Reizthema: Busse und Bahnen kontra Autos

TRIER. Das ewige Konflikt zwischen Bus und Bahn auf der einen Seite und dem Individualverkehr auf der anderen war auch Thema zum Abschluss des Geographentages in Trier.

Der öffentliche Personen Nahverkehr ist weiterhin ein Reizthema zwischen Entscheidungsträgern und Wissenschaft. Teilnehmer der Diskussion: (von links) Professor Heiner Monheim, Landrat Richard Groß, Thomas Geyer vom Zweckverband SPNV-Nord, Baudezernent Peter Dietze und Clement Atzberger, Mitglied im Trierer Stadtrat.Foto: Hans Georg Schroll

Neben der Diskussion wurden Preisträger aus den Reihen von Nachwuchswissenschaftlern der Geographie ausgezeichnet. Margit Conrad, rheinland-pfälzische Ministerin für Umwelt und Forsten (Mainz), hielt die Abschlussrede des Geographentages. Die Veranstalter und Besucher seien zufrieden gewesen, lautete das einhellige der Ausrichter des Geographentages. Vier Preise an Nuchwuchswissenschaftler sowie ein Medienpreis wurden vergeben. Ministerin Margit Conrad will die engagierte Arbeit, insbesondere die der Ausbildung des akademischen Nachwuchses, besonders fördern. "Wir in Rheinland-Pfalz werden den Studierenden keine Beschränkungen auferlegen. Wir werden keine Studiengebühren einführen", verkündigte sie unter großem Beifall der Zuhörer."Öffentliche Entscheider haben keine Ahnung"

"Politik-Konzepte und Politik-Strategien im Verkehrsbereich" lautet das Thema, in dessen Mittelpunkt die von Professor Heiner Monheim (Trier) herausgegebene Studie stand, die die Akzeptanz des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Region Trier bei Entscheidungsträgern, also Politikern, Verwaltungsbeamten und Busunternehmen, untersuchte. Als Input für die Diskussionsrunde mit Landrat Richard Groß (Trier-Saarburg), Thomas Geyer (Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Nord), Baudezernent Peter Dietze (Trier) und Clement Atzberger, Trierer Stadtratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen provozierte Monheim mit der These: "Die öffentlichen Entscheider haben keine Ahnung vom ÖPNV." Er begründete dies, dass - wie aus der Studie hervorgehe - die öffentlichen Entscheidungsträger nur in geringem Maße den von ihnen verantworteten ÖPNV auch selber nutzen würden. Ihnen fehle also die praktische Erfahrung im Umgang mit diesem Verkehrsmittel. Darüber hinaus würde aber auch über das Kostenverhältnis zwischen Auto und ÖPNV zu wenig nachgedacht. Kosten des ÖPNV würden dramatisch hochdiskutiert. Bestätigt wurde Monheims Einschätzung durch Clement Atzberger: "In den kommunalen Haushalten wird die Frage nicht diskutiert, was für den Autoverkehr im Verhältnis zum ÖPNV ausgegeben wird." Dezernent Peter Dietze warf jedoch ein, dass sich die Kosten für die jeweiligen Verkehrsteilnehmer auch an ihrem Aufkommen orientieren müsse. Vorurteile und Informationsdefizite

Die tieferen Ursachen für die mangelnde Akzeptanz liegen laut Studie jedoch am Informationsdefizit der öffentlichen Entscheider, gepaart mit Vorurteilen. Dies verhindere Innovationen im ÖPNV in der Region Trier, auch in den schwach besiedelten Regionen, so Monheim. Er verwies dabei auf Beispielregionen in Süddeutschland und in der Schweiz, wo der ÖPNV auch in dünnbesiedelten Regionen funktioniere. Um dem ÖPNV eine gute Finanzierungsbasis zu geben, forderte Geyer eine grundlegende Reform der Finanzierung des straßengebun-denen ÖPNV, ähnlich wie im Schienenpersonennahverkehr. "Es kann nicht angehen, dass bahneigene Busgesellschaften jährlich Profite in Millionenhöhe machen und diese an die Muttergesellschaft in Berlin abgeben. Diese Mittel müssen in der Region bleiben, um sie zweckgebunden an die kommunalen Haushalte weiterzugeben", plädierte Geyer für eine weitergehende Lösung. Trier-Saarburgs Landrat Richard Groß zeigte sich an den innovativen Modellen interessiert: "Ein Unternehmer schaut sich den Erfolg eines anderen ab. Zeigen Sie mir konkrete Beispiele eines gut funktionierenden ÖPNV." Schließlich sei er nicht "beratungsresistent". Er würde sich gerne für die Region Trier passable Beispiele ansehen.