die schon gefühlte 250 Jahre in Ralingen verwurzelt sind. Und die, die der herrlichen Landschaft und der günstigeren Baulandpreise wegen erst kürzlich zu Ralingern wurden. h.jansen@volksfreund.de

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort