Riol strebt Namenszusatz "am See" an
Riol · Die Moselgemeinde Riol will künftig "Riol am See" heißen. Bevor der offizielle Antrag auf Ergänzung des Ortsnamens bei der Kreisverwaltung gestellt wird, sollen sich die Bürger zu dem Vorhaben äußern können.
Riol. Geht es nach dem Rioler Gemeinderat, soll der 1250-Einwohner-Ort an der Mosel künftig den Zusatz "am See" führen. Bereits vor einem halbem Jahr hatte Ortsbürgermeister Arnold Schmitt (CDU) die Namensänderung ins Spiel gebracht; jetzt hat der Rat einstimmig beschlossen, das Anhängsel zu beantragen.
Zuvor sollen allerdings die Bürger Gelegenheit bekommen, sich zu dem Vorhaben zu äußern. Für März ist eine Versammlung geplant. "Das wäre ein touristisches Alleinstellungsmerkmal für die Mosel", glaubt Ortsbürgermeister Schmitt. Bestärkt in ihrem Vorhaben werden die Rioler von Sven Thiesen, Leiter der Tourist-Information Römische Weinstraße. Den Fremdenverkehrsexperten hatten die Gemeindeväter vor dem Ratsbeschluss um eine Stellungnahme gebeten. Thiesen sieht den See-Zusatz gerechtfertigt, weil sich inzwischen eine touristische Infrastruktur rund um den künstlichen Freizeitsee "Triolago" in Riol entwickelt hat: Feriendorf, Campingplatz, Rodelbahn, Wasserski-Seilbahn, Spiel- und Fußballgolf, Badestrand und Restauration. Ein 80-Betten-Hotel ist geplant (der TV berichtete). Der Ort werde mit dem Zusatz ohne Zweifel im Marketing an Aufmerksamkeit gewinnen, was die Entwicklung von Riol positiv beeinflusse, glaubt Sven Thiesen. Er rät den Riolern aber auch, nicht alleine auf den See zu setzen. Das Wasser sei ein "Entwicklungsthema", aber kein Hauptgrund, um an der Mosel Urlaub zu machen. Anziehungspunkt Nummer eins sei die klassische Weinkulturlandschaft mit den Freizeitaktivitäten Wandern und Radfahren. Riol könne jedoch den See als "Mitnahmeeffekt" vermarkten und damit ein Manko ausgleichen. Thiesen: "An der Mosel ist man zwar am Wasser, aber man kann nicht baden." Riol habe die Chance, Zielgruppen anzusprechen, die man sonst nicht so ohne weiteres bekomme. Etwa junge Leute, die sich an der Wasserskibahn vergnügen und gerne Partys feiern oder Familien mit kleinen Kindern.
Die Chancen, dass Riol schnell und problemlos zu seinem neuen Ortsnamen kommt, stehen gut (siehe Extra). Für die Genehmigungsbehörde, die Kreisverwaltung Trier-Saarburg, ist es nicht das erste Mal, dass sie mit einer Änderung eines Gemeindenamens konfrontiert wird. Im Fall von Kell am See hatte die Behörde 1992 dem Antrag der Hochwaldgemeinde zugestimmt. Kell benötigte allerdings zwei Anläufe, bis es den 1972 errichteten künstlichen See als Werbeträger anhängen durfte. Den ersten Antrag im Jahr 1972, so berichtet Bürgermeister Werner Angsten von der Verbandsgemeinde Kell am See, hatte das damals noch zuständige Mainzer Innenministerium abgelehnt. Begründung: Der Zusatz diene ausschließlich als Werbeeffekt und werde aus wirtschaftlichen Gründen angestrebt. Als dann 20 Jahre später der Kreis den Zuschlag für Kell am See erteilte, seien Losheim und Biersdorf schnell auf den Zug aufgesprungen.
Unmittelbar nach der Ortsgemeinde vereinnahmte auch die Verbandsgemeinde Kell den Zusatz "am See". Das ging laut Angsten ganz unbürokratisch, weil Kell am See Amtssitzgemeinde war und sich deshalb auch die Verbandsgemeinde so nennen durfte. Die Entscheidung sei im Nachhinein völlig richtig gewesen, sagt Angsten. Kell am See klinge nicht nur phonetisch besser als Kell, es bringe auch den Strukturwandel zur modernen Ferienregion zum Ausdruck und habe den ganzen Hochwald geprägt.GLOSSEMeinung
Widukind und Co.
Riol am See ist ja ein netter Versuch, aber mal ehrlich: Wen reißt das vom Hocker? "Am See" heißen viele Orte, ein Alleinstellungsmerkmal ist das wohl kaum. Dabei sind die Freiheiten, die der Gesetzgeber für Ortsnamen zulässt, schier unerschöpflich. Nordrhein-Westfalen zeigt, was geht. So hat sich die Stadt Enger, bisher eine graue Maus unter Deutschlands Kleinstädten, die Zusatzbezeichnung Widukindstadt gegeben. Widukind soll die Sachsen im Kampf gegen die Franken angeführt haben. Keine Ahnung, was der mutige Krieger mit Enger zu tun hat. Vermutlich hat er dort mal sein Pferd gewechselt. Egal, klingt jedenfalls heldenhaft. Als Bildungsstadt will sich Hagen profilieren und nennt sich "Stadt der FernUniversität Hagen", den Maler Peter-August Böckstiegel hat die "Böckstiegel-Stadt Werther" als Namensgeber auserkoren. Wie man sieht, sind im Trierer Land die Möglichkeiten von Ortsnamen-Anhängseln noch nicht ansatzweise ausgeschöpft: Föhren könnte sich beispielsweise Rictius-Varus-Dorf Föhren nennen und damit Touristen anlocken, die im Meulenwald auf Geistersuche gehen. Schließlich treibt der römische Statthalter Rictius Varus dort sein Unwesen, weil er mal Christen verfolgt hat und deshalb keine Ruhe findet. Auch Monumente würden sich super als Werbeträger eignen. Wie wär\'s mit Igel an der Weltkulturerbe-Säule, Burg-Ramstein-Ort Kordel oder Detzem am zehnten Meilenstein? Oder nehmen wir Köwerich. Was gewänne das unscheinbare Moselörtchen an Glanz, würde es der kulturinteressierten Weltöffentlichkeit schon im Ortsnamen offenbaren, dass die Vorfahren von Beethovens Mutter hier lebten. Kulturevents wären der Renner. Man stelle sich nur mal vor: Starpianist Lang Lang gibt Beethovens Fünfte im Gasthof "Alter Bahnhof" zu Köwerich. Nomen est omen. Albert FollmannExtra
Genehmigungsverfahren: Nach Paragraf 4 der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung können Orte Bezeichnungen führen, die auf der "geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder der Bedeutung der Gemeinde" beruhen. Genehmigungsbehörde ist die Kreisverwaltung. Sie entscheidet auf Antrag der Ortsgemeinde, ob der Namenszusatz offiziell geführt werden darf. Auch Löschungen sind theoretisch möglich. alf