Raubüberfall auf Rentner in Mariahof: Zweifel an der Beweislage

Raubüberfall auf Rentner in Mariahof: Zweifel an der Beweislage

Neue Hinweise, rätselhafte Pakete und eine Zeugin, die sich geirrt hat: Der erste Tag im Revisionsprozess um einen brutalen Überfall auf einen Mariahofer Rentner im Februar 2015 hat neue Fragen aufgeworfen. Beim ersten Prozess war der Angeklagte zu neun Jahren Haft verurteilt worden, der Bundesgerichtshof hatte das Urteil allerdings aufgehoben.

Zu neun Jahren Gefängnis hatte die Erste Große Strafkammer des Trierer Landgerichts den Angeklagten im Februar verurteilt. Wegen eines Formfehlers - Richterin Petra Schmitz hatte es versäumt, den Angeklagten auf eine Änderung in der Anklage hinzuweisen - hatte der Bundesgerichtshof das Urteil allerdings aufgehoben. Nun muss der Fall komplett neu verhandelt werden (der TV berichtete). "Zu einer höheren Haftstrafe dürfen wir Sie in dem Revisionsprozess nicht verurteilen", machte Richter Armin Hardt am ersten Prozesstag dem 33-Jährigen klar. Ein milderes Urteil sei allerdings möglich - zum Beispiel bei einem Geständnis, betonte der Kammervorsitzende gleich mehrfach.

"Ich weiß, dass ein Geständnis eine niedrigere Strafe bringen würde - aber ich kann nicht gestehen, was ich nicht getan habe", erklärte der Angeklagte, der sich im ersten Prozess nicht geäußert hatte. Am Montag nahm er Stellung - und zwar zum einzigen harten Beweis, der in dem Indizienprozess geführt wurde: Seine Fingerabdrücke haften an einem Stück Packpapier, auf dem die Adresse des zuvor überfallenen und brutal zusammengeschlagenen Rentners steht. Das Papierstück war an einem Spazierweg rund 500 Meter von der Wohnung des Opfers gefunden worden.

Er habe in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in der Trierer Dasbachstraße, wo er zum Tatzeitpunkt wohnte, mehrfach einem anderen Mann geholfen, Papiere und Verträge auszufüllen. "Dabei habe ich auch andere Sachen angefasst, vielleicht sind meine Fingerabdrücke dabei auf das Packpapier geraten." Der Mann, dem er geholfen habe, habe schließlich häufiger Pakete gepackt - etwa mit elektrischen Zahnbürsten oder Handys - und verschickt. "In Mariahof bin ich jedenfalls noch nie gewesen", übersetzte eine Dolmetscherin die Einlassungen des Angeklagten aus dem Russischen ins Deutsche.

Richter Hardt kündigte an, den Paketpacker - wenn möglich - ausfindig machen zu lassen und als Zeugen zu laden.
Zweifel an der bisherigen Beweislage brachte auch die neuerliche Aussage einer Mariahoferin. Sie hatte nach der Tat - die zwischen dem frühen Abend des 19. Februars und dem Morgen des 20. Februars 2015 passiert ist - gegenüber der Polizei ausgesagt, einen fremden Mann im Hof zum Wohnhaus des Rentners gesehen zu haben. Beim ersten Prozess hatte die Frau erklärt, sich sicher zu sein, dass der Angeklagte dieser Mann gewesen sei. "Heute muss ich sagen, dass ich ausschließe, dass er es war - die Nase, der Gesichtsausdruck, die Gesichtsform sehen doch anders aus als bei demjenigen, den ich damals gesehen habe", erklärte die Frau am Montag.

Der Prozess wird am 15. November, 9.30 Uhr, vor dem Trierer Landgericht fortgesetzt.

Mehr von Volksfreund