Rennstrecke zur Grundschule

FEYEN-WEISMARK. Schutz oder größere Gefahr für die Schulkinder? Eine neue Verkehrsführung am Estricher Weg und in der Straße "Auf der Grafschaft" erhitzt die Gemüter. "Ein Schildbürgerstreich", meinen einige Anwohner.

Als Achim Hahn um 7.50 Uhr mit dem Auto in die Straße "Auf der Grafschaft" biegen wollte, traute er seinen Augen nicht. Arbeiter der Stadt montierten neue Verkehrsschilder: "Durchfahrt verboten!" Hahn muss jetzt, da der Weg zur Einbahnstraße erklärt wurde, durch den Estricher Weg - direkt am Schulhof der Grundschule Feyen vorbei - auf seinen Parkplatz vor der Wohnanlage "Auf der Grafschaft 4" fahren. "Diese neue Regelung ist doch ein Schildbürgerstreich", meint Achim Hahn kopfschüttelnd. "Der Hauptverkehr wird jetzt durch die verkehrsberuhigte Zone an der Schule gelenkt. Die Gefahr für die Kinder ist jetzt zehn Mal größer." Er blickt sorgenvoll auf den Schulbeginn und befürchtet zudem, dass die Einbahnstraßen "Estricher Weg" und "Auf der Grafschaft" zur "Rennstrecke" werden, da es nun keinem Gegenverkehr mehr gibt. "In den Wohnblocks hier 'Auf der Grafschaft' wohnen auch viele Kinder. Die laufen schon mal unbedacht zwischen den parkenden Autos heraus", hat Winfried Walbert, der "Auf der Grafschaft 12" wohnt, beobachtet. Warum die Verkehrsführung geändert wurde, darüber können die von der Entscheidung überrumpelten Feyener nur spekulieren. "Morgens stehen hier bestimmt 15 Autos, mit denen die Eltern ihre Kinder in die Schule bringen", weiß Achim Hahn. Nicht selten komme es zu gefährlichen Situationen, wenn Eltern unter Zeitdruck und von beiden Richtungen die Grundschule erreichen wollen.Ortsbegehung soll vermitteln

"Seit etwa sieben Jahren fordern Schule und Eltern bereits, dass hier eine Einbahnstraße ausgewiesen wird. Denn durch den Estricher Weg gehen jeden Tag 20 bis 40 Kinder zur Turnhalle. Das war immer eine Gefahr für sie", erläutert Ortsvorsteher Michael Jacoby, warum er zusammen mit der Schulleitung den Antrag beim Straßenverkehrsamt gestellt hat. Rektor Norbert Stoeck will jedoch nun bis zur geplanten Begehung mit Straßenverkehrsamt und Polizei keine Auskunft geben, warum die Schule diesen Antrag gestellt hat. "Bis dahin kein Kommentar", sagte Stoeck auf TV -Anfrage. Da die neue Einbahnstraßen-Regelung auf großen Unmut stößt, hat das Straßenverkehrsamt inzwischen reagiert. "Die neue Verkehrsführung ist momentan ausgesetzt. Es gilt die alte Regelung", sagte Jürgen Backes vom städtischen Presseamt am Mittwoch. "Nächste Woche wird es eine Begehung geben, und dann wird entschieden." Dass dem so ist, erfuhren die Anwohner erst am Donnerstag, als die Schilder mit Plastiktüten verdeckt wurden. Achim Hahn bestätigt, dass sich auch zuvor die meisten Anwohner nicht an das Durchfahrverbot gehalten haben. Gezwungenermaßen wurde auch Ursula Bermes zur Verkehrssünderin: "Ich muss verkehrswidrig in den Gegenverkehr fahren. Sonst komme ich nicht mehr mit meinem Wagen aus der Garage."

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