Rhythmus aus dem Bauch

TRIER. Eine elegante, stolze und schöne Frau ist Aliza, wenn sie auf der Bühne steht, geschmückt, mit kostbaren Gewändern. Doch Fassade und Attitüde ist das nicht. Alice Andersson, Künstlername Aliza, lebt ihren Tanz und die Einheit von Körper, Geist und Seele.

"Ich gehe Umwege, bis ich meinen Weg gefunden habe", sagt Alice Andersson. Aber den Weg zum orientalischen Tanz hat sie vor etwa 20 Jahren gefunden und seither nicht mehr verlassen. "Das ist eine Tanzform, die süchtig macht", sagt die 37-Jährige. "Orientaltanz, das heißt für mich, mit Leib und Seele zu tanzen." Tanzen ist für sie Kommunikation mit der Außenwelt, aber auch mit der Innenwelt und der Austausch dazwischen. Hartes Training in Workshops

"Dem Gefühl und der inneren Haltung wird im Tanz Ausdruck gegeben. Es ist wie eine Reise, auf der man anderen und manchmal auch sich selbst begegnet. Ein Tanz ist demjenigen gelungen, der Körper, Seele und Geist vereint." Bereits als Kind nahm Alice Andersson Ballett-Unterricht, später belegte sie Jazz- und Modern-Dance-Kurse. Auch während ihres Studiums, sie war für Literaturwissenschaften, Anglistik, Slawistik und Pädagogik eingeschrieben, trainierte sie hart und bildete sich auf Workshops intensiv fort. "Erst eine Ausbildung in integrativer Tanzpädagogik, die meinem Streben nach Ganzheitlichkeit entsprach, habe ich das Ziel entwickelt, professionelle Tanzpädagogin zu werden." Heute sei sie froh, dass sie keine Profi-Tänzerin mit festem Engagement am Theater oder Ballett sei. "Denn ich will frei sein und meine eigenen Choreografien tanzen." Ihre Choreografien und Tanzkunst gibt sie in Kursen in der Tufa an ihre Schülerinnen weiter. Obwohl Trier nicht gerade ein Tanz-Mekka ist, hat sie in der Tufa und dem Tufa-Tanzverein eine Heimat gefunden, "um sich als freischaffender Künstler auszutoben". Dort gibt sie auch Kindern und Jugendlichen Unterricht und beteiligt sich an Projekten wie dem Improvisationstanz-Ensemble ExisTanz oder den Tufa-Tanz-Tagen (bis 21. Mai), bei denen einmal pro Jahr alle Kursleiter mit ihren Gruppen die Vielfalt des Tanzens präsentieren und für die Andersson zum ersten Mal eine Kindertanzmatinee (Sonntag, 21. Mai, 11 Uhr) auf die Beine gestellt hat. "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust", beschreibt Andersson ihre Begeisterung für die zeitgenössische Kontaktimprovisation des Ensembles ExisTanz und die Liebe für den orientalischen Tanz. 1993 gründete sie mit zwei weiteren tanzbegeisterten Frauen die Gruppe "Salomes Schwestern", die mit dem ersten Auftritt während der Moselland-Ausstellung durchschlagenden Erfolg hatte. Mit dem orientalischen Tanzcafé von "Salomes Schwestern" (Alice Andersson, Alexandra Dietze, Trixy Mehlinger), bei dem alle drei Vorstellungen im Café Bley ausverkauft waren, hat sich Andersson einen Traum erfüllt. "Seit meiner Kindheit bin ich Stammkundin im Café Bley. Dort zu tanzen, hat uns vor schwierige Aufgaben gestellt, aber das war ein lange gehegter Wunsch." Ihre Vorliebe für Vanilleschnitten und Nussnougatröllchen sieht man der schlanken 37-Jährigen und Mutter zweier Kinder indes nicht an. "Der orientalische Tanz ist eine Kunstform und hat sich als Selbstzweck weiter entwickelt", sagt Andersson. Vor allem der Raks Sharki, der im Ägypten der 1920er und 1930er Jahre seine Blüte erfuhr, steht nicht in der Tradition ritueller oder religiöser Ursprünge und wurde von schönheitsliebenden, aber emanzipierten Frauen getanzt. "Mir ist es wichtig, diese Form des Tanzes aus der Bauchtanz-Animier-Ecke heraus zu holen, in die er immer noch von vielen Leuten gestellt wird." Diese Vergleiche seien eine ungerechtfertigte Herabsetzung der Tanzkunst und des intensiven Trainings in Tanztechnik, Rhythmik, Improvisation und Musikkunde, die der orientalische Tanz erfordert. Die Bewegungen kommen aus der Körpermitte, der Rhythmus aus dem Bauch, sie fließen energetisch über den gesamten Körper bis in Finger- und Zehenspitzen. "Orientalischer Tanz ist Kommunikation mit dem Körper, der die Bilder zur Musik malt", stellt Alice Andersson fest.

Mehr von Volksfreund