Raubüberfall Trier-Mariahof: "Es waren mindestens drei unbekannte Täter vor Ort"

Raubüberfall Trier-Mariahof: "Es waren mindestens drei unbekannte Täter vor Ort"

In der Wohnung des im Februar 2015 brutal überfallenen Mariahofer Rentners hat die Polizei Spuren von mindestens drei Unbekannten gefunden. Keine davon konnte bislang dem Mann auf der Anklagebank zugeordnet werden. Der Indizienprozess bleibt schwierig.

Trier. Fingerabdrücke auf einem Stück Packpapier - das ist der einzige handfeste Beweis gegen den Angeklagten im Prozess um einen Raubüberfall auf einen Mariahofer im Februar 2015. Das Packpapier mit einem Adressaufkleber des Rentners darauf war an einem Weg gefunden worden - wenige Hundert Meter vom Wohnhaus des damals 83-jährigen Opfers, das Mitte dieses Jahres gestorben ist.
Er war in seiner Wohnung überfallen, brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt worden. In Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche hatte die Polizei etliche Spuren gefunden - keine davon passt allerdings zum 34-jährigen Angeklagten.

"Ich gehe davon aus, dass mindestens drei bislang unbekannte Täter in der Wohnung waren", erklärte die Polizistin, die die Spurensicherung damals leitete, am Mittwoch als Zeugin vor Gericht. An einem großen Schraubenzieher, der neben dem bewusstlosen Opfer gefunden wurde, an einem schnurlosen Festnetztelefon, das im völlig durchwühlten und teilweise zerstörten Schlafzimmer lag, und an einem Trinkglas in der Küche hafteten fremde Fingerabdrücke.Expertin sagt aus


Die Fingerabdrücke passen allerdings genauso wenig zum Angeklagten wie eine am Tatort sichergestellte DNA-Spur. Dass mindestens drei Täter vor Ort gewesen sein müssen, schließt die Kriminaltechnikerin daraus, dass in den Blutlachen des Opfers auf dem Boden drei unterschiedliche Schuhprofile ausgemacht wurden. Wegen der Verbindung mit dem Blut können diese Spuren erst nach der Tat entstanden sein. "Wir haben sofort alle Schuhe von Polizisten, Angehörigen und Nachbarn, die nach der Tat vor Ort waren, der Sanitäter und Notärzte überprüft, aber die Schuhprofile stammten von niemandem aus diesem Personenkreis", erklärte die Kriminaltechnikerin.

Mit dem Angeklagten konnten die Schuhabdrücke bislang ebenfalls nicht in Verbindung gebracht werden.
Der Angeklagte erklärte auch gestern wieder, den Rentner nicht überfallen zu haben.
Wie seine Fingerabdrücke auf das Packpapier gekommen sein könnten, hatte er am ersten Prozesstag erklärt: "Ich habe in meiner Zeit in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber einem anderen Mann geholfen, Papiere und Anträge auszufüllen. Der Mann hat ständig Pakete und Päckchen gepackt und verschickt, mit Handys und anderen Gegenständen. Vielleicht habe ich dabei das Packpapier angefasst."

Im Auftrag von Richter Armin Hardt hatte die Staatsanwaltschaft in den vergangenen Tagen versucht, den Mann ausfindig zu machen - erfolglos. Möglicherweise könnten Probleme mit der Schreibweise des ausländischen Namens, den der Angeklagte buchstabiert hatte, der Grund dafür sein, dass die Identität beziehungsweise der Verbleib des Mannes nicht geklärt werden konnte.
Der Prozess wird am 22. November fortgesetzt.

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