Reise ins Körper-Innere

TRIER. (red/r.n.) Premiere in Trier: Erstmals ist im Brüderkrankenhaus die Methode der "Kapselendoskopie" angewendet worden. Sie verbessert die Möglichkeit einer Darmuntersuchung erheblich.

Erkrankungen des Dünndarms sind schwer zu diagnostizieren. "Bilder aus dem Dünndarm, dem Abschnitt zwischen Magen und Dickdarm, sind uns bisher verborgen geblieben", sagt Professor Christian Kölbel, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I im Brüderkrankenhaus. Mit der konventionellen Magenspiegelung können noch die ersten, mit der Dickdarmspiegelung die letzten 20 bis 30 Zentimeter des Dünndarms eingesehen werden. Die dazwischen liegenden vier Meter waren für neugierige Blicke bisher jedoch unerreichbar.Verfahren von Geheimdienst entwickelt

Kölbel: "Einzige Möglichkeiten, überhaupt irgend etwas über den Dünndarm in Erfahrung zu bringen, waren bis vor kurzem Röntgen-Untersuchungen und Computertomographie nach Füllung des Darms mit Kontrastmittel. Das sind mühsame und mit Strahlenbelastung verbundene Methoden".Hilfe zur besseren Diagnostik bei unklaren Blutungen im Dünndarm verspricht jetzt die Kapselendoskopie. Nur wenige Zentren in Deutschland verfügen über diese Untersuchungsmöglichkeit. Die Methode, vom israelischen Geheimdienst entwickelt, steht jetzt als erster Klinik in Trier und Umgebung dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder zur Verfügung.Das System besteht aus einer Videokapsel, dem Datenrekorder sowie einer Arbeitsstation mit einer Software zur Bildanalyse und -Auswertung.Die elf mal 26 Millimeter große und 3,7 Gramm schwere Kapsel wird mit Wasser geschluckt und durch die natürliche Darmbewegung in den Dünndarm befördert. Auf ihrem Weg sendet sie pro Sekunde zwei Bilder an den Datenrekorder, der an einem Gürtel um die Hüfte getragen wird. Für den Empfang dieser Bildsignale werden spezielle Sensoren am Bauch des Patienten in einer festgelegten Anordnung angebracht. Nach sechs bis acht Stunden wird die Kapsel auf natürlichem Wege ausgeschieden. Sie wird nicht wieder verwendet. "Für den Arzt beginnt dann die eigentliche Arbeit", erläutert Chefarzt Kölbel."Die insgesamt 50 000 Bilder werden vom Datenrekorder als Videofilm auf den Computer geladen und vom Gastroenterologen beurteilt, was einen Zeitaufwand von zwei bis drei Stunden erfordert. Dieses Verfahren ist allen anderen Dünndarm-Untersuchungsmethoden überlegen."Nicht für Patienten mit Herzschrittmacher

Haupteinsatzgebiete sind ungeklärte Blutungen und Entzündungen des Dünndarms, wie Morbus Crohn. Nicht anzuwenden ist die Kapselendoskopie bei Verdacht auf eine starke Verengung des Magen-Darm-Traktes, bei Patienten mit Herzschrittmacher oder anderen elektromedizinischen Implantaten sowie bei Schwangeren, da hierzu noch keine genaue Erfahrungen vorliegen.Nur der Dünndarm wird untersucht

Allerdings wird mit der Kapselendoskopie ausschließlich der Dünndarm untersucht. "Sie ersetzt nicht die Magen- oder Dickdarm-Spiegelung", macht Kölbel klar. "Denn an diesen Stellen ist die Passagezeit der Kapsel viel zu kurz. Es können keine verwertbaren Aufnahmen entstehen." Hier liege der Vorteil bei den konventionellen Endoskopien, bei denen Blutungen direkt behandelt würden, Proben entnommen oder Polypen abgetragen werden könnten. "Diese Leistungen kann die Videokapsel nicht erbringen."Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0651/2082662 (Sekretariat Kölbel).