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Rechtsanwältin Rebecca Weides klärt Fragen zur Lohngleichheit

Interview mit Rechtsanwältin Rebecca Weides : „Frauen sollten sich zusammenschließen“

Betriebsrat, Netzwerke, Arbeitsgericht: Es gibt viele Möglichkeiten für Frauen, gleiches Gehalt für gleiche Arbeit zu fordern. Doch wie sollte Frau konkret vorgehen? Und wie sind die Erfolgschancen?

Rebecca Weides arbeitet seit 2006 als Rechtsanwältin, von Anfang an selbstständig in ihrer eigenen Kanzlei. Im November 2018 bestand sie in Hagen die theoretische Prüfung zur Fachanwältin für Arbeitsrecht. Zuvor absolvierte sie den Fachanwaltslehrgang „Arbeitsrecht“ an der Hagen Law School. Im TV-Interview erklärt sie, wie Frauen Lohngleichheit fordern können - und was sie dabei besonders beachten sollten.

An wen kann sich eine Frau wenden, wenn sie merkt, dass sie schlechter bezahlt wird als ein männlicher Kollege in ähnlicher Position?

Weides: Sollte es einen Betriebsrat geben, so empfehle ich der Frau, sich an diesen zu wenden. Die Rolle des Betriebsrates ist auch im Entgelttransparenzgesetz besonders hervorgehoben und geregelt. Es ist insbesondere geregelt, dass Beschäftigte tarifgebundener und tarifanwendender Arbeitgeber sich für ihr Auskunftsverlangen an den Betriebsrat wenden. Natürlich ist die betroffene Frau nicht gehindert, sich parallel anwaltlichen Rat einzuholen. Insbesondere wenn es keinen Betriebsrat gibt, muss sich eine Frau, die das Problem der Schlechterbezahlung lösen will, direkt an den Arbeitgeber wenden. Hier kann anwaltliche Hilfe natürlich nützlich sein, auch wenn sie vielleicht zuerst in einer Beratung und nicht direkt in einer Vertretung besteht. Ich persönlich rate dazu, das Problem erst einmal im Betrieb anzugehen, bevor man sich an externe Dritte wendet.

Was sollte sie beachten?

Weides: Sie sollte sachlich an die Diskussion herangehen, auch wenn man in der Situation persönlich und emotional betroffen ist. Sie sollte gut vorbereitet sein, was ihre Argumentation betrifft. Zudem sollte sie sich selbst klarmachen, wie weit sie bereit ist, rechtlich zu gehen. Sie muss wissen, ob sie im Zweifelsfall vor das Arbeitsgericht ziehen will. Deshalb sollte sie sich auch frühzeitig rechtlich beraten lassen.

Wie hoch sind die Erfolgschancen, dass sich etwas ändert?

Weides: Ich kann keine pauschale Aussage treffen. Meine persönliche Meinung ist, dass sich solche Dinge am ehesten ändern, wenn sich Betroffene zusammentun. Es gibt mutige Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer, die auch auf rechtlichem Gebiet viel erreicht haben. Jedoch erzeugt es oftmals mehr Druck, wenn sich Betroffene zusammentun und eine größere Gruppe von Personen zieht auch leichter die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Damit sich auf Dauer insgesamt etwas ändert, muss Öffentlichkeit erzeugt werden. Aus diesem Grunde wurde ja auch der Equal Pay Day ins Leben gerufen.

Riskiert sie mit einer Forderung nach höherem Gehalt ihren Job?

Weides: Ich will ehrlich sein: Wenn Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer sich mit Forderungen an ihren Arbeitgeber wenden, so habe ich es leider schon oft erlebt, dass dies für sie mit Sanktionen verbunden war. Es kommt natürlich auf den Arbeitgeber an, ich will nicht pauschalisieren. Jedoch kann eine Forderung nach höherem Gehalt im schlimmsten Fall den Verlust der Arbeit nach sich ziehen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für die oft schlechtere Bezahlung?

Weides: Ich persönlich habe den Eindruck, dass oft immer noch veraltete Rollenbilder in den Köpfen herrschen. Diese veralteten Strukturen führen natürlich zu einer Ersparnis an Ausgaben, denn bei den Gehältern der weiblichen Angestellten wird auf diesem Wege gespart.

Sollten sich mehr Frauen wehren und für eine faire Bezahlung einsetzen?

Weides: Konkrete Möglichkeiten habe ich bereits aufgezeigt. Juristisch kann der Weg dann vor das Arbeitsgericht führen, wenn die Frau auf faire Bezahlung klagt. Frauen sollten sich zusammenschließen, Netzwerke bilden und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Das Thema darf nicht „einschlafen“. Frauen in Führungspositionen könnten ihren Einfluss nutzen. Das Entgelttransparenzgesetz steht in der Kritik, zu wenig zu bewirken. In anderen europäischen Ländern werden solche Verstöße mit finanziellen Sanktionen geahndet. Leider bewegt sich oft erst etwas, wenn finanzielle Einbußen drohen. Wahrscheinlich ist daher auch in Deutschland ein weiteres Gesetz vonnöten.