Rallye kommt wieder auf den Prüfstand

Rallye kommt wieder auf den Prüfstand

Die Stadt Trier hat mit dem Innenstadt-Rennen die Hauptattraktion der Deutschland-Rallye verloren. Dezernent Thomas Egger will heute im Ausschuss erklären, was das für die Partnerschaft mit dem ADAC bedeutet. Die Front der Unterstützer im Stadtrat bröckelt.

Der spektakuläre Innenstadtkurs Circus Maximus rund um die Porta Nigra ist Geschichte. Und der Showstart der ADAC-Deutschland-Rallye ging in diesem Jahr erstmals in Köln statt Trier über die Bühne (der TV berichtete). Doch damit nicht genug: Während der Stadt Trier durch die Rallye jedes Jahr Kosten entstehen (siehe Extra), hat Köln für das Ereignis mit großem Tamtam auf dem Roncalliplatz beim Dom gar nichts bezahlt.
Auf TV-Anfrage heißt es bei der Stadt Köln: Der ADAC als Veranstalter "hat die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen und Reinigungsarbeiten auf eigene Kosten bereitgestellt und durchgeführt".SPD fragt nach Ausstieg


In einer umfangreichen Anfrage zur heutigen Sitzung des Dezernatsausschusses III (17 Uhr, Tagungsraum Gangolf im Rathaus) will die SPD wissen, inwieweit sich der volkswirtschaftliche Nutzen der Rallye verändert hat. Die Genossen fragen Dezernent Thomas Egger sogar: "Ist ein Ausstieg aus der Unterstützungsvereinbarung zwischen dem ADAC und der Stadt Trier auch vor 2015 wirksam möglich?" SPD-Fraktionschef Sven Teuber sagt: "Eine bloße Fortsetzung darf es nicht geben."
Die Pro-Rallye-Front im Rat, der die SPD bisher angehörte, droht also zu bröckeln. Die strikten Rallye-Gegner fühlen sich im Aufwind. Richard Leuckefeld (Grüne): "Es sollte kein öffentliches Geld in eine Werbeveranstaltung der Automobilindustrie und des ADAC fließen." Katrin Werner (Die Linke): "Die Rallye passt nicht zu Trier, weil sie unökologisch ist und Lärm verursacht. Auch zweifeln wir die Sicherheitslage nach zwei Toten und zwei Schwerverletzen an."
FWG, FDP und CDU unterstützten bisher die Rallye. Alle drei Fraktionen wollen zunächst die Antworten des Dezernenten abwarten. Christiane Probst (FWG): "Die Fragen der SPD sind berechtigt. Es gab in diesem Jahr weniger Besucher und durch die Zwischenfälle einen negativen Blick."
Tobias Schneider (FDP): "Sollte sich am positiven wirtschaftlichen Effekt für die Region etwas ändern, müssten wir über die Positionierung nachdenken. Ich gehe davon aus, dass der Veranstalter überlegt, wie er die Sicherheit verbessern kann."
Birgit Falk (CDU) äußert sich noch am positivsten: "Die Rallye ist nach wie vor ein Tourismus- und Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Wir müssen abwarten, inwieweit der Dezernent schon Angaben zu 2013 und zur Zukunft machen kann. Natürlich ist es nicht erfreulich, dass der Circus Maximus ganz gestrichen und der Showstart verlegt wurde."Meinung

Partner müssen dringend reden
Die Nachricht aus Köln ist ein weiterer Tiefschlag für Trier. Während die Moselstadt seit Jahren brav für die Ehre löhnt, die Deutschland-Rallye zu Gast zu haben, bekommt die Rheinmetropole den Showstart und damit eine große Resonanz in den Medien komplett für lau. Kein Wunder: Dem ADAC und dem Automobil-Weltverband ist der große Auftritt in einer Millionenstadt offenbar mehr wert. Nicht nur deshalb steht die Partnerschaft zwischen Trier und dem ADAC vor einer harten Probe. Der Stadt muss sich fragen, ob die Elemente der Rallye, die übrig blieben, die Investition noch wert sind. Um das beantworten zu können, müssen die konkreten Kosten nach dem 2013er Modell auf den Tisch. Es gibt sicher gute Argumente für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit: die Einnahmen für Gastronomie und Einzelhandel durch die vor Ort residierenden Teams und Fans, die Berichterstattung über Trier in allen möglichen Medien. Der Veranstalter muss sein Sicherheitskonzept prüfen und optimieren. Schlagzeilen wie nach den Todes- und Verletztenfällen 2013 schaden auch Trier. m.hormes@volksfreund.deExtra

2012 gab es noch das Komplettprogramm der Rallye in Trier. Die Stadt gab damals 126 000 Euro aus. Davon entfielen 101 600 Euro auf Leistungen städtischer Ämter und Miete für den Messepark. Die externen Rechnungen von Firmen für Strom, Tribüne, Absperrgitter, Plakate und mehr summierten sich auf 24 400 Euro. "Eine Abrechnung für 2013 liegt noch nicht vor", sagt Triers Pressesprecher Ralf Frühauf. Ohne Showstart und Circus Maximus sollten sich die externen Kosten laut städtischer Schätzung auf 15 000 Euro verringern. Auch die internen Verrechnungsposten fielen niedriger aus, wobei die Messeparkmiete von 47 600 Euro bestehen blieb. cus ADAC verspricht: Das Herzstück soll in Trier bleiben

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