Rechenspiele für zwei Ortsumgehungen

Rechenspiele für zwei Ortsumgehungen

Das Land möchte, dass der Bund Ortsumgehungen für Igel und Zewen baut und bezahlt. Nun liegen Kostenberechnungen für die beiden Straßen vor. Das Bundesverkehrsministerium wird dann prüfen, ob sich die Investitionen in Höhe von 28 Millionen in Zewen und bis zu 62 Millionen in Igel lohnen.

Für 60 Millionen Euro kann man fünf Kilometer Autobahn bauen. Oder drei Ortsumgehungen Könen oder eine Ortsumgehung für Igel. Eine Entlastungsstraße für Trier-Zewen ist schon für geschätzte 28 Millionen Euro zu haben. Dies geht aus Zahlen des rheinland-pfälzischen Innenministeriums hervor.

Die Zahlen zu den beiden erstmals vom Land Rheinland-Pfalz für den Bundesverkehrswegeplan angemeldeten Projekten sind in den vergangenen Wochen zusammengetragen worden.

Für die Ortsumgehung Zewen hat sich das Land im Wesentlichen an den Planungen der Stadt Trier für eine Straße orientiert, die seit Jahrzehnten bereits diskutiert wird und die den Durchgangsverkehr aus dem Stadtteil aufnehmen soll. Die Trasse würde zwischen Zewen und Oberkirch durch das Moselvorland führen. Aufgrund der Nähe zum Fluss muss der notwendige Tunnel so gebaut werden, dass kein Wasser eindringen kann.

Gleich zwei Varianten haben die Verkehrsplaner für die Ortsumgehung Igel durchgerechnet. Dort sind täglich rund 16 000 Fahrzeuge unterwegs. Variante eins würde größtenteils auf Stelzen parallel zur Mosel und zur Bahnstrecke verlaufen. Diese günstigere Variante würde rund 59 Millionen Euro kosten. Geschätzte 62 Millionen Euro würde eine Nordumfahrung der Gemeinde kosten. Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Bernhard Henter hervor. Dabei würde ein Teil der Straße durch einen Tunnel geführt.
Sowohl Igels Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig als auch Zewens Ortsvorsteher Helmut Mertesdorf würden sich freuen, wenn ihre Orte vom Durchgangsverkehr befreit würden. Scharfbillig spricht sich für eine Tunnellösung aus, da er sich eine Brücke auf Stelzen im Moselvorland "nur sehr schwer vorstellen" kann.
Ob die Ortsumgehungen gebaut werden, hängt nicht vom Land ab. Denn das meldet die Projekte nur an. Bezahlen muss der Bund. Das zuständige Verkehrsministerium prüft mittels einer auf alle Vorhaben gültigen volkswirtschaftlichen Berechnung, ob sich die Investition auch lohnt.
Dabei spielen auch Komponenten wie Sicherheit und CO-Emissionen ebenso eine Rolle wie Bau- und Unterhaltungskosten. Als sinnvoll werden solche Vorhaben bewertet, bei denen der Aufwand mindestens so groß wie der Ertrag ist.

Noch nicht geklärt ist bisher, wie sich die beiden neuen Straßen bezüglich Lärm und Naturschutz auswirken würden. Gerade die Fragen des Naturschutzes waren es, die dafür gesorgt haben, dass ein anderes Straßenbauprojekt im Raum Zewen/Igel es nicht in die Vorschlagsliste für den Bundesverkehrswegeplan geschafft hat - der Moselaufstieg. In einem Verkehrsgutachten war prognostiziert worden, dass dieser eine Entlastung von jeweils rund 5000 Fahrzeugen pro Tag für Igel und Zewen gebracht hätte. Kosten sollte die Verbindung von der südlichen Moselseite bis zur A 64 nach früheren Schätzungen rund 45 Millionen Euro.
Meinung

Nur Luftnummern
Das war es dann wohl. Technisch machbar ist eine Ortsumgehung Igel wohl in zwei Varianten. Doch bezahlbar ist mutmaßlich weder die eine noch die andere. Deshalb wird eine Entlastung der Gemeinde vom Verkehr weiter ein frommer Wunsch bleiben. Und auch die Kosten für eine Entlastungsstraße für Zewen sind hoch. So hoch, dass es eines kleinen Wunders bedürfte, damit der Bund irgendwann Geld für den Bau einer Straße lockermacht. Wobei zuvor noch zu klären wäre, ob Lärmschutz und Umweltschutz irgendwie mit dem Projekt in Einklang gebracht werden können. Vermutlich wird die Enttäuschung über das Aus für die Ortsumgehungen nicht allzu groß sein. Denn wohl nur die optimistischsten Optimisten haben geglaubt, dass die vom Land aus dem Hut gezauberten Pläne mehr sind als Luftnummern. h.jansen@volksfreund.de