Rastplatz am Jakobsweg
Trier · Ich bin dann mal weg: Nicht erst seit dem Bestseller von Hape Kerkeling boomt das Pilgern auf dem Jakobsweg. Bereits seit den 1990er Jahren erlebt das Wallfahrtsziel Santiago de Compostela eine Renaissance. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf Trier. Die Dom-Information registriert jedes Jahr etwa 1000 Jakobspilger.
Trier. Daniel de Beyer (23) und Christian Pill (28) aus dem nordrhein-westfälischen Coesfeld sind von Koblenz aus nach Trier gelaufen, der Schweizer Martin Stutz (49) startete im Juni in Görlitz und hat bereits 1000 Kilometer hinter sich. Die drei haben ein gemeinsames Ziel: Santiago de Compostela. Auf dem Weg dorthin rasten sie in Trier - wie unzählige Jakobspilger in den vergangenen 1000 Jahren.
Selbst - dank des Heiligen Rocks und des Grabs des Apostels Matthias - ein uraltes Pilgerziel, hatte Trier seit jeher eine enge Verbindung zu den ersten großen Wallfahrtsorten Rom und Jerusalem. Als ab dem 11. Jahrhundert Santiago als Ziel populär wurde, kam Trier seine verkehrstechnische Bedeutung zugute: Auf den alten Römerstraßen kamen Menschen aus Nord- und Osteuropa in die letzte große Stadt Deutschlands auf dem Weg nach Spanien.
Als erstes durch die Porta Nigra
"Wir dürfen uns dies nicht zu strukturiert vorstellen", sagt Markus Nicolay, Sekretär der Trie rer Jakobusbruderschaft, der ältesten ihrer Art in Deutschland. "Es gab damals keine beschilderten Wege, sondern nur Knotenpunkte, an denen sich Pilger trafen, um ihre Vorräte aufzufüllen und ein sicheres Nachtquartier zu haben. Deswegen war Trier sehr bedeutsam."
Auch heute noch kommen die Wallfahrer meist durch die Porta Nigra in die Innenstadt. Nach kurzem Zwischenstopp vor der Steipe am Hauptmarkt, wo sich eine Statue des heiligen Jakobus, eines der vier Trierer Stadtheiligen, befindet, gelangen sie zum Dom und dem Pilgerbüro in der Dom-Information. Seit zehn Jahren erhalten Pilger dort Informationen, Ausweise und Hilfe bei der Beschaffung günstiger Übernachtungsmöglichkeiten. "Seither wissen wir auch, dass eine stabile Zahl von etwa 1000 Wallfahrern pro Jahr durch Trier kommt oder von hier aus aufbricht", berichtet Nicolay.
Daniel de Beyer, Christian Pill und Martin Stutz verbindet neben dem Ziel auch die Motivation zu der Pilgerreise: Sie wollen sich über die Zukunft klar werden, möchten den "Kopf freilaufen".
Nach dem Zwischenstopp am Dom geht es für sie weiter an Liebfrauenkirche, Palastgarten und Priesterseminar vorbei Richtung Fleischstraße zu den Überresten des ehemaligen Pilgerspitals St. Jakob im Jakobsspitälchen. Hier konnten früher Wallfahrer ein Bett für die Nacht finden. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung zu St. Irminen, zu den Vereinigten Hospitien und dem Krahnenufer, von wo aus die Pilger entlang der Mosel nach Konz weiterziehen können. Viele von ihnen planen auch einen Abstecher in die Basilika St. Matthias ein.
Nicht jeder laufe den Jakobsweg aus religiösen Gründen, sagt Martin Stutz, der die Wallfahrt zum vierten Mal macht. Doch man könne sich der Kirche nicht verschließen und komme ihr auf der Reise um einiges näher. Und so zieht er nach einem herzlichen "Buen Camino" weiter gen Spanien.