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Richtersein als Charaktersache

Richtersein als Charaktersache

Angenehme letzte Pflicht für den scheidenden Direktor des Arbeitsgerichts, Karl-Heinz Radünzel: Den ehrenamtlichen Richtern Werner Orth und Martin Möller hat er die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

Trier. (DQ) "Als hätte jemand Regie geführt", sagt Richter Karl-Heinz Radünzel und betont, alles sei reiner Zufall: Am Ende von mehr als 35 Dienstjahren verleiht der Direktor des Arbeitsgerichts als letzte Amtshandlung zweimal die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz an Werner Orth und Martin Möller, die beide seit mehr als zwölf Jahren als ehrenamtliche Richter tätig sind.

"Wir wurden vom Deutschen Journalistenverband als Richter nominiert", sagt Martin Möller. Er sagt lachend: "Endlich hab ich mich auf der richtigen Seite gefühlt." Drei- bis viermal im Jahr wird ein ehrenamtlicher Richter zu einer Verhandlung bestellt. Neben den Berufsrichtern sind am Trierer Arbeitsgericht mehr als 100 ehrenamtliche Richter tätig - die Hälfte von Arbeitnehmerseite wie etwa von einer Gewerkschaft, die andere Hälfte von Arbeitgeberseite, etwa vom Arbeitgeberverband. "Der Berufsrichter ist der eigentliche Jurist, die beiden ehrenamtlichen - jeweils von einer der Seiten - bringen in der Verhandlung ihren Sachverstand, ihre Erfahrung und ihren gesunden Menschenverstand ein", erklärt Werner Orth. Daraufhin werde abgestimmt. Während Werner Orth das Trierer Studio von Radio RPR leitet, ist Martin Möller langjähriger Betriebsratsvorsitzender beim Trierischen Volksfreund. Ehrenamtliche Richter sind beide sehr gerne. "Bei den Verfahren geht es um Menschen, oft um sehr eindrückliche Schicksale", sagt Orth. Oft dienten die Verhandlungen auch als Ersatz-Kriegsschauplätze.

Für Karl-Heinz Radünzel ist Richtersein Charaktersache: "Es entspricht meinem Temperament, ausgleichend zu sein und beide Seiten zu hören", sagt er. Nach seiner Referendarzeit in Karlsruhe war er zwei Jahre lang in Karlsruhe und Mannheim als Arbeitsrichter tätig, bis er 1974 nach Trier wechselte. 1991 wurde er Direktor des Trierer Arbeitsgerichts. Seit den 70er Jahren haben sich nicht die Gerichtsverfahren, wohl aber die Rahmenbedingungen verändert, stellt er fest: "Damals war Hochkonjunktur, es wurden bei einer Kündigung großzügige Abfindungen gezahlt. Heute müssen die Arbeitnehmer viel mehr darum kämpfen." Etwa fünfzig Verfahren habe ein Richter im Monat. In etwa der Hälfte der Fälle gelinge eine gütliche Regelung, in zehn bis zwölf Prozent der Fälle komme es zu einem streitigen Urteil. "Zeugnisklagen nehmen immer mehr zu", beobachtete er: "Offenbar werden sie immer wichtiger für Arbeitnehmer."

Auf seinen neuen Lebensabschnitt freut sich Karl-Heinz Radünzel gemeinsam mit seiner Frau Christine. "Ich gönne mir ein Orientierungsjahr, um zu sehen, was auf uns zu kommt", sagt er. An Interessen mangelt es ihm nicht: "Bogenschießen, Saxofon spielen, Reisen und Joggen."