Rechtsanwalt Thomas Schmidt, der vom Gericht eingesetzte Sachwalter, ist zuversichtlich, das Jugendkulturzentrum Exhaus aus der Krise führen zu können.

Insolvenz : Exhaus Trier: Insolvenzverwalter ist optimistisch

Der Betreiberverein der Trierer Einrichtung ist insolvent. Rechtsanwalt Thomas Schmidt, der vom Gericht eingesetzte Sachwalter, ist zuversichtlich, das Jugendkulturzentrum aus der Krise führen zu können. Doch Garantien gebe es nicht.

Die Insolvenz, die der Verein Exzellenzhaus vergangene Woche angemeldet hat (der TV berichtete), ändert vorerst nichts. Alle Veranstaltungen, Angebote, Projekte und Konzerte finden statt. Alle Gehälter der 50 Mitarbeiter sind noch für März und April durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Solange haben Thomas Schmidt und Christine Frosch Zeit, das Exhaus aus der Krise zu steuern. Beide Anwälte sind erfahrene Sanierungsexperten, die in Trier bereits massive Erfolge vorweisen können.

Im Oktober 2015 meldete die gemeinnützige Bürgerservice GmbH in Trier Insolvenz an. Das Unternehmen schrieb zwar im laufenden Betrieb schwarze Zahlen, litt aber chronisch unter finanziellen Altlasten, dünner Eigenkapitaldecke und geänderten Förderbestimmungen. Weil die Stadt Trier als Gesellschafter nicht weitere Millionen zuschießen wollte, sollte eine Insolvenz in Eigenverwaltung die Lösung bringen. Der Plan gelang. Alle 270 Arbeitsplätze blieben erhalten, das Insolvenzverfahren wurde aufgehoben. Die beiden Macher: Sachwalter Thomas Schmidt und Insolvenzgeneralbevollmächtigte Christine Frosch.

 „Es gibt in einer solchen Situation keine Garantien“, sagt Thomas Schmidt. „Aber ich bin zuversichtlich. Was ich bisher prüfen konnte, war sehr durchdacht und fundiert.“ Die wirtschaftliche Stabilisierung des Exhaus-Betreibervereins sei keine Wunschvorstellung. „Das ist machbar. Zwar ist der Zeitdruck hoch, und man muss jetzt sehr intensiv zusammenarbeiten, aber alles, was der Verein sagt und darlegt, ist plausibel und nachvollziehbar.“

Die wirtschaftliche Schieflage des Vereins sei maßgeblich durch Auflagen des Brandschutzes verursacht worden – die Stadt Trier als Besitzerin des Gebäudes hatte die maximal erlaubten Besucherzahlen stark reduzieren müssen. „Das sind äußere Einwirkungen und keine internen strukturellen oder konzeptionellen Mängel“, sagt Schmidt.

Ein weiterer Baustein seiner Zuversicht sei die Position der Stadt Trier, erklärt der Sachwalter. „Während der Insolvenz der Bürgerservice gGmbH hat die Stadt die versprochene Unterstützung in vollem Umfang eingehalten“, sagt Schmidt. „Darauf kann man sich mit Sicherheit auch im aktuellen Fall des Exhauses verlassen.“ Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Elvira Garbes hat die Unterstützung der Stadt Trier bereits zugesagt. Wie diese konkret aussehen wird, hängt von den weiteren Entscheidungen im Verlauf des Insolvenzverfahrens ab.

Vorerst ändert sich nichts, betont Schmidt. „Es gibt keine aktuellen Pläne, Abstriche im Angebot zu machen. Ich erkenne auch keine Notwendigkeit für kurzfristige Änderungen.“

Wann wird die Stadt eingreifen – und in welcher Form? Sozialdezernentin Garbes antwortet: „Zunächst mal wollen wir dem Exzellenzhaus-Verein die Chance geben, sich im Rahmen der eigenverwalteten Insolvenz neu aufzustellen. Das wird etwas Zeit brauchen, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass der Vorstand zusammen mit den erfahrenen Insolvenz-Experten einen Weg aus der Krise findet. Die Stadt glaubt an die Zukunft des Vereins.“

Könnte die Stadt die Trägerschaft des Kulturzentrums übernehmen, falls es wider Erwarten nicht gelingen sollte, den Verein wieder auf sichere Beine zu stellen? „Das wäre nicht so einfach“, sagt Garbes. „Der Verein agiert ja in verschiedenen Tätigkeitsfeldern, der offenen Jugend- und Kulturarbeit beispielsweise oder dem Betrieb eines Horts.“ Die Übernahme solcher Aufgaben müsste man gegebenenfalls ausschreiben, weil es ja auch andere freie Träger gebe, die diese übernehmen könnten. „Das alles ist im Moment aber nicht auf der Agenda, da wir zunächst mal davon ausgehen, dass uns der Verein nach der Insolvenz als zukunftsfähig aufgestellter Akteur erhalten bleibt.“

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