Rhythmisches Fußabtreten

TRIER. (chj) Wer bei Ska keinen Bewegungsdrang verspürt, ist zu bedauern. Deutschlands älteste Offbeat-Formation "The Busters" zeigten im Exhaus, dass jamaikanische Blasmusik bestens zum Tanzen taugt.

Kurz bevor das Konzert beginnt, ist noch reichlich Platz vor der Bühne. Das ändert sich schlagartig bei den ersten Takten von "Far away", eines von drei, vier Highlights des neuen Albums "Evolution Pop". Junge Menschen, die sich gerade noch entspannt unterhalten haben, drängen plötzlich nach vorne und reißen zu treibenden Bläsern die Kniee hoch. Eine Aufwärmphase gibt es beim Ska nicht. Ska ist der 110-Meter-Hürdenlauf der Pop-Musik. Wenn der Startschuss fällt, heißt es: die Beine hoch, denn es ist schnell wieder vorbei. Nach einer halben Stunde und fast einem Dutzend Stücken - darunter flotte, ältere Nummern wie "Ruder than rude" und "Stompede" - durchströmt ein süßlicher Turnhallenumkleidegeruch die Atemwege. Draußen herrschen Temperaturen von zehn Grad minus, doch im Exilkeller hält man es kaum noch im T-Shirt aus. Deos quittieren in Serie ihren Dienst, Kleidungsstücke kleben am Körper. Gelegenheit zum "Luft" holen, bieten Soli, Reggaestücke ("Light your own match") und Balladen ("Hey little girl"). Die zwölf Musiker aus Wiesloch (Pfalz), von denen noch die Hälfte aus der Gründungsformation stammt, sorgen jedoch dafür, dass die Zuhörer stets in Bewegung bleiben. Schließlich machen sie es auch vor. Was aussieht wie rhythmisches Fußabtreten, sind die Tanzschritte zum Vorläufer des Reggae. Zum Finale drückt das dynamische Dutzend noch ein bisschen mehr aufs Gas und treibt mit den Klassikern "Dead or alive", "No risk, no fun" und "Summertime" die Endorphine aus den Drüsen. Weil die Gäste immer noch "Zugabe" rufen können, bekommen sie auch noch "Mickey Mouse in Moscow", "Six beers" und "Tokio Ska Zone" und ein wahnwitziges Posaunensolo von Rob Göhring um die Ohren geblasen. Vor 19 Jahren entstanden "The Busters" aus einem Geburtstagsständchen heraus. Eine Spaß-Combo sind sie trotz zahlreicher Umbesetzungen auch geblieben. Mit den dazu gehörigen Defiziten. Richard Tabor, neben Neuzugang Ron Marsman der schwächere der beiden Sänger, hat eine dünne Allerweltsstimme, und die Texte geraten, sobald sie ernst werden, ins Kitschige. Aber wer achtet schon darauf, wenn man sich gerade die Seele aus dem Leib tanzt?!