Reifeprüfung auf der Insel

Sie macht Theater, spielt Einradhockey, leitet eine Zirkus-AG und betreut Ferienfreizeiten. Jetzt, kurz nach dem Abitur am Trierer Max-Planck-Gymnasium, hat die 19-jährige Hanna Koltes aus Pluwig neue Pläne. Ab September engagiert sie sich im internationalen Jugendfreiwilligendienst an einer Deutschen Schule in Spanien.

Pluwig/Pluwigerhammer. "Ich will jetzt erst mal den Kopf frei kriegen von dem ganzen Schulkram. Dreizehn Jahre Frontalunterricht sind erst mal genug", sagt Hanna Koltes (19) und lacht. "Außerdem weiß ich immer noch nicht, ob ich Tiermedizin oder doch etwas mit Biologie studieren soll. Und vielleicht entscheide ich mich ja doch noch für ein soziales Studium, wenn ich aus Gran Canaria zurück bin." Leitung einer Zirkus-AG

Sozial eingestellt ist die junge Frau aus dem Pluwiger Ortsteil Pluwigerhammer allemal. Sie habe schon immer gerne mit Kindern gearbeitet, sagt die 19-Jährige, die auch über die Jugendleitercard (Juleica) verfügt. Seit Jahren betreut sie Ferienfreizeiten für Grundschulkinder, leitet eine Zirkus-AG und ist Mitbegründerin der "Römer", eines Einradhockey-Teams in Trier (MJC/Mergener Hof). Zudem mistet sie ab und an mal Ställe auf einem Gnadenhof für Pferde aus - wenn sie nicht gerade als jonglierende Stelzenläuferin am Trierer Stadttheater auftritt (Oper "Die verkaufte Braut").Ihre neuesten Pläne führen die engagierte junge Frau ein Jahr lang ins Ausland. Bevor sie mit dem Studieren beginnt, möchte die Pluwigerin praktische Erfahrungen sammeln und lernen, eigenständig zu handeln. Im September geht sie deshalb für zwölf Monate nach Gran Canaria. "Das war gar nicht so einfach, da ranzukommen", berichtet die 19-Jährige. Sie habe sich bei mehr als zehn Organisationen beworben. "Ich bin durch ganz Deutschland gereist, nur, um am Ende wieder eine Absage zu bekommen. Anscheinend wollen das einfach zu viele junge Leute machen." Für 80 freie Plätze habe es bis zu 800 Interessenten gegeben. Umso größer war die Freude, als dann doch ein positiver Bescheid aus Hildesheim kam. Über die Organisation Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) wird Hanna Koltes ab Herbst an einer deutschen Schule in Gran Canaria mitarbeiten. An der Schule selbst kann sie sich zwar mit ihrer Muttersprache behelfen. Damit die Kommunikation aber auch außerhalb der Einrichtung funktioniert, lernt die junge Frau jetzt Spanisch. Außerdem baut sie einen eigenen Förderkreis auf, der ihr die Teilnahme finanziert (siehe Extra). Wer die junge Frau unterstützen möchte, kann sie per E-Mail an hanna.koltes@web.de kontaktieren. Revanchieren wird sich Koltes mit einer Art Internet-Tagebuch. In einem Blog wird sie ihren Sponsoren regelmäßig darüber berichten, was sie auf der Insel unternimmt, und wie genau ihre Arbeit an der Deutschen Schule in Las Palmas aussieht. "Die Leute sollen ja schließlich wissen, dass ich in Spanien arbeite und nicht etwa einen gemütlichen Urlaub mache", sagt Koltes und lacht.Extra

Den Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD) gibt es seit 2011. Er wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen und wendet sich an junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren. Er ersetzt das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) im Ausland. Da die Kosten für einen Freiwilligendienst im Ausland sehr hoch sind und die staatliche Förderung nicht ausreicht, müssen sich die Teilnehmer einen Kreis von Förderern aufbauen, der den IJGD durch Spenden unterstützt. Ein Förderkreis besteht aus mindestens fünf Personen, die einen finanziellen Beitrag für und an den IJFD leisten. Den Förderern werden auf Wunsch Spendenbescheinigungen ausgestellt. Weitere Infos im Internet ijgd.de anf