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Robert Weber, Freund von Chorleiter Reinhold Neisius, erinnert sich

Jubiläum : Zwei Kameraden, eine Leidenschaft

Antreten! Kurz nach Reinhold Neisius 75. Geburtstag erinnert sich ein Freund an eine Anekdote aus dessen Jugendzeit. Der Chorleiter bringt beim Appell in einer Wehrübung Kameraden zum Staunen. Wegtreten!

Ob witzig oder peinlich, lustig oder skandalös – die skurillsten Geschichten aus dem Leben eines Geburtstagskindes kommen an seinem runden Geburtstag meist alle aufs Tapet. So verwundert es kaum, dass sich Robert Weber aus Trier-Biewer an ein Ereignis aus seiner Jugend erinnert, in dem Reinhold Neisius, Chorleiter des Männergesangvereins 1880 Rheinland-Ehrang, eine tragende Rolle spielt. Dieser feierte vor wenigen Wochen seinen 75. Geburtstag...

Weber und Neisius lernen sich 1970 auf einer Wehrersatzübung in Merzig (Auf der Ell) kennen. Eine Zeit, in der junge Männer– ob willig oder nicht – antreten mussten. In einer Mail an den Trierischen Volksfreund blickt Weber zurück: „Eine unvergessliche Episode. Die Kompanie ist zum Appell angetreten. Der Kompaniefeldwebel steht vor der Kompanie und verteilt einen Packen Post: „Neisius!“ Der Soldat Neisus geht zum Spieß (Kompaniefeldwebel), nimmt den Brief in Empfang, geht zurück in die Kompanie. Der nächste Brief: „Neisius!“. Der Vorgang wiederholt sich zur Erheiterung der ganzen Kompanie, bis Neisius alle Briefe hat. Das können 20 bis 30 Briefe gewesen sein.“ Wer mag dem jungen neuen Chorleiter von Ehrang alles geschrieben haben? Das fragt sich Weber bis heute.

Der Trierische Volksfreund hat bei Reinhold Neisius nachgefragt. Der ist erst verdutzt und dann erheitert: „Ja, zwischen 1969 und 1971 musste ich jedes Jahr eine Wehrübung absolvieren.

1969 kam ich mit 24 Jahren nach Ehrang und gründete dort den Jugendchor. Das war eine Rasselbande.“ Und eben diese Rasselbande scheint den jungen Chorleiter schmerzlich zu vermissen, als der seine Reserveübung im fernen Saarland absolvieren muss und nicht wie gewohnt mit ihnen proben kann.

Also schreiben sie ihm Briefe. Der Tenor: Wie geht es Ihnen? Wann kommen Sie wieder? „Wenn die in Urlaub gefahren sind, haben sie mir auch Postkarten geschrieben“, sagt Neisius, der als Lehrer an der damaligen Grund- und Hauptschule in Ehrang offenbar sehr beliebt war.

So etwa um 1969/1970 gründet der Musiklehrer die Kyllspatzen. Der Männerchor Ehrang übernimmt die Patenschaft. „In den Hochzeiten gingen mehr als 50 Kinder in den Chor. In den 70er und 80er Jahren war das eine Hochburg. Ich hatte das Glück, in einer guten Zeit Chorleiter sein zu dürfen“, sagt Neisius. „Als ich 2010 in Rente gegangen bin, habe ich einen guten Kinderchor hinterlassen.“

Ob Neisius seinen Kameraden Robert Weber (Jahrgang 1937) damals auf der Reserveübung mit seiner Begeisterung für den Chorgesang angesteckt hat? „Ich habe Neisius bei dieser Übung erst kennengelernt. Und wir haben uns etwas angefreundet“, berichtet Weber.

Doch der Funke muss übergesprungen sein. Denn Weber war später lange Jahre im Kirchenchor in Biewer als Sänger und Vorsitzender aktiv. „Jetzt bin ich Ehrenvorsitzender und singe seit etwa zehn Jahren nicht mehr im Chor.“

Doch die Erinnerungen an die Blütezeit des Chorgesangs sind bei den beiden alten Kameraden immer noch sehr lebendig.