Raus aus dem Elfenbeinturm
Am kommenden Freitag feiert ein Stück Premiere, mit dem das Theater Trier eine junge und damit auch zukünftige Zielgruppe ansprechen will. "Tokio" thematisiert durch die Zusammenarbeit von Autor Lothar Kittstein mit Trierer Jugendlichen (der TV berichtete) deren Realität und nähert sich ihr überdies durch die Wahl des Spielorts, des Café Lübke Sounds.
Trier. Passanten nehmen das Café Lübke Sounds in der Nähe des Hauptbahnhofes wegen seiner umlaufenden Panoramafenster als Glaspavillon wahr. Der Raum mit Kreuzungsaussicht ist ein beliebter Szenetreffpunkt, wo zu Musik auf Sofas gemütlich "gechillt" (entspannt) werden kann. Genau dort wird das Theater Trier seine neue Produktion "Tokio", das vom preisgekrönten Autor Lothar Kittstein mit Trierer Jugendlichen entwickelte Auftragswerk, spielen. Dafür gibt es mehrere Gründe: "Es hat Loftcharakter und eine Wahnsinnsatmosphäre", schwärmt Regisseurin Indira Rautenberg, "vor allem aber wirkt ein Jugendstück immer dort klasse, wo die Jugend auch ist". Die Identifikation mit dem Stück werde gefördert, man könne die Zielgruppe direkt ansprechen. Selbst überzeugt vom Konzept des "Theaters zum Anfassen" hofft die Regisseurin vor dem ersten Probedurchgang mit Publikum, einer 8. Klasse aus dem Gymnasium in Bernkastel-Kues, dass es auch aufgeht. Das Stück bediene in einer Zeit, in der "Jugendliche von allen Seiten zugeballert werden", eher leise Töne, die Konzentration auf Sprache und Ruhe erforderten. "Hoffentlich können wir damit berühren". Auch ist sie gespannt, ob das Bemühen der erwachsenen Schauspieler, jugendlich "cool" zu agieren ohne jedoch beispielsweise in Bezug auf die im Stück angesprochene Homosexualität lächerlich zu wirken, überzeugt. Das ist der Fall. Dramatischer Konflikt einer Dreiecksbeziehung
Die 14-jährigen Testzuschauer versinken nicht nur in den Sofas, sondern auch in Konzentration und verfolgen aufmerksam das ausgesprochen authentische Spiel von Vanessa Daun (Anna), Alexander Outh (Ben) und Jan Brunhoeber (Alex). Verpackt in den dramatischen Konflikt einer Dreiecksbeziehung, in der Ben zwischen Anna und Alex steht, arbeiten die Drei die Kernfrage Heranwachsender: "Was will ich, welche Weichen stelle ich für mein Leben?" und die damit verbundene Orientierungs- und Selbstfindungsproblematik heraus. "Das kam gut rüber", sagt Dennis (14). "Mir wird es auch mal passieren, dass ich mich für einen Weg entscheiden muss, und das ist schwer". Wie ihn hat das Stück auch seine Mitschülerinnen Isabell (14) und Maria (13) berührt: "Das war sehr emotional". Manche der angesprochenen Probleme seien ihr noch fremd, sie sei zu jung, meint Isabell und könne sich schwer hineinversetzen. "Aber das kommt alles irgendwann", sagt Maria. Schon deshalb würden die Schülerinnen das Stück auf jeden Fall Gleichaltrigen empfehlen und auch, "weil's einfach gut gemacht und der Raum cool ist".Die Premiere von Tokio ist am Freitag, 25. Januar, um 20 Uhr im Café Lübke Sounds. Weitere Termine: 1. und 16. Februar um 20 Uhr, Karten an der Theaterkasse unter Telefon 0651/7181818.