Reden statt Pillen

TRIER. (len) Besucheransturm beim alternativen Mediziner: Rund 300 Besucher kamen jeweils zu zwei von der Buchhandlung "Interbook" organisierten Vorträgen von Rüdiger Dahlke in die Tuchfabrik. Mit gewagten Thesen und viel Witz gelang es ihm, das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

Rüdiger Dahlke kann das, was viele Ärzte nicht können: Den Menschen erklären, worüber er redet. Mit dem Mikrofon in der Hand steht der Mediziner, der sich auf Naturheilkunde und Homöopathie spezialisiert hat, auf der Bühne, geht gelegentlich einen Schritt hin und her und stellt den knapp 300 Zuhörern im bis auf den letzten Platz gefüllten Großen Saal der Tufa seine Vorstellung von Krankheit vor. Mit provokanten Thesen, Witz und Ironie versteht es der begabte Redner, das Publikum 90 Minuten lang gefesselt zu halten. "Krankheit als Sprache der Seele", heißt der erste von zwei Vorträgen, die er hält, nach einer 20-minütigen Pause spricht er über "Aggression als Chance". Beide Vorträge sind an die äußerst erfolgreichen Bücher Dahlkes mit gleichem Titel angelehnt.Symptome als Verbündete

Aufs Härteste kritisiert Dahlke die traditionelle Medizin. Sie behandele Symptome, nicht aber die Ursachen von Erkrankungen. "Wenn sie zum Arzt gehen, verbündet er sich mit ihnen gegen Ihre Symptome", erklärt er den Zuhörern. "Bei uns müssten sie damit rechnen, dass wir uns mit ihren Symptomen verbünden." Die Symptome seien Ausdruck von tiefer liegenden Störungen. Als krasses Beispiel erzählt er von einer Frau, die von einem Arzt stimmungsaufhellende Medikamente verschrieben bekam - sie trauerte, weil ihr Mann am gleichen Tag tödlich verunglückt war. "Die Schulmedizin beruht auf solide abgesicherten Denkfehlern", sagt er. Als Beispiel führt er unsinnige Ratschläge an. Die Forderung etwa, Kinder wegen der Belastung der Muttermilch mit Schadstoffen nicht mehr zu stillen. Erst nach 20 Jahren sei "dem Irrsinn" ein Ende bereitet worden. Dahlke: "So lange dauert es, bis die Ergebnisse von zwei Langzeitstudien vorliegen." Nach Ansicht Dahlkes könnten derartige unsinnige Empfehlungen vermieden werden, wenn sich die Mediziner mehr mit dem Alltagswissen beschäftigen würden: "Schon das Sprichwort sagt: ,Die Liebe geht durch den Magen.' Man hätte nur stillenden Müttern zuschauen müssen, um zu erkennen, dass das Kind an der Brust auch Liebe aufnimmt." Dahlke betont, er wolle die Schulmedizin nicht abschaffen, sondern sie sinnvoll ergänzen. "Sie wird dem Wesen der Krankheit nicht gerecht." So könne die traditionelle Medizin einer Krankheit nicht vorbeugen, sondern sie nur frühzeitig erkennen. "Es gibt aber Früherkennung, die mehr schadet als sie nutzt." Bei der Prostata-Früherkennung oder der Mammographie zur Brustkrebs-Früherkennung etwa ist nach Ansicht Dahlkes der Schaden durch die Untersuchungen größer als der Nutzen. Seit 1978 bezeichnet sich der studierte Mediziner Rüdiger Dahlke als "Reinkarnationstherapeut und Fastenarzt". Zusammen mit seiner Frau Margit leitet er ein Heilkunde-Zentrum in Johanneskirchen in Niederbayern.