Regierung trifft auf Uni

Ein besonderer Vortrag stand an der Universität Trier auf dem Programm. Thomas Steg, stellvertretender Regierungssprecher in Berlin, gab Einblicke in seinen Job.

Trier. "Nicht alles, was ich den Bürgern sage, ist gelogen", sagte einst Konrad Adenauer zu einem Journalisten. Wie viel aber gelogen ist von dem, was die Bundesregierung der Öffentlichkeit erzählt, wollten am Dienstag zahlreiche Studenten wissen. Im fast voll besetzten Auditorium maximum der Universität Trier stand der Vortrag "Aufklärung oder Werbung? Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft" mit dem stellvertretenden Sprecher der Bundesregierung, Thomas Steg, auf dem Programm.

Stegs Einschätzung, was von den Stellungnahmen der Regierung gelogen ist, fällt sehr positiv aus. "Es ist eine Todsünde, als Regierungssprecher vorsätzlich die Unwahrheit zu sagen", sagte er. Dadurch demontiere man sich selbst, das Ansehen sei dann weg.

Dass Steg für diesen Vortrag in Trier einen ganzen Tag investiert hat, verdankt die Universität dem Politik-Professor Uwe Jun und dem Fachschaftssprecher der Medienwissenschaftler, Johannes Pütz (26). Die beiden haben Steg nach Trier gebracht. Zuvor waren sie mit ihm bei einem Gesprächsabend in Berlin ins Gespräch gekommen. Pütz hat von Steg für die heiße Wahlkampf-Phase im Sommer eine Praktikumsstelle im Bundespresseamt bekommen, wo er Berufserfahrung sammeln kann.

Oberstes Prinzip: Eine einfache Sprache



Der erste Vortragsversuch Stegs ist im Januar gescheitert, weil er in Berlin mit der Öffentlichkeitsarbeit für das Konjunkturpaket II der Bundesregierung zu kämpfen hatte. Trier behielt er aber im Sinn und erfüllte sein Versprechen wenig später. Schnell machte er klar, dass Politik-Kommunikation selbst ein Politikum ist. Er selbst sitzt demnach in einer Machtposition, die sich vor allem darüber definieren lässt, wem er was sagt - zum Beispiel beim Espresso nach der offiziellen Bundespressekonferenz. Aber nicht die (Kommunikations)-Werkzeuge, die er beherrscht, sondern die Substanz der Politik entscheide über den Erfolg von Regierungen - also das, was am Ende in Form von Gesetzen und Entscheidungen herauskommt. Das heißt im Klartext: Für Fehler müssen die Politiker immer noch selbst geradestehen.

Nichtsdestotrotz ist es Stegs Aufgabe, die öffentliche Meinung im Sinne der Regierung zu beeinflussen. Und das will er, indem er bei den Pressekonferenzen eine möglichst einfache Sprache wählt. Steg: "Ich will Dinge, die man ohne Erklärung nicht verstehen kann, so erklären, dass man die Thematik versteht, ohne dass Journalisten sie noch näher erläutern müssen."

Bei Pressekonferenzen über die Finanzkrise dürfe er zum Beispiel nicht in den Jargon der Banker verfallen, sondern müsse alles mit einfachen Beispielen und Bildern beschreiben. Ein klarer Auftritt und eine stringente Argumentation, nur so komme er über die Medien direkt an die Bürger heran.