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Rat, Betreuung und ein gutes Gefühl

Rat, Betreuung und ein gutes Gefühl

Demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen finden seit zehn Jahren Rat und Betreuung im Demenzzentrum Trier. Einen Teil der Arbeit des Zentrums konnten die Besucher jetzt live vor Ort miterleben.

Trier. Schnürsenkel zubinden und dabei nur durch einen Spiegel auf die eigenen Finger gucken dürfen - das ist gar nicht so einfach. Doch diese Übung dient dazu, sich kurz in den Alltag eines an Demenz erkrankten Menschen anfühlt. Beim zehnten Jubiläum des Demenzzentrums Trier konnten gesunde Menschen in einem Demenzparcours einen Eindruck davon gewinnen, wie ein Betroffener seine Umwelt wahrnimmt. Geruchs-, Tast- und Sehsinn eines Betroffenen funktionieren zum Beispiel schlechter als früher, der Patient kann seinen Alltag nicht mehr selbstständig meistern. Für Demenzkranke und ihre Angehörigen gründeten Professor Bernd Krönig, der Ehrenvorsitzende des Demenzzentrums, und Dieter Ackermann von der Leitstelle Familie der Kreisverwaltung Trier-Saarburg 2006 das Demenzzentrum in Trier. Damals war es nur eine Beratungsstelle. "Schnell jedoch wurde ihnen bewusst, dass die Angehörigen mehr Entlastung brauchten", sagte die Sozialpädagogin und Leiterin des Demenzzentrums, Uschi Wihr.
Heute kümmert sich das Zentrum neben der Beratung an jedem Wochentag vor- und nachmittags um die Patienten. Einen Teil ihrer Arbeit präsentierten die Mitarbeiter beim Jubiläum in Form von kleinen Workshops.
Die Hundetherapeutin Katja Heyer von Stocklausen half den Betroffenen gemeinsam mit ihrem Hund Nando dabei, die Feinmotorik zu trainieren. Die Besucher mussten Leckerlis an einer langen Schnur mit Wäscheklammern befestigen und das Seil dann so lange festhalten, bis Nando sich die letzte Belohnung abgeholt hatte. Geschichtlich interessierte Gäste versorgte das Museum Simeonstift mit einem "Museumskoffer", in dem sich Gegenstände rund um die Geschichte Triers befanden. Seit einiger Zeit gehen die Betreuer mit den Patienten für kurze Führungen ins Museum. Angela Tonner, Mitarbeiterin im Demenzzentrum, freut sich darüber, dass jeder Besucher seine speziellen Stärken dabei einbringen kann.
Neben diesen Angeboten können Betroffene ihr Gedächtnis oder ihren Körper beim Sport trainieren. Auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige gibt es. jsc
Ein Teilnehmer erklärte, seine Schwiegermutter nehme regelmäßig das Angebot in Anspruch. Ihm gibt das Zentrum "ein gutes Gefühl", da sie dort "liebevoll betreut" werde.
Auch der erste Vorsitzende des Demenzzentrums, Professor Matthias Maschke, Bürgermeisterin Angelika Birk, Joachim Christmann von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg und Professor Bernd Krönig unterstrichen in ihren Ansprachen zum Jubiläum die Bedeutung des Zentrums. Zum Abschluss vertieften Professor Maschke und Uschi Wihr in zwei Vorträgen das Thema Demenz, und der Chor des Demenzzentrums trat auf.
Für Uschi Wihr war es besonders schön, "zu sehen, dass Demenz in unserer Gesellschaft einen Platz gefunden hat". jsc