Ralli rappt die Rigatoni

Die Marktschreier boten auf dem Viehmarktplatz ihre Waren wortgewaltig feil. Die Verkaufsprofis wissen ein Mittel gegen Heiserkeit: Die Stimme muss aus dem Bauch kommen.

Geölte Stimme und polternde Verbal-Attacken: Nudel-Ralli bringt mit flotten Sprüchen kiloweise italienische Teigwaren unters Volk. TV-Foto: Cordula Fischer

Trier. "Die hängen am Geld wie das Schwein am Leben", poltert Wattwurm Jens. Das zieht. Tütenweise gehen Würste und Witze über die Theke. "Aus dem Bauch raus", sagt Nudel-Ralli. Das ist der Kniff, den jeder Marktschreier beherrscht. "Die Stimme muss aus dem Bauch raus kommen. Sonst bist du sofort heiser." Aus dem Bauch holt Nudel-Ralli alias Ralf Hörnchen auch seine Sprüche, die er je nach Situation herausbrüllt. Der volltönende Tenor mit der Atemtechnik eines Opernsängers weiß, was seine Kunden wünschen. "Seit der Euro-Umstellung muss man mehr Gas geben und eine gute Show bieten." Dann lässt er auch mal ein Paket Nudeln fliegen."Viel Spaß beim Nudeln", ruft der Verkaufsprofi dem Ehepaar hinterher, das mit den ergatterten Teigwaren abzieht.Seine Verbalattacken lässt er aber nicht nur auf die Kunden prasseln, die vor seinem LKW stehen. Auch seine Nachbarn Käse-Rudi, Wattwurm Jens, Aal-Axel und Blumen-Appi müssen sich Anzüglichkeiten gefallen lassen. Und die Kollegen-Schelte ist überaus verkaufsfördernd. Hörnchen rackert, rapt, stopft Spagetti, Rigatoni und "die kleinste Nudel der Welt" in einen Plastikbeutel im XXL-Format. "Aber eigentlich hat ja Käse-Rudi die kleinste", haut Ralli die nächste Zote raus.Hart an der Gürtellinie oder auch darunter geht es im Kampf um die Kunden zu, wenn sich die Männer mit der Lizenz zum Brüllen die Waren madig meckern. "Billig und geschmacklos gibt es nebenan", krakeelt Ralli und packt die nächste Tüte. "Einen Italiener für einen Zehner" gibt es obendrauf."Den Leuten muss man einen überbraten, bis sie aufgewacht sind", sagt Wattwurm Jens von Scherlitz. "Klar, einen Lütten an der Waffel habe ich schon", sagt er. "Aber Menschen muss man mögen und nicht nur als Käufer sehen. "Human-Faktor" nennt er das philosophisch.Mikrofone sind bei den Dauer-Schreihälsen verpönt und Beleidigungen gehören zum Programm. "Man muss sprechen, ohne zu denken", weiß der fahrende Händler Hörnchen, seit 29 Jahren Marktschreier mit Leib und Seele.Beschaulicher geht es am anderen Ende des Viehmarkts zu. Unterhosen, Lederbalsam, Dampfbügeleisen, Gewürze und allerlei Krimskams sind im Angebot. Leise Töne und praxisorientierte Informationen gehören zur Verkaufsstrategie von Ernst Ritzrow, der mit seinem Gemüsehobel Zucchini, Möhren und Zwiebeln schnitzelt. Währenddessen unterbieten die miteinander wetteifernden Marktschreier locker das Niveau eines jeden Stammtischs. "Alles muss raus, ich will heut noch ins Freudenhaus", schallt es markerschütternd über den Platz.