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Rangierbahnhof Ehrang: 15-Jähriger erleidet Stromschlag aus Oberleitung

Unglück : Trotz Zäunen und Warnschildern: Jugendlicher klettert auf Lok und erleidet Stromschlag

Auf dem Rangierbahnhof in Trier-Ehrang hat am Wochenende ein 15-Jähriger einen schweren Stromschlag erlitten. Auch 2017 hatte es einen solchen schlimmen Unfall gegeben. Danach wurden Zäune und Warnschilder aufgestellt.

Achtung! Lebensgefahr! Hochspannung! Es ist kaum vorstellbar, dass die jungen Leute die vielen Warnschilder übersehen haben. Trotzdem haben sich die vier Freunde aus Schweich, Pfalzel, Ehrang und Trier-Feyen/Weismark am Samstag auf dem Gelände des Rangierbahnhofs in Trier-Ehrang getroffen. Der Abend endete mit einem schrecklichen Unfall.

Wohl, um Fotos von seinen drei Freunden zu machen – so die Bundespolizei – kletterte der 15-jährige Schweicher Junge auf eine der Loks, die dort auf Abstellgleisen stehen. Offenbar stieg er bis aufs Dach der Lokomotive – und geriet damit in tödliche Nähe zur Oberleitung. 15 000 Volt fließen durch den Draht. Der Strom schlug auf den Jugendlichen über. Schwer verletzt stürzte er vom Dach der Lok. Behandelt wird er nun in einer Spezialklinik in Duisburg.

Es ist der dritte schlimme Unfall auf dem Gelände des Rangierbahnhofs binnen 3,5 Jahren: 2016 erleidet ein 16-Jähriger auf einem der Waggons einen Stromschlag. Im September 2017 spielt ein zehnjähriges Mädchen zusammen mit seiner Schwester und zwei Freunden auf dem Bahnareal. Das Mädchen klettert auf eine der Loks und erleidet einen so schweren Stromschlag, dass sie nach TV-Informationen noch heute an den Folgen ihrer Verletzungen leidet.

Die Loks und der Waggon, auf denen die Kinder und Jugendlichen bei allen drei Unfällen herumkletterten, gehören einem privaten Bahnunternehmen. Das Gleis hat die saarländische Logistikfirma von der Deutschen Bahn gepachtet. „Wir selbst haben zwei Dieselloks dort stehen, mieten bei Bedarf aber eine E-Lok an, für die wir dann die Oberleitung benötigen“, erklärt Bernd Andreas Heinrichsmeyer, Betriebsleiter der Heinrichsmeyer Bahndienstleistungen GmbH. Aber auch wenn gerade keine E-Lok auf dem Gleis steht, steht die Oberleitung unter Spannung. „Die Oberleitung ist Teil des Stromnetzes, da kann man nicht einfach zeitweise einzelne Leitungen stilllegen“, sagt Heinrichsmeyer.

Nach dem Unfall 2017 hatte es einen Ortstermin mit Vertretern der Bahn, der ansässigen Schulen und des Pfalzeler Ortsbeirats gegeben. „Unsere Forderungen wurden danach auch erfüllt“, sagt Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel. Eine neue Zaunanlage mit großem, abgeschlossenem Eisentor sperrt den Zugang vom Pfalzeler Büschweg auf das Bahngelände seitdem ab. Die Warnschilder wurden erneuert. Das Gebüsch wurde gerodet, damit die Stelle besser einsehbar ist und nicht mehr zu Abenteuertouren einlädt.

Den Schlüssel für das Eisentor haben nur Mitarbeiter der Bahngesellschaften. „Am Freitagabend ist unserem Lokführer nichts Ungewöhnliches aufgefallen, als wir am Samstagabend nach dem schrecklichen Unfall vor Ort waren, war das Torschloss allerdings aufgebrochen und zerstört“, berichtet Heinrichsmeyer. Ein Beweis dafür, dass die Jungs das Tor geöffnet hätten, sei das freilich nicht. Zumal der Zugang auf das riesige Bahngelände auch von mehreren anderen Stellen möglich ist, zumindest, wenn man bereit ist, sich durch Büsche zu schlagen.

Zaun, Tor, deutliche Warnschilder, Prävention in den Schulen: „Wenn sich selbst Jugendliche von 15 Jahren davon nicht abhalten lassen, weiß ich auch nicht, was man noch tun könnte“, sagt Ortsvorsteherin Pfeiffer-Erdel. Das weitläufige Bahngelände einzuzäunen, das sich zwischen dem Mäusheckerweg bis zur Ehranger Brücke auf mehr als zwei Kilometern erstreckt, sei schlicht nicht realisierbar, erläutert auch die für Trier zuständige Pressesprecherin der Deutschen Bahn auf TV-Nachfrage. „Aber wir werden uns natürlich auch nach diesem Vorfall die Örtlichkeit nochmal genau anschauen und prüfen, was man noch machen kann“, verspricht die Bahnsprecherin. Die Firma Heinrichsmeyer hatte schon nach dem Unfall 2017 bei der Bahn angefragt, ob es möglich sei, die Loks samt Gleis komplett einzuzäunen. Aber dafür bräuchte es eine Zaunanlage über die Schienen, die bei Bedarf geöffnet werden kann. Die ungewöhnliche Maßnahme müsste vom Eisenbahn-Bundesamt geprüft und genehmigt werden. „Die Deutsche Bahn hat uns nachvollziehbar erläutert, dass das ein sehr aufwendiges Verfahren und kaum durchführbar sei“, sagt Heinrichsmeyer.