Reden über das Unaussprechliche

Reden über das Unaussprechliche

TRIER. Was haben die Vizepräsidentin des Mainzer Landtags, die Leiterin der Trierer Fachhochschul-Bibliothek und Grünen-Stadträtin Sigrun Priemer gemeinsam? Sie sind – mit anderen bekannten Frauen – die "Stars" der diesjährigen Trierer Vagina-Monologe am 11. März. Zum ersten Mal führen nicht professionelle Schauspielerinnen, sondern Laien das berührende Theaterstück auf.

Es ist das Besondere, das Neue der diesjährigen Trierer Vagina-Monologe und gleichzeitig die Besinnung auf die Ursprünge dieses Theaterstücks: Nicht Profis, sondern bekannte Frauen aus der Region tragen das Stück vor. "Das Konzept wurde in den USA, wo die V-Day-Bewegung ihren Ursprung hat, entwickelt. Die weibliche Sexualität sollte damit noch stärker aus der Tabu-Zone herausgeholt und zum Thema aller gemacht werden", sagt Ingrid Gödde, Leiterin des Trierer Frauennotrufs. Außerdem sollte die Teilnahme und Schirmherrschaft bekannter Frauen den Erlös der Benefiz-Veranstaltungen steigern. In Trier haben in den beiden vergangenen Jahren Profi-Schauspielerinnen die Vagina-Monologe in der Tufa mit großem Erfolg aufgeführt. Je rund 160 Frauen und Männer wollten das Stück sehen. "Diesmal haben wir im Vorfeld etliche Frauen angeschrieben und sie gefragt, ob sie selbst mitmachen möchten", sagt Gödde. Viele Politikerinnen hätten aus Zeitgründen abgesagt, anderen sei bei dem Thema nicht ganz wohl gewesen. "Aber viele waren sofort bereit, unsere Sache zu unterstützen", erzählt Gödde. Frauen von Ende 20 bis Mitte 60

Frauen von Ende 20 bis Mitte 60 werden am 11. März auf der Tufa-Bühne stehen. Neben Diplom-Bibliothekarin Elke Becker sind die Journalistinnen Joya Ghosh und Stephanie Lermen dabei. Die Quinter Lehrerin im Ruhestand, Rosemarie Holz, genauso wie die stellvertretende Leiterin des Simeonstifts, Bärbel Schulte. Friedel Grützmacher, Vizepräsidentin des Mainzer Landtags hat den Text-Part mit interessanten, spannenden und überraschenden Fakten über die weibliche Vagina übernommen. Diese Infos umrahmen die neun eigentlichen Monologe, die sich auf komische, anrührige und traurige Weise mit dem Genital auseinandersetzen. Diese sehr persönlichen Texte sind aus Interviews entstanden, die die amerikanische Journalistin Eve Ensler zu diesem Thema mit hunderten Frauen geführt hat. 1996 wurde das daraus entstandene Theater-Stück erstmals in New York aufgeführt - und damit die weltweite "V-Day-Bewegung" ins Leben gerufen: Engagierte Frauen um den ganzen Globus nutzen mittlerweile das Theaterstück, um in der Zeit um den Valentinstag auf die traurige Seite weiblicher Sexualität aufmerksam zu machen und dagegen anzugehen: sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen. Allein in diesem Jahr finden in 60 Ländern von Mitte Februar bis Mitte März rund 1100 registrierte Aufführungen der Vagina-Monologe statt. Die Regie bei der Aufführung in der Tufa hat die Trierer Pädagogin Fiona Lorenz übernommen. Seit November laufen die nicht immer einfachen Proben. "Da stehen Frauen zum ersten Mal auf der Bühne - und reden dann ausgerechnet über Vaginen." Erfahrungen mit Sexualität

Nicht das Thema Gewalt, sondern die Erfahrungen von Frauen mit ihrer Sexualität stehen im Mittelpunkt des Theater-Stücks. "Es geht um das Nicht-darüber-sprechen-dürfen, um Heiteres und Nachdenkliches und schließt mit der Erzählung einer Geburt", verrät Lorenz. Die intimen, offenen Texte lieferten die Vorlage, selbst über seine eigene Sexualität nachzudenken. "Und das kann eine sehr heilende Wirkung haben", sagt Lorenz. Vagina-Monologe: 11. März, 20 Uhr, im großen Saal der Tufa. Karten: Frauennotruf Deutschherrenstraße, Shock-Tickets (Cinemaxx), Abendkasse.

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