Raubüberfall auf Trierer Rentner wird zum zähen Indizienprozess

Trier · Der Prozess vor dem Trierer Landgericht gegen die 33 und 40 Jahre alten Angeklagten, die im Februar den Mariahofer Rentner Waldemar R. überfallen, brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt haben sollen, läuft zäh: Weder Tathergang, Tatzeit oder Beute konnten bislang schlüssig nachgewiesen werden.

TV-Foto: Friedemann Vetter

Foto: Friedemann Vetter

Noch gibt es viele Lücken bei der Rekonstruktion dessen, was in der Wohnung in der Bonhoefferstraße in Mariahof zwischen dem Abend des 19. Februars und dem späten Morgen des 20. Februars 2015 passierte. Fest steht bislang nur, dass der 83-jährige Waldemar R. in dieser Zeit in seinem Zuhause so brutal zusammenschlagen wurde, dass der fitte Rentner zum Pflegefall wurde (der TV berichtete mehrfach).

Über die genaue Tatzeit, die Beute und den Tathergang brachten allerdings auch die Zeugenaussagen der Angehörigen und Nachbarn am gestrigen dritten Prozesstag keine eindeutigen Erkenntnisse. War die Balkontür zu oder offen, die Rollläden im Wohnzimmer rauf oder runter, stand ein Stuhl auf dem Balkon, den der Täter genutzt haben könnte, um über die Brüstung zu fliehen, war die Wohnungstür nur zugezogen oder gleich zweifach abgesperrt: Zu all diesen Details gibt es abweichende Zeugenaussagen.

Der 75-jährige Bruder des Opfers, der im selben Haus lebt, kann sich die damalige Szenerie auch auf mehrfache Nachfrage von Richterin Petra Schmitz nicht mehr ins Gedächtnis rufen.

Nachbar S., der zwei Etagen über dem Opfer wohnt, scheint sich dagegen sicher: "Als ich um 8.20 Uhr das Haus verließ, um mir die Tageszeitung zu kaufen, lag noch nichts unter den Briefkästen im Hausflur. Als ich um kurz vor 9 Uhr zurückkam, lag da plötzlich ein Schlüsselmäppchen." Durch Ausprobieren der Briefkastenschlüssel stellte der 64-Jährige fest, dass der Schlüsselbund seinem Nachbarn Waldemar R. gehört. Als der aufs Klopfen an der Tür nicht reagiert, gibt S. den Schlüssel bei Waldemars Bruder Walter ab, der in der zweiten Etage wohnt. "Dessen Frau hat dann gleich gesagt: ,Ach, hat der Waldemar wieder seine Schlüssel verloren'", berichtet Zeuge S. vor Gericht.

Als Waldemar R. weiterhin nicht aufs Türklopfen reagiert, öffnet Walter R. die Tür zur Wohnung seines Bruders, wo er diesen blutüberströmt und bewusstlos findet. Ob die Haustür dabei abgeschlossen oder nur ins Schloss gefallen war und an viele andere Details am Tatort, kann Walter R. sich allerdings nicht mehr erinnern. Auch die mögliche Beute ist bislang vage: Der Sohn des Opfers hatte ausgesagt, dass sein Vater regelmäßig bei der Sparkassefiliale in Mariahof wischen 1000 und 3000 Euro Bargeld abgehoben habe. Wann Waldemar R. zuletzt Geld abgeholt hatte, hat die Staatsanwaltschaft bislang vor Gericht allerdings nicht nachgewiesen. In der Anklageschrift ist die Beutesumme von 2000 Euro festgehalten. Auch über den Schmuck, der fehlt, gibt es bislang keine genaueren Angaben. Wo der Vater die goldenen Uhren und den Schmuck, die er in den 1970ern bei seiner Übersiedlung aus Russland nach Deutschland mitgebracht habe, in der Wohnung aufbewahrte, konnte durch die Zeugenaussagen bislang ebenfalls nicht geklärt werden.

Die beiden Angeklagten waren ins Visier der Polizei geraten, weil auf einem Spazierweg in Nähe des Tatorts ein Stück Packpapier mit Waldemar Rs. Adresse darauf gefunden worden war. Auf dem Papier wiederum wurden die Fingerabdrücke von Khazbeg U. festgestellt, der zu diesem Zeitpunkt im Flüchtlingsheim in der Trierer Dasbachstraße untergebracht war. Auf Husain A. als möglichen Mittäter war die Polizei gekommen, weil von Us. Handy vor und nach dem Raubüberfall mehrfach dessen Nummer angerufen wurde.

Die beiden Angeklagten schweigen bislang zu den Vorwürfen. Fortgesetzt vor dem Trierer Landgericht wird der Prozess am Dienstag, 5. Januar.