Rat will Tempo 30 in der Stadt

Rat will Tempo 30 in der Stadt

Um die Anwohner vor zu viel Verkehrslärm zu schützen, hat der Trierer Stadtrat beschlossen, dass auf nahezu allen stark befahrenen Trierer Straßen nachts Tempo 30 eingeführt werden soll. Die Straßenverkehrsbehörden legen allerdings ein deutliches Veto ein.

Trier. Christophstraße, Bonner Straße, Luxemburger Straße, Aachener Straße, Kölner Straße, Kaiserstraße, Lindenstraße, Zewener-/Wasserbilliger Straße, Balduinstraße, Roonstraße, Bismarckstraße, Theodor-Heuss-Allee, Reichsabtei, Schöndorfer Straße: Geht es nach dem Trierer Stadtrat, dann soll auf diesen vielbefahrenen Straßen die Höchstgeschwindigkeit zwischen 22 und 6 Uhr auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert werden. In Saar-, Matthias- und Paulinstraße könnte künftig rund um die Uhr Tempo 30 gelten.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist ein Baustein im umfangreichen Lärmaktionsplan, den der Rat am Dienstag beschlossen hat. Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, einen solchen Plan aufzustellen. Die Lärmbelastung an vielbefahrenen Straßen wird dafür erhoben. Anschließend müssen Lösungen entwickelt werden, wie die Anwohner vor unzulässig starkem Krach geschützt werden können.

Dezernentin strebt Ausnahmeregelungen an



Nach der Analyse eines Fachbüros leiden in Trier rund 1800 Menschen an übermäßigem Verkehrslärm von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht. Ab 60 Dezibel gilt Lärm als Dauer-Stressauslöser, ab einer auch nur zeitweisen Belastung mit 85 Dezibel ist in der Arbeitswelt Gehörschutz vorgeschrieben.

Der Lärmaktionsplan sieht außerdem vor, dass in der Luxemburger Straße der alte Pflasterstraßenbelag ausgetauscht wird und entlang der Zurmaiener Straße, der Wilhelm-Leuschner-Straße und der Steinrausch Schallschutzwände errichtet werden.

Die Tempo-30-Zonen müssen von den Straßenverkehrsbehörden genehmigt werden. Diese haben allerdings bereits deutlich darauf hingewiesen, dass solche Geschwindigkeitsbeschränkungen für komplette Haupt-, Durchgangs- und Bundesstraßen grundsätzlich nicht zulässig seien. Udo Köhler (CDU) forderte den Stadtrat deshalb auf, dem Lärmaktionsplan nicht zuzustimmen, sondern zur weiteren Beratung in den Ausschuss zu verweisen. Die übrigen Fraktionen wehrten ab: Der seit Januar 2009 erarbeitete Plan sei ausreichend diskutiert worden.

Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) bestätigte zwar, dass Tempo 30 für Hauptstraßen generell nicht genehmigungsfähig sei. "Aber wir werden für eine Ausnahmegenehmigung kämpfen, damit wir so die unzulässig hohe Lärmbelastung schnell und kostengünstig senken können." Außerdem hätten auch Berlin, Frankfurt und Freiburg bereits Tempo-30-Zonen in Hauptstraßen eingerichtet zur Lärmreduzierung. "Warum soll das in Trier nicht möglich sein?", fragte Kaes-Torchiani.

Vier CDU-Mitglieder stimmten schließlich gegen den Lärmaktionsplan, FDP und Teile der FWG enthielten sich. Der Rest der CDU, SPD, Grüne und die Linke beschlossen den Lärmaktionsplan.

Langsamer fahren für ruhige Nächte? Was halten Sie von Tempo 30 auf Triers Hauptverkehrsstraßen?



Pro

Warum nicht auch tagsüber?

Günstig, kurzfristig umsetzbar und positive Nebeneffekte: Tempo 30 ist der richtige Weg, um die lauten Nächte in der City leiser zu machen. Dass der Lärmpegel durch die Geschwindigkeitsbegrenzung "nur" um drei Dezibel reduziert wird, darf nicht täuschen. Denn das subjektive Lärmempfinden ist nicht linear. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass schon Lärmreduzierungen um wenige Prozent den Stresslevel ganz erheblich senken. Zudem lässt Tempo 30 nicht nur die Anwohner ruhiger schlafen. Denn weniger Geschwindigkeit bedeutet auch weniger Abgase, weniger Reifenabrieb und Staubaufwirbelung und dadurch weniger Feinstaub in der Luft. Und würde Tempo 30 rund um die Uhr gelten, wären nicht nur die Nächte leiser und die Luft sauberer - sondern Trier auch sicherer für Fußgänger und alle anderen Verkehrsteilnehmer. c.wolff@volksfreund.de

Contra

Übertrieben und nutzlos

Tempo 30 nachts auf den Hauptverkehrs-Achsen: Mit diesem Aktionismus bewegt sich die Trierer Ratsmehrheit nicht nur rechtlich auf dünnem Eis. Sie verlässt auch den Grundkonsens der Gesellschaft über notwendige Geschwindigkeitsbeschränkungen. Gerade die Polizei warnt stets aus ihrer Erfahrung heraus: Fahrer ignorieren Tempolimits vor allem dann, wenn sie deren Sinn nicht nachvollziehen können. Wegen ganzer drei Dezibel weniger Lärm sollen alle Fahrer bei nächtlich freier Strecke über Bundesstraßen und den zweispurigen Alleenring schleichen? Das bringt nichts und wird auch nicht funktionieren. So viele Blitzer und Starenkästen lassen sich gar nicht aufstellen. Es droht sogar ein Ausweichen auf enge Wohnstraßen, was ganz sicher nicht im Sinne des Erfinders ist. Ein Schildbürgerstreich. Trier macht sich lächerlich! m.hormes@volksfreund.de

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